Prozess

Verlobte brutal getötet – 14 Jahre Haft für Samir B.

Zeigte sich unbeeindruckt: Samir B., hier auf einem Bild vom Prozessauftakt im Februar, beim Betreten des Gerichtssaales Rechts sein Verteidiger Wolf Bonn.

Foto: Volker Hartmann

Zeigte sich unbeeindruckt: Samir B., hier auf einem Bild vom Prozessauftakt im Februar, beim Betreten des Gerichtssaales Rechts sein Verteidiger Wolf Bonn. Foto: Volker Hartmann

Essen/Gelsenkirchen.   Samir B. hat laut Urteil in Gelsenkirchen-Host seine Verlobte brutal getötet. Dafür muss er 14 Jahre ins Gefängnis.

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Applaus brandete auf zum Schluss der Sitzung. Offenbar waren die Zuhörer mit dem Urteil des Essener Schwurgerichtes zufrieden. Für 14 Jahre schickten die Richter Samir B. (36) in Haft, weil er nach ihrer Überzeugung in Gelsenkirchen-Horst seine Verlobte Esra C. (26) „grausam“ getötet hatte. Samir B. zeigte sich unbeeindruckt, redete viel mit seinem Verteidiger Wolf Bonn und schnitt hämische Grimassen in Richtung der Nebenklägerinnen, Mutter und Schwestern der Getöteten.

Auf Totschlag erkannte das Gericht in diesem Indizienprozess. Einen Mord, so Richter Jörg Schmitt, habe man nicht feststellen können, weil die Beweise dafür fehlten. So sind es tatsächlich wenige Indizien, die das Urteil tragen.

Schon viele Jahre im Gefängnis gesessen

Das Gericht ist überzeugt, dass die Tat in der Nacht zum 29. Juli 2017 am Schluss eines heftigen Streites des Paares stand. Der mehrfach vorbestrafte Samir B., Körperverletzungen stehen im Register, war Anfang 2017 aus seiner Heimatstadt Buchen bei Heidelberg nach Düsseldorf gezogen. Viele Jahre hatte er da schon in Gefängnissen gesessen.

Esra C., Mutter eines sieben Jahre alten Jungen, lernte ihn kurz danach in einer Düsseldorfer Disco kennen. Zunächst sei die Beziehung harmonisch verlaufen, sagte Schmitt, dann sei es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Schmitt sparte das Opfer nicht aus. Esra C. sei „schnell erregbar gewesen und wurde laut“. Auslöser sei oft Samir B. gewesen, der ihr vorwarf fremdzugehen. Dafür habe es keine Belege gegeben, sagte Schmitt, der von „grundlosen Eifersüchteleien“ sprach.

Insgesamt 13 Stich- und Schlagverletzungen

In der Nacht zum 29. Juli eskalierte der Streit. Esra C., so das Urteil, warf einen Hammer auf Samir B., der mit einer Gegenattacke reagierte. Schmitt: „Er fügte ihr insgesamt 13 Stich- und Schlagverletzungen zu. Es war ein grausames Geschehen, eine brutale Tat.“

Negativ kreidete die Strafkammer dem Angeklagten dessen Verhalten nach der Tat an: „Er bestahl die Tote.“ Samir B. hatte den Clio der Verlobten mitgenommen, ihre EC-Karte und ihr Handy. In Gelsenkirchen habe er getankt, ohne zu bezahlen, sei dann nach Buchen gefahren, wo er mit seinem Neffen fröhlich eine Nacht in der Disco durchfeierte. Dann flüchtete er, wurde in Barcelona gefasst.

Erst spät die Täterschaft bestritten

Samir B. hatte im Prozess lange geschwiegen und die Tat erst spät über seinen Verteidiger bestritten. Danach habe er seine Verlobte nach dem Angriff mit dem Hammer verlassen, sie habe da noch gelebt. Offenbar habe ein unbekannter Dritter sie getötet.

Doch seiner Schwester gegenüber hatte er geäußert, dass Esra C. tot in ihrer Wohnung liege. Und: „Wieso hat sie auch mit einem Hammer nach mir geworfen?“ Das sei Täterwissen, stellte das Gericht fest. Dass er auf dem Rückflug aus Barcelona den Polizisten sagte, er habe „noch einmal das Meer sehen“ wollen, ist laut Urteil ein Indiz, dass er sich selbst nicht mehr lange in Freiheit sah.

Sicherungsverwahrung bleibt ihm erspart

Bedauernd erwähnte Richter Schmitt, dass es noch ein laufendes Verfahren wegen einer Messerstecherei in Darmstadt gegeben habe. Das sei leider eingestellt worden mit Blick auf den Totschlag. Schmitt: „Wir hätten das gerne mit verhandelt, um weitere Schritte zu prüfen.“ Damit meinte die Kammer wohl eine mögliche Sicherungsverwahrung, die dem Angeklagten jetzt erspart bleibt.

Mit dem Urteil liegt das Essener Schwurgericht nur knapp unter der Höchststrafe. Der Strafrahmen für Totschlag reicht von fünf bis zu 15 Jahren Haft. Allerdings war Samir B. in Buchen kurz vor der Tat zu einem Jahr Haft mit Bewährung verurteilt worden. Diese Bewährung wird wohl widerrufen, dann müsste er noch ein Jahr sitzen.

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