Tag des offenen Denkmals

Verwaltungsgericht öffnet am Tag des Denkmals seine Pforten

Die imposante Glaskuppel und die Stahlkonstruktion über der Bibliothek konnten erhalten werden. Das Gebäude zeigt zahlreiche Elemente der Neorenaissance, der Turm (oben im Hintergrund) ist lediglich Zierde.

Die imposante Glaskuppel und die Stahlkonstruktion über der Bibliothek konnten erhalten werden. Das Gebäude zeigt zahlreiche Elemente der Neorenaissance, der Turm (oben im Hintergrund) ist lediglich Zierde.

Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen.   Beim Tag des offenen Denkmals zieht das Gelsenkirchener Verwaltungsgericht die Freunde der Architektur und der neueren Geschichte an.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Die Fassade des Verwaltungsgerichts wird inzwischen sogar in manchen Fernseh-Magazinen gezeigt, auch wenn es in den Nachrichten gar nicht um Gelsenkirchen geht“, eine Anekdote am Rande, aufgeschnappt im Übergang vom alten zum neuen Trakt des monumentalen Backsteinbaus zum Tag des offenen Denkmals. Allerdings schmunzelnd präsentiert von dessen Präsidenten Bernhard Fessler.

Der „Hausherr“ zeigte sich charmant, als er von zwei interessierten Seniorinnen angesprochen wurde, ob die Kantine denn wirklich so gut sei, wie es heiße. „Die ist gut,“ antwortete er mit Nachdruck, „so gut, dass hier schon Gäste ihren 100. Geburtstag gefeiert haben.“

Unterschiedlich viele Treppenstufen

Und auch den Hinweis eines Besuchers an seine Begleiterin, „da, das schöne Geländer“, wusste er zu begründen. Gerade an den Altbau hätten noch viele Menschen Erinnerungen, als Lohn oder Rente im „Post- und Telegraphenamt“ abgeholt werden mussten, das 1908 bis 1910 entstand. Was an der Ausgestaltung noch deutlich zu sehen ist, verspielten Bändern, Ornamenten, Früchten, dem Stab des Hermes oder Putten, die telefonieren.

Drinnen allerdings soll der Kontrast zum 1928 aufgestockten Südostflügels gar nicht so sehr kaschiert werden. Deutlich schlichter und funktionaler präsentiert sich dieser. Und für den zweiten Blick hat Fessler wiederum ein Detail aus der eher kuriosen Sammlung.

Showprozess gegen „Schönbrunn“

Denn um Kosten beim Bau zu sparen, wurden die Geschosse unterschiedlich hoch gehalten. Was zur Folge hatte, dass die Anzahl der Treppenstufen zwischen den einzelnen Etagen nicht überall gleich ist. Dabei fiel denn auch das Treppengeländer deutlich schlichter aus, keine Spur mehr von filigraner Ornamentik, die Kaiser Wilhelm II. so schätzte.

In Funktion wollten die vielen Gäste das Haus allerdings auch erleben, was dem Schauprozess mit überwiegend Schauspielern, aber auch echten Repräsentanten der Justiz, im proppevollen Sitzungssaal viel Zulauf bescherte. Echter Fall, aber sonst wieder Fassade: Es ging um den Denkmalschutz, allerdings gegen eine Kommune namens „Schönbrunn“.

Fantasie bewies man auch bei der Darstellung eines Asylverfahrens vor eben den Schranken des Verwaltungsgerichts. Als Herkunftsländer der Menschen in den beispielhaften Fällen tauchten so malerische Namen wie „Molwanien“ und „Bordurien“ auf. Doch nebenan zeigte die Statistik, was im drittgrößten Gerichtsbezirk in NRW tatsächlich bewältigt wird.

Maschine wird ihr eigenes Denkmal

In der Fördermaschinenhalle der Zeche Consolidation haben die einzelnen Erinnerungsstücke Patina. Oder schlicht: Rost. Was sie erst richtig wirken lässt, auch durch die Häufung von Schrauben, Werkzeugen, Schildern, Maschinenteilen, Helmen, Stiefeln, Handschuhen.

„So wird es eine Kunstinstallation“, erläutert Martin Gernhardt, kundiger Führer der Stiftung Industriedenkmal den Besuchern. „Hier soll die Atmosphäre des Industriezeitalters deutlich werden,“ beschreibt er die Aneinanderreihung der Einzelstücke.

„Und wenn Sie genauer hinsehen, werden Sie gerade darin Figuren entstehen sehen, Zwerge, Gesichter, Stierköpfe.“ Er beschrieb auch die Meilensteine der Entwicklung des Bergbaus am Ort. Die Dampfmaschine brachte erst ab 1938 die Möglichkeit, im Doppelförderschacht die Kohle zutage zu fördern. „Mit der Aufrüstung brauchten die Nazis die gute Kokskohle von Consol für ihre Hochöfen, für die Stahlproduktion, für Waffen.“ Heute zeigt sich die erste Maschine festgerostet, „als ihr eigenes Denkmal“, meint Gernhardt.

Weitaus beweglicher zeigen sich die „Marching Klänge 06“, die mit drei Schlaginstrumenten und vier Piccoloflöten Applaus ernten. Zum Steigerlied, ganz modern, mit Isabella (2 1/2).

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben