Prozess

Vater wirft Handy nach Vierjährigem: Augenlicht verloren

Das Landgericht  Essen sah im Fall von Fehmi G. keinen Anlass zu Milde.

Das Landgericht  Essen sah im Fall von Fehmi G. keinen Anlass zu Milde.

Essen  Dreieinhalb Jahre Haft für einen Gelsenkirchener Vater, der in einer Art Gewaltorgie seine Familie verprügelte. Das Gericht sprach von Rohheit.

Kopfschüttelnd, aber sonst ohne größere Gefühlsausbrüche nahm er die Entscheidung hin. Obwohl er sich eigentlich als unschuldig sah, hatte die VI. Essener Strafkammer gerade Fehmi G. (34) aus Gelsenkirchen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er seine Familie übel verprügelt hatte. Zudem droht ihm die Abschiebung in sein Heimatland Kosovo, kündigte ihm Richterin Jutta Wendrich-Rosch im Urteil an. „Wir sind da guter Dinge“, kommentierte sie die Zwangsausreise.

Ein ungebremster Gewaltausbruch war es, der die Familie zuletzt am 15. August erschüttert hatte. Es traf jeden, der sich damals in der Wohnung im Stadtteil Schalke aufhielt: Mal die 33 Jahre alte Ehefrau, mal die 14-jährige Tochter, den vierjährigen Sohn oder andere Mitglieder der Familie.

Ehefrau trennt sich 2016 wegen Gewaltausbrüchen von ihm

Angetrunken war der Angeklagte. Fast immer bildete das Trinken den Auftakt zu seinen Gewaltausbrüchen. Die Ehefrau hatte sich deshalb 2016 von ihm getrennt, war mit den sechs Kindern in eine eigene Wohnung gezogen.

Am 15. August 2018 kam Fehmi G. also wieder einmal zu Besuch. Nach eigenen Worten wollte der stark angetrunkene Mann seine Kinder erziehen. Denn diese seien oft abends alleine unterwegs, und das sei ihm in Gelsenkirchen einfach zu gefährlich, hatte er gesagt. Richterin Wendrich-Rosch: „Dabei ist der gefährlichste Ort in Gelsenkirchen für seine Kinder immer dort, wo er sich aufhält.“

Söhne geohrfeigt, Tochter an den Haaren gezogen

Seine älteren Söhne ohrfeigte er laut Urteil, seine Tochter zog er an den Haaren und prellte ihren Kopf gegen die Wand. Mit einem Brotmesser aus der Küche bedrohte er seine Frau: „Ich stech' dich ab.“ Auf die 33-Jährige, im sechsten Monat schwanger, schlug er auch mit den Fäusten ein, traf dabei einmal ihren Bauch. Zum Glück blieb das ohne Folgen, im Dezember kam das Kind gesund zur Welt.

Schlimmere Folgen hatte die Gewaltorgie für den Vierjährigen. Er war von dem Geschrei wach geworden und ins Wohnzimmer gelaufen. Stand neben seiner Mutter, als der Angeklagte gerade das Handy auf sie warf. Es traf das Kind am Auge derart unglücklich, dass der Vierjährige auf diesem Auge keine Sehkraft mehr hat. Die Ärzte hoffen, dass ihm später eine künstliche Linse helfen wird.

Richterin spricht von Grobheit und Brutalität

Die Kammer wertete die Trunkenheit des Angeklagten zwar strafmildernd, sah anlässlich der „Grobheit und Brutalität“ der Taten keinen Anlass zu Milde. Wendrich-Rosch: „Das geht in solchen Fällen nicht.“

In Untersuchungshaft bleibt er, weil außerhalb der Haftanstalt keine familiären Bindungen mehr in Deutschland bestehen. Seine Familie hat keinen Kontakt mehr zu ihm, seine Mutter ist verstorben und sein Vater ist am Dienstag abgeschoben worden.

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