Trockenschäden

Viele Bäume haben den Sommer in Gelsenkirchen nicht überlebt

Schon jetzt haben einige Hainbuchen an der Hans-Böckler-Allee kaum noch Laub. „So dürfen die erst Ende Oktober aussehen“, ist Baumexperte Werner Rümping alarmiert.

Schon jetzt haben einige Hainbuchen an der Hans-Böckler-Allee kaum noch Laub. „So dürfen die erst Ende Oktober aussehen“, ist Baumexperte Werner Rümping alarmiert.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Ein Baumexperte macht sich Sorgen: Bis zu 50 Bäume müssen in Gelsenkirchen wegen Trockenschäden gefällt werden, viele haben Krankheiten.

Der Platane geht’s schlecht, die Kastanie kämpft ums Überleben und die Hainbuche ist schon nicht mehr zu retten. Der zweite niederschlagsarme Sommer in Folge war für die Bäume an der Hans-Böckler-Allee zu viel: „Hier quälen sich alle und einige werden nicht überleben“, sagt Werner Rümping resigniert. Er ist bei Gelsendienste Bereichsleiter der Stadtbildpflege und schaut sich regelmäßig das Grün im Stadtsüden an. Aktuell gibt ihm das allen Grund zur Sorge.

Denn die nach dem Hitzesommer 2018 bereits geschwächten Pflanzen haben auch in diesem Sommer wieder zu wenig Wasser bekommen. Viele von ihnen zeigen deutlich, wie schlecht es ihnen geht, lassen kraftlos die welkenden Blätter hängen. Einige Hainbuchen haben schon fast das gesamte Blattwerk abgeworfen. Ihre letzten Reserven haben sie in die Samen gesteckt, die sie nun komplett bedecken. „Das ist ein Zeichen, dass es zu Ende geht“, weiß Rümping. Die Bäume versuchten so, das Überleben der Art zu sichern, auch wenn sie selbst es nicht mehr schafften.

Kastanien kämpfen gegen Bakterien

Noch schlechter steht es um einige Kastanien. Seit vielen Jahrzehnten spenden sie Schatten entlang der Straße, nun brechen die schweren Äste. Weil Wasser fehlt sind sie kraftlos, können die Last von Blattwerk und Früchten nicht mehr tragen. „Die hier werden wir noch vor dem Winter fällen müssen“, sagt Rümping und zeigt auf eine Rosskastanie, deren Rinde sich schon vom Stamm löst. Darunter kommt ein bräunlicher Schleim zum Vorschein. Der Baum, so Rümping, sei von Bakterien befallen.

Dadurch, dass viele Pflanzen ohnehin durch die Trockenheit geschwächt sind, haben Krankheiten und Schädlinge leichtes Spiel, breiten sich bei den 26.000 Straßenbäumen, die Gelsendienste pflegt, schnell aus. Bäume, die aufgrund ihres Standorts sowieso schon Nachteile haben: Schädliche Abgase, zu kleine Baumscheiben und regelmäßiges Zurückschneiden seien der Grund dafür, dass sie oft eine geringere Lebenserwartung hätten als artgleiche Exemplare in Parks oder Wäldern, erklärt der Baumexperte.

Überstunden zum Gießen

Für das Stadtklima sind sie trotzdem enorm wichtig. Deshalb haben die Mitarbeiter von Gelsendienste in den vergangenen Monaten wieder viele Überstunden und Samstagsschichten abgeleistet, um zu gießen. Von Anfang Juni bis Mitte September sind so 3696 Stunden zusammengekommen, in denen vor allem Jungbäume mit Wasser versorgt wurden. „Normalerweise gießen wir Bäume nur im ersten Jahr nach dem Pflanzen. Dieses Jahr haben wir Bäume bis zum dritten Jahr gewässert“, sagt Rümping.

Und doch geht er davon aus, 40 bis 50 im Winterhalbjahr wegen Trockenschäden fällen zu müssen – im vergangenen Jahr waren es 15 der rund 250 Bäume, die Gelsendienste jedes Jahr fällt. „Wir werden nachpflanzen“, verspricht Rümping. „Aber andere Arten.“ Statt Platane, Linde, Ahorn und Eiche sollen in Zukunft Schwarznuss, Wollapfel und Mehlbeere entlang der Straßen wachsen. Sie gelten als hitze- und trockenresistenter als heimische Sorten.

750 Euro kostet ein Jungbaum

Bis allerdings alle Dürre-Opfer ersetzt sind, kann einige Zeit vergehen. Damit die Jungbäume nach dem Pflanzen möglichst viel Wasser bekommen, setzt Gelsendienste sie inzwischen im Herbst statt im Frühjahr aus, denn im Winter fällt meist mehr Niederschlag. „Wenn wir einen Baum im Winter fällen, kann es also sein, dass die Baumscheibe bis zum nächsten Herbst leer bleibt“, sagt Rümping.

Außerdem könne Gelsendienste nur so viele Jungbäume pflanzen, wie die Mitarbeiter auch pflegen können. Mit Kosten von etwa 750 Euro pro ausgesetzter Pflanze ist das Aufforsten entlang der Straße zudem ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Rümping wünscht sich deshalb „im Winter 50 Zentimeter Schnee, der langsam schmilzt und einen völlig verregneten März und April“.

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