Corona

Weiterhin massive Kritik am Gelsenkirchener Gesundheitsamt

Die Kritik am Gesundheitsamt Gelsenkirchen reißt nicht ab.

Die Kritik am Gesundheitsamt Gelsenkirchen reißt nicht ab.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Immer wieder melden sich verärgerte Gelsenkirchener zu Wort, weil sie sich in der Corona-Krise vom Gesundheitsamt schlecht beraten fühlen.

Die Kritik am Gelsenkirchener Gesundheitsamt reißt nicht ab. Obwohl weitere Bundeswehrsoldaten zur Unterstützung der längst überforderten Amtsmitarbeiter eingetroffen sind und den Dienst aufgenommen haben, berichten nahezu täglich verärgerte Gelsenkirchener von ihren schlechten Erfahrungen mit dem Gesundheitsamt.

Zentraler Kritikpunkt ist dabei ein ums andere Mal, dass Corona-Infizierte und ihre Kontaktpersonen erst ein bis zwei Wochen nach einem positiven Test von einem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes angerufen und über erforderliche Maßnahmen informiert werden.

Gesundheitsamt nicht erreicht und fast gekündigt worden

So berichtet etwa Asli Vural, Lehrerin an der Nordsternschule, dass ihr Ehemann wegen der Überforderung des Gesundheitsamtes sogar kurz davor gestanden habe, gekündigt zu werden. Anfang November wurden die hochschwangere Gelsenkirchenerin und ihr Mann positiv auf Corona getestet. Daraufhin ging das Paar zunächst in freiwillige Quarantäne .

Tagelang, so berichtet Ali Vural, habe sich niemand vom Gesundheitsamt gemeldet, weshalb die besorgte Schwangere ihrerseits täglich versuchte, über die Corona-Hotline der Stadt an einen Ansprechpartner zu gelangen – vergeblich.

„Man erhält lediglich falsche, sich widersprechende, verspätete Informationen“

„Erst nach drei Tagen kam ich durch und wurde dann noch patzig angemacht, warum ich mich nicht schon früher gemeldet hätte“, berichtet die Lehrerin entsetzt. In der Folge versucht Vural, Oberbürgermeisterin Karin Welge zu erreichen, „denn noch immer lag uns schließlich keine behördliche Quarantäneanordnung vor. Amazon, der Arbeitgeber meines Mannes, verlangt aber eben diese und drohte bereits mit einer Kündigung“, so Vural.

Eine Woche nach Aufhebung der Quarantäne und nach einigen genervten Versuchen, das Gesundheitsamt zu erreichen, hielten die Vurals ein behördliches Schreiben in Händen, auf dem der Zeitraum der Quarantäne vermerkt ist. „In meinem Umfeld erlebt jeder, der ebenfalls von Corona betroffen ist, ähnliches. Man erhält lediglich falsche, sich widersprechende, verspätete Informationen vom Gesundheitsamt Gelsenkirchen“, ärgert sich Asli Vural.

Gelsenkirchener Arzt: „Warum wurde die digitale Erfassung nicht vorbereitet?“

Auf die jüngste Berichterstattung der WAZ Gelsenkirchen zum Einsatz der Bundeswehrsoldaten im Gesundheitsamt und zur Umstellung dort auf die digitale Kontaktverfolgung, reagierte auch Günter Wagner, Facharzt für Allgemeinmedizin in Horst.

„Natürlich fragt man sich als Erstes: Warum wurde diese digitale Erfassung nicht schon in den letzten sieben bis acht Monaten vorbereitet?“, so der Mediziner. „Mit meiner täglichen Erfahrung als Hausarzt muss ich sagen: Das reicht bei weitem nicht. Die Strategie der Erfassung der Neuinfektionen muss geändert werden.“

Schüler positiv auf Corona getestet, Klasse nicht sofort geschlossen

Um zu verdeutlichen, was seiner Meinung nach schief läuft, bringt Wagner ein Beispiel aus seiner täglichen Praxis an: „Der Vater eines Schülers wurde positiv getestet. Das Ergebnis kam am Dienstag letzter Woche.“ Danach sei auch der Schüler getestet worden. Dessen Ergebnis sei dann am Freitag gekommen.

„Trotzdem sollten die Schüler und auch die Lehrer dieser Klasse weiter zur Schule gehen“, berichtet Wagner. Die Schulleitung scheint die Ausrichtung zu haben, die Anweisung des Gesundheitsamtes abzuwarten.“ Erst am Montag sei schließlich die Klasse geschlossen worden.

„Es müssen Schnelltests durchgeführt werden“

„Der Vater war seit Mitte November infiziert und ansteckend, der Sohn seit Montag letzter Woche. Bis zum Ergebnis des Testes am Freitag, also die ganze Woche, ging er zur Schule und konnte das Virus in der ganzen Klasse und damit in über 20 Haushalte verbreiten“, so das Fazit des Arztes. Er findet: „Diese Art der Testung, mit dieser Kontaktverfolgung, dauert viel zu lange. Es müssen Schnelltests durchgeführt werden.“

Dann wisse man innerhalb von 15 Minuten, wer zu Hause bleiben muss. „In den Schulen könnte das von geschulten Kräften durchgeführt werden“, sagt Wagner. Denn: „Meine berechtigte Sorge ist, dass sich mit den bisherigen Methoden diese Pandemie nicht einschränken und schon gar nicht herunterfahren lässt.“

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