Feuerwehreinsatz

Hochexplosives Pikrin in Gelsenkirchener Wohnung entdeckt

Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr Gelsenkirchen sowie des Kampfmittelräumdienstes sind am Freitag, 30. Oktober, gegen 15 Uhr an die Hedwigstraße in Gelsenkirchen-Resse geeilt. Bei einer Wohnungsräumung wurde vertrocknete Pikrinsäure gefunden. Drei Gebäude wurden geräumt.  

Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr Gelsenkirchen sowie des Kampfmittelräumdienstes sind am Freitag, 30. Oktober, gegen 15 Uhr an die Hedwigstraße in Gelsenkirchen-Resse geeilt. Bei einer Wohnungsräumung wurde vertrocknete Pikrinsäure gefunden. Drei Gebäude wurden geräumt.  

Foto: Foto: Jörg Schimmel /FFS

Gelsenkirchen-Resse.  In Gelsenkirchen ist am Freitag in einer Wohnung hochexplosives Pikrin gefunden worden. Der Giftstoff wurde von Experten geborgen und gesprengt.

Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr Gelsenkirchen sowie des Kampfmittelräumdienstes sind am Freitag gegen 15 Uhr an die Hedwigstraße in Gelsenkirchen-Resse geeilt. Bei einer Wohnungsräumung wurde explosive, kristalline Pikrinsäure gefunden. Drei Gebäude wurden geräumt.

Pikrinsäure ist laut Feuerwehrsprecher Carsten Jost in kristalliner Form hochexplosiv. Daher die vorsorgliche Evakuierung. Die genaue Anzahl der betroffenen Personen konnte die Feuerwehr nicht nennen.

Plan: Bergung mit Spezialgerät, Sprengung auf Feld im Norden Gelsenkirchens

In der Wohnung an der Hedwigstraße in Resse wurden zwei mit Deckel verschlossene Fläschchen Pikrinsäure gefunden. Sprengstoffexperten der Polizei haben das bestätigt. Die Säure muss sehr lange aufbewahrt worden sein, denn die Flüssigkeit ist mittlerweile vertrocknet, es haben sich gelbe Kristalle gebildet.

Die Wohnung an der Hedwigstraße wurde von einem Senior bewohnt. Nach seinem Tod sollte die Wohnung ausgeräumt werden. Dabei ist man laut Feuerwehr auf die vertrockneten Pikrinreste gestoßen.

Task Force Analyseteam der Feuerwehr Dortmund in Gelsenkirchen

Ein Task Force Analyseteam der Feuerwehr Dortmund und Spezialisten waren laut Jost am Freitag in Gelsenkirchen, um Proben zu analysieren und die Bergung des Giftstoffes vorzubereiten.

Mit Spezialgerät wurde das Pikrin anschließend aus dem Gebäude gebracht, in einem Spezialfahrzeug weggefahren und auf ein Feld in der Nähe der Recklinghäuser Straße in Resse gebracht. Dort wurde es um 20.35 Uhr von der Polizei kontrolliert gesprengt. Auf dem Feld werden saisonal Erdbeeren oder Spargel angebaut. Erste Geländesondierungen haben schon stattgefunden.

Pikrinsäure ist giftig und hochexplosiv

Pikrinsäure (Trinitrophenol) ist giftig und kann auch über die Haut aufgenommen werden. Bekannter als die Giftigkeit ist die Sprengkraft der Pikrinsäure, die etwas über der von TNT liegt.

Das Problem bei der Bergung: Die starke Säure ist in trockenem Zustand oder mit einem Wassergehalt von weniger als 30 Prozent hoch explosiv und unterliegt in diesem Zustand dem Sprengstoffgesetz. Schon eine kleine Erschütterung oder ein Schlag genügen, um eine Explosion auszulösen. Auch Reibung, die beim Öffnen des Gefäßes entstehen kann, kann eine Detonation durch trockenen Pikrinsäurekristalle auslösen.

Primär dient die Pikrinsäure der Farbstoffindustrie zur Herstellung von Pikraminsäure. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die organische Analytik zum Nachweis von Alkaloiden und Kreatinin. Pikrinsäure färbt Proteine gelb, wurde in der Mikroskopie als Färbemittel genutzt und fand auch an allgemeinbildenden Schulen Verwendung. Aufgrund der Risiken ist dies jedoch nicht mehr gebräuchlich.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben