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Vom Banken-Berater zum Weltenbummler: Ein Aussteiger erzählt

Gab seinen Job auf, um zu sich selbst zu finden: Christof Jauernig.

Gab seinen Job auf, um zu sich selbst zu finden: Christof Jauernig.

Foto: Privat

gelsenkirchen-Altstadt.   Christof Jauernig (45) kündigte seinen unbefristeten, gut bezahlten Job für ein unsicheres Leben. Er kommt in die VHS nach Gelsenkirchen.

Christof Jauernig (45) kündigte seinen unbefristeten, gut bezahlten Job für ein Leben ohne Netz und doppelten Boden. In der VHS Gelsenkirchen erzählt er davon.

Christof Jauernig wagte den Schritt aus der Tretmühle: Der ehemalige Analyst, angestellt bei einer Unternehmensberatung, stieg eines Tages aus – um erst mal ein halbes Jahr durch Südostasien zu reisen, ohne einen Plan für die Zeit danach.

Wie findet man am besten zu sich selbst, und wann merkt man, dass es Zeit wird, entscheidende Dinge im eigenen Leben zu ändern? Darüber – und über seine Reise – berichtet der 45-Jährige am Donnerstag, 16. Mai, ab 19 Uhr in der Gelsenkirchener Volkshochschule (VHS).

Kommt aus Frankfurt

Jauernig kommt aus Frankfurt, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, dann folgte ein internationales BWL-Studium. „Ich hätte mich schon damals ehrlicher fragen sollen“, sagt Jauernig heute, „ob das wirklich das Richtige für mich ist, doch ich wusste nicht so richtig, was ich sonst machen sollte.“

Später arbeitete er als Analyst, fertigte Studien an und Analysen zu Bankenthemen, „alles sehr kopfgesteuert und hochtourig.“ Und gut bezahlt.

Widerstände gegen die Arbeit

Doch irgendwann stellte er fest: „Ich entwickelte Widerstände gegen die Arbeit. Ich fühlte mich in dem umsatzgetriebenen Umfeld weder wohl noch ihm zugehörig.“ Die Stress-Symptome nahmen zu, die Erschöpfung auch. „Erst dann habe ich es endlich geschafft, auf meine innere Stimme zu hören und einzusehen, dass ich da raus musste“, sagt er. Und dann kündigte er, packte den Rucksack, reiste ein halbes Jahr durch Thailand, Vietnam, Myanmar, Kambodscha, Bali und andere Länder. Er lebte vom Ersparten, fotografierte, fing an, Eindrücke zu verschriftlichen und im Netzwerk Facebook zu veröffentlichen, und wenige Wochen vor seiner Rückkehr in die Heimat hatte er die Idee, zu Hause eine Ausstellung zu erarbeiten.

„Da kamen dann 30 Leute, vor allem Freunde, doch ich merkte an den Reaktionen, dass das Thema offenbar viele Leute bewegt: Wenn man sich gefangen fühlt in einer Situation, die eigentlich nicht mehr zu einem passt.“

Er kann von den Vorträgen gerade so leben

Jauernig, der auch Klavier spielt, untermalte auf der Ausstellungseröffnung seine groß profizierten Reisefotos und rezitierten Texte mit eingespielten Improvisationen. Was so eigentlich nur einmal stattfinden sollte, wurde ein Programm, mit dem er jetzt schon mehr als 100-mal aufgetreten ist. „Sogar in Banken war ich zu Gast.“

Auf Tour sein, ist derzeit sein Hauptjob, „ich kann soeben davon leben, auch wenn ich mich stark einschränken muss“. Er trägt schon mal die Jeans von seinem Bruder auf, und an größere Reisen ist derzeit nicht zu denken. „Aber das ist egal. Es geht darum, in Verbindung zu sich selbst zu kommen, zu seinem Bauchgefühl, denn tief in uns drin wissen wir, ob etwas wirklich zu uns passt oder nicht.“

Mit seinem Programm, das er „Gedanken verloren“ genannt hat, will er Menschen Mut machen, eigene Wege zu beschreiten, trotz Unsicherheiten, trotz der Ängste, trotz Komfortverlustes. „Hör’ auf deine innere Stimme“, sagt Jauernig.

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