Bildung und Jugend

Was von der Dezernentin Annette Berg in Gelsenkirchen bleibt

Noch-Oberbürgermeister Frank Baranowski verabschiedete seine Dezernentin im Bürgerforum des Hans-Sachs-Hauses Gelsenkirchen. Und mit ihm zahlreiche Wegbegleiter.

Noch-Oberbürgermeister Frank Baranowski verabschiedete seine Dezernentin im Bürgerforum des Hans-Sachs-Hauses Gelsenkirchen. Und mit ihm zahlreiche Wegbegleiter.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Stadträtin Annette Berg wechselt zum Oktober von Gelsenkirchen nach Berlin. Was sie in ihrer Zeit im Dezernat bewegt hat, was bleibt.

Mit fast 100 Gästen und buntem Programm verabschiedeten die Stadt Gelsenkirchen und zahlreiche Akteure und Wegbegleiter aus ihrem Bereich am Freitag (18. September) ihre Beigeordnete für Kultur, Jugend, Bildung, Sport und Integration, Annette Berg. Ein Programmpunkt des Nachmittags bei der Feier im Bürgerforum des Hans-Sachs-Hauses vereinigte herzerwärmend gleich all ihre Zuständigkeiten: Eine multikulturelle Gruppe der Bewegungskita Florastraße tanzte sich in die Herzen der Gäste.

Warme Worte fand jedoch auch der Ende Oktober aus dem Amt scheidende Oberbürgermeister Frank Baranowski für seine Noch-Stadträtin. In ihren vier Dienstjahren in diesem Ressort, in dem „einige der großen gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragen – man kann auch gerne sagen: Herausforderungen – unserer Zeit bearbeitet wurden“, habe sie viel Neues angestoßen. Ein Beispiel sei die Neugründung und Vernetzung der Referate für Integration, Bildung und Jugend, die „unser großes und zentrales Anliegen – die gelingende Integration von Kindern von einheimischen wie auch von zugewanderten Eltern durch Bildung – vorantreiben“ solle. Der Neubau der Kulturschule am Schalker Verein mit ihrem „zukunftsweisenden Kulturprofil: Diese kluge Entscheidung trägt ganz klar Ihre Handschrift“, betonte der OB in seiner Abschiedsrede.

1000 Kinder mehr als vor zehn Jahren prognostiziert

Tatsächlich startete Annette Berg, die das Jugendamt in Essen leitete, bevor sie ins Gelsenkirchener Dezernat wechselte, in einer Zeit, als nach Jahren rückläufiger Schülerzahlen erstmals wieder ein extremer Schülerzuwachs verzeichnet wurde. Die Gründe dafür waren vielfältig: Gelsenkirchener bekamen mehr Kinder als erwartet, viele Flüchtlinge und noch mehr EU-Ost-Zuwanderer kamen und kommen mit Kindern in die Stadt. „Wir haben 1000 Schulkinder mehr, als die Schulentwicklungsforscher vor zehn Jahren prognostiziert hatten“, erklärt Annette Berg, warum komplett und schnell umgesteuert werden musste. „Wir haben einen Beschluss für drei bis vier Grundschulneubauten, sechs Kita-Neubauten und zwei neue Gesamtschulen auf den Weg gebracht. Und wir haben die Integration der Internationalen Förderschüler gemeinsam mit den Schulen gut vorangebracht.“

Stolz auf die Szeniale und den besseren Blick auf die freie Kulturszene

Worauf sie sonst noch stolz ist? „Auf die Szeniale als regelmäßiges Festival, das einen ganz neuen Blick auf die freie Kulturszene der Stadt ermöglicht hat.“ Die Kommunikation mit der freien Szene habe sie stark intensivieren können. Gern hätte sie noch die bereits vorbereiteten neuen Netzwerke und Angebote im Dienste des Jugendschutzes und der Prävention in „ihrem“ Jugendreferat vorgestellt; doch das wird nun wohl ihre Nachfolgerin, Anne Heselhaus-Schröer, tun, der sie beim Abschied auch gleich den Staffelstab überreichte.

Trotz aller Wehmut („Ich werde die Offenheit und die Herzlichkeit der Menschen hier vermissen!“) freut sich die in einem Dorf im Hunsrück geborene 53-Jährige auf ihre neue Aufgabe. „Als Direktorin der Stiftung kann ich helfen, Heranwachsenden eine Lebensperspektive zu geben. Da konnte ich einfach nicht ,Nein’ sagen.“ Und das ist auch eines der wenigen Dinge, die sie an Gelsenkirchen nicht vermissen werde, wie sie erst nach harter Nachfrage einräumt, „doch oftmals wirklich intensiv Überzeugungsarbeit leisten zu müssen für einen sehr wichtigen Bereich, der schon mal von jemandem (gemeint ist Alt-Kanzler Schröder, die Red.) als ,Gedöns’ bezeichnet wurde.“ Bildungsgerechtigkeit schaffen, den Kinderschutz ausbauen, optimale Bedingungen für Kinder für den Start ins Leben schaffen sind ihre Herzensanliegen: Und die werden in ihrer künftigen Arbeit auch im Mittelpunkt stehen.

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