Förderschulen

Wege der schulischen Inklusion in Ruhe ausloten

Außenansicht der Hansaschule (städtische Förderschule).

Foto: Martin Möller

Außenansicht der Hansaschule (städtische Förderschule). Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  2013/14 gab es in GE 13 Förderschulen. Durch das gemeinsame Lernen reduzierte sich die Zahl. CDU und FDP wollen diese Schulform wieder stärken.

„Die Förderschule wird zum Auslaufmodell“, schrieb die WAZ Gelsenkirchen im Juni 2013. Was wurde aus diesen Schulen in den vergangenen vier Jahren? Schüler mit Handycap sollten, so wollte es die Landesregierung damals, zukünftig in Regelschulen gehen. 13 Förderschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten gab es 2013/2014 in der Stadt. „Wir hatten alleine sechs Förderschulen Lernen, im kommenden Schuljahr haben wir noch drei. Von denen läuft eine – die Michael-Ende-Schule – noch ein Jahr, dann wird auch sie aufgelöst“, erklärt Bernhard Südholt, Schulamtsdirektor im Schulamt für die Stadt Gelsenkirchen.

Es gebe zwei Aspekte, auf denen das Handeln basiere. „Wir haben uns nach dem Elternwillen zu richten, der ganz klar einen Trend zeigt: weg von der Förderschule“, sagt Südholt. Außerdem müsse eine Förderschule, genau wie Grundschulen auch, eine gewisse Größe haben – das sind 144 Schüler.

„Akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind“

„Wenn Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf wollen, dass ihre Kinder in eine Grundschule gehen, richten wir uns in der Regel danach.“ Früher habe man im übrigen von Lernbehinderung gesprochen, von so einer Bezeichnung wolle man wegkommen. „Wir müssen uns gemeinsam auf den Weg machen, zu akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind.“

Förderschulen auf Stadtgebiet gibt es in den Bereichen Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung und Sprache. Der Landschaftsverband Westfalen Lippe betreibt darüber hinaus die Schule Körperbehinderung, die Schule Hören und die Schule Sehen, Einrichtungen, die auf jeden Fall weiterhin Bestand haben sollen.

Qualität kommt vor Quantität

Den Weg der Inklusion, also etwa Grundschulen mit dem gemeinsamen Lernen zu schaffen, das respektiere Gelsenkirchen. Gerade deswegen komme zuerst Qualität und dann Quantität. In etwa der Hälfte der 39 Grundschulen werde gemeinsames Lernen praktiziert. 1205 Kinder werden zurzeit in Förderschulen unterrichtet, 669 Förderschülerinnen und -schüler lernen in Grundschulen gemeinsam.

Vielfältige Unterstützungsmaßnahmen lasse die Bezirksregierung in Münster den Schulen zukommen, sagt der Schulamtsdirektor, macht aber auch keinen Hehl daraus, dass es insgesamt viel zu wenige Lehrer in NRW gibt, was das Unterrichten in den gemeinsamen Lernschulen oft schwierig mache. „Wir haben genügend Lehrerstellen, aber uns fehlen die Pädagogen“, sagt Bernhard Südholt.

Umfeld der Kinder hat sich verändert

Und die Probleme in den Schulen seien vielfältig. Die Kinder hätten sich verändert, weil sich deren Umfeld verändert habe. „Heute verbringen schon die Kleinen einen großen Teil ihrer Zeit mit unterschiedlichen digitalen Medien, früher waren die Kinder draußen, haben ihre Freizeit mit Bewegung ausgefüllt. Auch die Spielmöglichkeiten in Ballungsgebieten sind häufig deutlich eingeschränkt.“

Wenn jetzt die neue zukünftige Landesregierung den bisherigen Weg, die Förderschulen in jedem Fall zu schließen, verlasse, werde der weitere Weg Gelsenkirchens in Bezug auf die Inklusion in Ruhe diskutiert und ausgelotet. Schnellschüsse in Bezug auf Förderschul-Entscheidungen werde es hier auf keinen Fall geben, betont Südholt.

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