Illegaler Müll

Müll in Gelsenkirchen: „Wir werden der Lage nicht mehr Herr“

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So sieht es oft an vielen Containern aus – nicht nur, aber besonders häufig im Gelsenkirchener Süden. Das Foto ist im April in Bulmke-Hüllen entstanden. Nur was kann gegen die ständige Vermüllung getan werden?

So sieht es oft an vielen Containern aus – nicht nur, aber besonders häufig im Gelsenkirchener Süden. Das Foto ist im April in Bulmke-Hüllen entstanden. Nur was kann gegen die ständige Vermüllung getan werden?

Foto: Privat

Gelsenkirchen.  Der Gelsenkirchener Entsorgungsbetrieb ist im Kampf gegen wilde Müllkippen am Ende seiner Möglichkeiten. Auch die Politik tut sich schwer.

Ein deutliches Eingeständnis der Gelsendienste: Der städtische Entsorgungsbetrieb hat angesichts der ständigen und illegalen Vermüllung in vielen Gelsenkirchener Straßenzügen, insbesondere im Süden, gegenüber der Lokalpolitik eingeräumt: „Wir werden der Lage nicht mehr Herr.“ Arslan Abdioglu aus der Fachgruppe Straßenreinigung gab in der Bezirksvertretung Süd einen Sachstand zur Vermüllung und bedauerte, dass häufig nur zwei Stunden nach der Entsorgung illegaler Müllkippen schon wieder haufenweise Müll am selben Ort zu finden sei. „Wir reagieren nur noch.“

„Ernüchternder Teufelskreis“ der Vermüllung in Gelsenkirchen

Die SPD-Bezirksfraktion hatte eine aktuelle Lagebeschreibung zur Sauberkeit verlangt und gefordert, dass „alle Mittel für ein Ende des Zustandes ausgeschöpft werden“. Gianluca Bruno, Vorsitzender der Fraktion, sieht einen „ernüchternden Teufelskreis“ der Vermüllung an Orten wie der Braunschweiger Straße, der Bokermühlstraße oder der Schonnebecker Straße.

Im Oktober 2021 hatte Bruno bereits gefordert, im Kampf gegen illegalen Müll die Bußgelder zu erhöhen – ein Vorschlag, der weder bei der SPD-Ratsfraktion noch beim Koalitionspartner der CDU gut angekommen war, weil man den Bußgeldkatalog vor nicht allzu langer Zeit bereits geändert hatte. Erhöhte Bußgelder waren auch dieses Mal wieder kurz Thema – etwa hinterfragte Dirk Klante von der AfD, ob diese „tatsächlich abschreckend genug sind, wenn es teurer wäre, den Müll richtig zu entsorgen.“ Die Bußgelder belaufen sich je nach Art und Menge des Abfalls auf Summen zwischen 120 und 500 Euro.

Bruno von der SPD versuchte das Thema dieses Mal mit einem anders gestrickten Antrag anzugehen – und schlug vor, „das „zivile Engagement mit den Stadtteilbüros“ zu stärken, um besser Aufklärung und Prävention zum Thema Müll zu betreiben.

Hierzu gab Irja Hönekopp von der städtischen Abteilung Stadterneuerung und Sanierung einen Sachstand. Denkbar sei es, noch mehr Projekte zu Müllvermeidung oder Müllsammelaktionen in Zusammenarbeit mit den Vereinen auf den Weg zu bringen, beispielsweise in Schulen oder in Kitas. „Wir müssen früh ansetzen“, so Hönekopp.

Mülldetektive im Einsatz: 1000 Verfahren gegen Verursacher

Arslan Abdioglu führte als Vertreter der Gelsendienste aus, dass man bereits Verschiedenes versucht habe, um die Lage zu verbessern – so etwa die Verteilung von Flyern auf unterschiedlichen Sprachen oder der Einsatz von Mülldetektiven. Neu sind jene Maßnahmen nicht, sie werden seit Jahren von den Gelsendiensten umgesetzt. Lesen Sie auch: Illegaler Müll: Wenig Täter werden in Gelsenkirchen ertappt

Abdioglu hob hrevor, dass man über die Arbeit der Mülldetektive (Infobox) über 1000 Ordnungswidrigkeitsverfahren im vergangenen Jahr eingeleitet habe. Wie viele von dem Verfahren dann tatsächlich abgeschlossen wurden, also bis zur Bestrafung eines Verursachers geführt haben, konnte er jedoch nicht beantworten. Dass die Arbeit der Mülldetektive jedenfalls noch nicht für eine merkliche Reduzierung der illegalen Müllkippen gesorgt hat, ist täglich auf den Gelsenkirchener Straßen zu sehen – was regelmäßig auch von WAZ-Leserinnen und Lesern frustriert dokumentiert wird.

Grüne zur Lösung der Müllproblematik: „Es dreht sich alles im Kreis in der Politik“

Der CDU-Bezirksverordnete Henning Voß – der lobend betonte, dass zumindest schnell auf Beschwerden reagiert werde, die über die „GE-meldet“-App eingehen – machte darauf aufmerksam, dass trotz des erhöhten Papiermüllaufkommens durch wachsende Online-Bestellungen in seinen Augen der Abfuhr-Turnus noch nicht an die neue Situation angepasst wurde.

Drei mal wöchentlich würden viele der besonders betroffenen Straßen bereits gereinigt, so Abdioglu von den Gelsendiensten. „Und nachdem wir dort waren, sieht es nach kurzer Zeit wieder genauso aus wie vorher.“ Dann noch mal direkt zurückzukehren oder den Turnus im Süden noch mal zu erhöhen, sei auch nicht so einfach möglich und hätte im Zweifel Folgen für die Gebührenzahler. „Schließlich haben auch wir begrenzte Kapazitäten.“ Zudem, so Abdioglu, „darf man nicht vergessen, dass solche illegalen Abfälle unser Reinigungskonzept stören, die satzungsmäßige Reinigung wird dadurch beeinflusst.“

So ausgelastet wie die Gelsendienste zu sein scheinen, so ratlos zeigte sich am Ende auch die Politik. „Ich habe das Gefühl, es dreht sich alles im Kreis in der Politik“, stellte Mabel-Mara Platz von den Grünen fest. „Natürlich können wir darüber diskutieren, ob der Müll noch schneller abgeholt werden müsste, ob noch ein Müllwagen gekauft und eine Extra-Schicht eingelegt werden soll.“ Aber die schnelle Reaktion berge ebenfalls eine Gefahr. Platz: „Wenn der Müll direkt wieder abgeholt wird, denken die Verursacher noch: Schön, dann kann ich ja direkt wieder was hinwerfen.“ Der besagte Teufelskreis.

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