Betrugsprozess

Vier Frauen aus dem Ruhrgebiet fühlen sich betrogen

Gelsenkirchen.   Als Vertreter der Stadt ließ sich Klaus-Jörg R. telefonisch bei Betrieben ankündigen und versprach gute Werbung. Nun steht er vor Gericht.

Als Vertreter der Stadt ließ sich Klaus-Jörg R. telefonisch bei mittelständischen Betrieben ankündigen. Er wollte zwischen 2014 und 2016 Kunden in Gelsenkirchen, Duisburg, Bottrop und Detmold von Werbeanzeigen auf städtischen Faltplänen überzeugen. Doch statt der zugesagten Werbemittel lieferte der Mann, der keinesfalls von der Stadt kam, wertlose Drucke. Wegen Betrugs muss sich der 56-Jährige vor dem Amtsgericht in Gelsenkirchen verantworten.

Blindes Vertrauen

Die vier Geschäftsfrauen, die als Zeugen vor Gericht auftraten, hatten dem Mann als vermeintlich städtischem Vertreter vertraut.

Wie auch Heike D., die in Hassel ein Eiscafé betreibt. „Der Mann rollte im August 2015 vor mir einen Plan aus und erklärte mir, wie später die Anzeige platziert werden sollte“, erinnert sich 54-Jährige. „Ich hatte blindes Vertrauen, musste noch Kunden bedienen und habe mir deshalb die Vertragsbedingungen auch nicht durchgelesen.“ Dort hatte der Angeklagte ausdrücklich festgehalten, dass er kein städtischer Vertreter sei.

Skeptisch wurde Heike D., als sie nach dessen Besuch weder Kontaktadresse noch Telefonnummer vorfand. Eine Vertragskopie, die er hinterlegen sollte, hatte er nicht dagelassen. 14 Tage nach dem Besuch kam die Rechnung. 624 Euro sollte die Gelsenkirchenerin bezahlen. Sie ließ sich schließlich auf einen Vergleich über die Summe von 500 Euro ein. Heike D.: „Ich wollte keinen weiteren Stress, obwohl ich mich betrogen fühlte.“ Doch im November 2015 erstattete sie Strafanzeige. Die Vertragsabläufe bei den anderen Geschädigten liefen nach gleichem Muster ab. Von entscheidender Bedeutung in dem Verfahren sind Unterschriften, die in jedem einzelnen Fall quasi als Einverständnis der Kunden für das Produkt auf den billigen Drucken auftauchen. Alle Frauen sind sich als Zeugen vor Gericht sicher, ihre Unterschrift nicht auf eine Vorlage gesetzt zu haben, die sie als Werbeprodukt nie akzeptiert hätten. Sie können sich nicht vorstellen, wie ihre Unterschriften auf ein Plakat gelangen konnten, das sie erst später zu Gesicht bekamen. Auch an anderen Stellen tauchen Unterschriften auf, die die Zeugen dort nicht geleistet haben wollen.

Schriftsachverständiger half

Das Gericht hatte zur Klärung den Hamburger Schriftsachverständigen Wim de Jong herangezogen. Der kommt zu dem Schluss, dass die Unterschriften nicht auf den Plan kopiert worden seien. Mit fast 100 prozentiger Sicherheit sei die Unterschrift direkt auf die Vorlage geleistet worden. Druckverlauf, Schreibgeschwindigkeit und flüssig verlaufende Unterschrift ohne Unterbrechung sieht der Wissenschaftler als Indizien für die Authentizität der Unterschriften. Für sehr unwahrscheinlich hält er die Erstellung der Unterschriften durch einen Unterschriftenautomaten. Nach seinen Erkenntnissen gäbe es auch keine Befunde, die in Richtung Fälschung weisen würden.

Zeugenaussagen werden bewertet

Das Gericht wird nun die Aussagen der Zeugen und die Ergebnisse des Sachverständigen zu bewerten haben. Am 25. Mai wollen zunächst die Anwälte plädieren, ehe der Vertreter der Staatsanwaltschaft seinen Antrag stellt.

>>Info: Einen Erfolg auf zivilrechtlichem Weg konnte Yvonne L. aus Detmold erzielen. Die Frau hat im Rechtsstreit gegen Klaus-Jörg R. gewonnen.

Die Klage des Mannes auf Zahlung von 737 Euro wurde vom Amtsgericht Detmold abgewiesen. Klaus-Jörg R. habe keinen Anspruch auf den Betrag. Der Vertrag sei nichtig.

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