Warnstreik

Verdi-Warnstreik: Wie lief es bei den Kindertagesstätten?

Von den 77 städtischen Kindertagesstätten in Gelsenkirchen wurden 37 bestreikt, haben aber eine Notbetreuung angeboten. Elf Kitas hatten komplett geschlossen.

Von den 77 städtischen Kindertagesstätten in Gelsenkirchen wurden 37 bestreikt, haben aber eine Notbetreuung angeboten. Elf Kitas hatten komplett geschlossen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Wie lief der Streik in den städtischen Kindertagesstätten in Gelsenkirchen? Und was sagen Eltern zu geschlossenen Einrichtungen in Corona-Zeiten?

Die Gewerkschaft Verdi hatte für Dienstag, 29. September, zum Warnstreik in NRW aufgerufen. Auch in Gelsenkirchen blieben Busse und Bahnen in ihren Depots – und die städtischen Kindertagesstätten geschlossen. Wie sah das konkret aus? Und was sagen die Eltern und Elternvertreter dazu?

Warnstreik in Gelsenkirchen: 37 Kitas wurden bestreikt, boten aber Notbetreuung an

„Von den 77 GeKita-Einrichtungen hatten 28 ganz normal geöffnet, 37 wurden bestreikt, haben aber eine Notbetreuung angeboten“, erklärt Holle Weiß, Betriebsleiterin von GeKita, die Situation am Streik-Tag. Insgesamt 600 Kinder konnten notbetreut werden. Elf Kitas hatten geschlossen und keine Notbetreuung angeboten. (Eine Einrichtung ist derzeit wegen Corona-Quarantäne geschlossen, Anm. d. Red.)

Andrea Bornemann, Verdi-Gewerkschaftssekretärin, berichtet, dass es in den Kitas durchaus Diskussionen um eine Streikteilnahme gegeben habe. Vor dem Hintergrund, ob man es den Eltern in der jetzigen Corona-Situation überhaupt zumuten könne, die Einrichtungen zu schließen. „Einige Kindertagesstätten haben sich gegen eine Teilnahme entschieden und lediglich einen Infostand aufgebaut“, so Andrea Bornemann weiter.

Jugendamtselternbeirat: Kita-Streiks derzeit „äußerst rücksichtslos“

Der Jugendamtselternbeirat (JAEB) Gelsenkirchen kann als Vertretung der Eltern „derzeit kein Verständnis für Streiks aufbringen“, heißt es in einem offenen Brief des JAEB an Verdi. Aufgrund der Corona-Einschränkungen und „den damit einhergehenden Vernachlässigungen von kindlichen Rechten“ und den „extrem hohen Belastungen von Eltern“ empfinde der JAEB die „Kita-Streiks im Rahmen der diesjährigen Tarifverhandlung für äußerst rücksichtslos.“

Für Eltern ist es eine schwierige Situation: „Ich bin da total zwiegespalten“, erzählt Ramona Herrmann. Die 36-Jährige hat fünfjährige Zwillinge, die eine städtische Kindertagesstätte besuchen. „Ich weiß nicht, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Streik ist“, sagt sie. Sie sieht aber auch: „Dieser Job ist nicht einfach, die Erzieher leisten eine unglaubliche Arbeit.“ Die auch dementsprechend gewürdigt werden müsse.

„Die Erzieher machen eine super Arbeit“

Sabrina Busse, ebenfalls betroffene Mutter, sieht es so: „Es ist im Moment sowieso sehr schwierig und wenn dann noch ein Streik dazwischen kommt...“. Sie ist auf die Betreuung ihrer dreijährigen Tochter angewiesen, ihr Mann ist voll berufstätig. Dennoch kann auch die 40-Jährige die Erzieher verstehen – „die machen eine super Arbeit.“

Eine andere Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, zeigt ebenfalls Verständnis – und sieht dazu weitreichendere Probleme, die eine geforderte Lohnerhöhung um ein paar Prozent nicht wett machen könnten: „Gerade in Gelsenkirchen besteht Personalmangel – da müsste dringend etwas dran geändert werden“, fordert die 40-Jährige.

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