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Vandalismus-sicherer Fahrplan ist nicht allzu robust

Foto: Martin Möller

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Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen.   DB und VRR stellten im Hauptbahnhof einen gemeinsam entwickelten vandalismusresistenten Fahrplan vor. Nur: in Gelsenkirchen soll der Plan gar nicht installiert werden. Und: so robust wie angekündigt ist das gute Stück dann doch nicht.

Scheinwerferlicht, Rednerpult, Lautsprecher, Kamerateam, Männer in Anzügen und Schaulustige – großer Bahnhof im Hauptbahnhof. Die Abteilung Station & Service der Deutschen Bahn und der VRR (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr) hatten gemeinsam zum Pressetermin eingeladen, um einen neuen, vandalismusresistenten Fahrplan vorzustellen. Nur: in Gelsenkirchen soll der Plan gar nicht installiert werden. Und: so robust wie angekündigt ist das gute Stück dann doch nicht.

Wie viele dieser Pläne denn in Gelsenkirchen aufgehängt werden sollen, wollte die WAZ von Martin Sigmund, dem Regionalbereichsleiter der DB Station & Service wissen. In seiner Ansprache hatte Sigmund zuvor von 35 Stationen in NRW gesprochen, die man wegen häufiger Zerstörungsakte für die Erprobungsphase des Fahrplans „im Fokus“ habe.

Ein Blick in den Ringordner bringt Klarheit: Gelsenkirchen ist als Standort für den Plan gar nicht vorgesehen, demnach also gar kein Brennpunkt. Warum dann der lokale Pressetermin? „Weil der VRR hier seinen Sitz hat“, sagt Martin Sigmund und fügt hinzu: „Ich möchte nicht, dass hier Zustände einreißen, die den vandalismusresistenten Fahrplan nötig machen.“

Wenig Kraftaufwand

Qualitätsgruppen aus beiden Unternehmen haben den vermeintlich großen Wurf entwickelt. Graffiti und andere Schmierereien, so führten Mitarbeiter an Muster-Exemplaren vor, lassen sich anscheinend problemlos mit einfachen Reinigungsmitteln entfernen. Auch Feuerzeuge können der Neu-Entwicklung nichts anhaben: Die Ruß-Schicht entfernten die Mitarbeiter am Demonstrationstisch ganz leicht mit einem Lappen.

Aber auch mit Schlüsseln und anderen spitzen Gegenständen rücken Vandalen den Fahrplänen auf den empfindlichen Leib. Die Anwesenden wurden ermuntert, ihr „Glück“ mal selber mit einem Schlüssel zu probieren. „Der Effekt ist gering“, hatte Martin Sigmund versprochen. Der Versuch der WAZ jedoch förderte ein anderes Ergebnis zutage. Mit einem stumpfen Schlüssel und ohne großen Kraftaufwand war der Fahrplan im Nu aufgeschlitzt.

Zum Glück hat Gelsenkirchen den vandalismusresistenten Fahrplan nicht nötig. Der Termin am Bahnhof jedenfalls war ein Schlüsselerlebnis.

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