Bezirksvertretung West

Waagehaus: SPD-/CDU-Mehrheit lehnt Bürgerantrag ab

Das Waagehaus kurz nach seiner Errichtung 1910.        

Foto: Archiv Adam

Das Waagehaus kurz nach seiner Errichtung 1910.      

Gelsenkirchen-Horst.   Die SPD-/CDU-Mehrheit in der Bezirksvertretung West hat den Bürgerantrag auf Sanierung des Waagehaus abgelehnt – aus rechtlichen Gründen.

Wer geglaubt hatte, Politiker und Bürger hätten sich mit dem von Eigentümer Vivawest beantragten Abriss des Horster Waagehauses abgefunden, der wurde bei der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung West eines Besseren belehrt: Rund zwei Stunden schlugen die Wellen der Empörung hoch bei den Verordneten aller Parteien und den etwa 20 Zuhörern. Das war’s dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten. Denn was die (politischen) Konsequenzen anging, tat sich eine Kluft auf zwischen SPD/CDU einerseits und Linke, Grünen, Win, AfD und ProNRW andererseits. Zentrale Frage war: Akzeptieren – oder weiterkämpfen?

Dreh- und Angelpunkt war die Bürgeranregung der Initiative zur Rettung und Neunutzung des Waagehauses, in der viele Horster Vereine organisiert sind. „Waagehaus sanieren, Baugrenzen erweitern und Kita anbauen“ lautet deren Marschroute – der Verwaltung, SPD und CDU aus rechtlichen Gründen aber nicht folgen wollten. „Wir sind nicht Gebäude-Eigentümer, haben also keinen Einfluss, da kein Denkmalschutz besteht“, so Stadtbaurat Martin Harter.

Stadt und OB Baranowski im Kreuzfeuer

Trotzdem bat Initiativen-Mitglied Wolf Hoffmann als Chef des Fördervereins Schloss Horst inständig, „die Stadt möge doch noch einmal mit Vivawest sprechen. Der Abriss wäre ein großer Fehler“.

Architekt und Stadtplaner Kai Kühmichel, ebenfalls in der Initiative organisiert, mahnte, es gebe weitere Kriterien für eine Denkmalwürdigkeit als die Frage, ob das Gebäude noch original sei. Angesichts des Gesamt-Investitionsvolumens von Vivawest seien die Sanierungskosten für das Waagehaus „eine Mini-Erbse“. Er regte an, dass das Unternehmen das Haus auch verkaufen und die geplante Kita etwa auf dem einstigen Pferde-Vorführplatz errichten solle – eine Position, die Initiativen-Mitglied und Linke-Bezirksverordneter Tomas Grohé vehement unterstützte.

„Auf Schön-Wetter-Horster kann ich verzichten“

Wie Grohé forderten die übrigen Einzelmandatsträger, „mehr öffentlichen Druck zu erzeugen“ und die Bürgeranregung zu unterstützen. Ins Kreuzfeuer gerieten dabei auch die Stadt (Grohé: „Ihr fehlt der Wille zur Erhaltung des Waagehauses“) und der Oberbürgermeister (Mirco Kranefeld, Grüne: „Auf so einen Schön-Wetter-Horster, der sich nicht engagiert, kann ich verzichten“). Vivawest sei mit seinem allein wirtschaftlichen Interesse „ein Egoist und kein guter Nachbar für Horst“, so Kranefeld.

Die Schärfe aus der Debatte zu nehmen, gelang Baurat Harter da nur bedingt mit seinem Appell „Vivawest nicht an den Pranger zu stellen; schließlich gab es nie ein Kaufangebot, von niemandem!“

CDU und SPD für Dialog in Sachen Erinnerungskultur

Am Ende votierte eine SPD-/CDU-Mehrheit für den Verwaltung-Vorschlag, die Bürgeranregung abzulehnen. SPD-Fraktionssprecher Udo Gerlach äußerte sich zwar, um Fassung ringend, „zutiefst betroffen“ von dem geplanten Abriss und warf Vivawest vor, sich über alle Einwände hinweggesetzt zu haben; letztlich dürfe die Politik jedoch keine falschen Hoffnungen wecken. Wie Harter und CDU-Fraktionssprecher Franz-Josef Berghorn befürwortete er ein Mitspracherecht von Politik und Bürgern in Sachen Erinnerungskultur.

Viele Zuhörer quittierten das Abstimmungsergebnis mit Ausrufen des Entsetzens und einem sarkastischen „Danke, SPD!“

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