Inklusion

Umbau von Haus Caroline in Gelsenkirchen ist abgeschlossen

Die Bewohnerin Marcella Onali (v.l.), Mitarbeiterin Beate Kruschinski, Ergotherapeut Sebastian Menzel und Bewohner Niclas Lichte dekorieren ein Hexenhaus. In dem neuen Haus Caroline sind zehn Männer und sechs Frauen mit hohem Unterstützungsbedarf untergebracht.

Die Bewohnerin Marcella Onali (v.l.), Mitarbeiterin Beate Kruschinski, Ergotherapeut Sebastian Menzel und Bewohner Niclas Lichte dekorieren ein Hexenhaus. In dem neuen Haus Caroline sind zehn Männer und sechs Frauen mit hohem Unterstützungsbedarf untergebracht.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Feldmark.  Runderneuerung im Wichernhaus in Gelsenkirchen: Menschen mit Mehrfach-Behinderung wohnen hier in Betreuung. Sie lernen Selbstständigkeit.

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Ausgebaut hat das Diakoniewerk Gelsenkirchen und Wattenscheid sein Angebot von Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen. Haus Caroline der gemeinnützigen Wichernhaus GmbH an der Pothmannstraße 21 bietet nunmehr (Rückzugs-)Raum für zehn Männer und sechs Frauen im Alter von 19 bis 50 Jahren.

1,6 Millionen Euro investiert

1,6 Millionen Euro beträgt laut Geschäftsführer Olaf Walter die Investitionssumme für eine moderne und zeitgemäße Betreuung von Menschen mit hohem Assistenz- und Unterstützungsbedarf. „300.000 Euro für das Grundstück und 1,3 Millionen für den Ausbau“. Die Arbeiten begannen vor etwa einem Jahr und sind so gut wie abgeschlossen, derzeit wird die Gartenanlage mit Grillplatz im Außenbereich noch hergerichtet.

Zwei Wohngruppen mit jeweils acht Zimmern

Den Bewohnerinnen und Bewohnern stehen nunmehr zwei Wohngruppen zur Verfügung mit jeweils acht Zimmern nebst Bad und WC. „Das untere Geschoss ist dabei den Älteren vorbehalten, das obere den Jüngeren“, erklärt Einrichtungsleiter und Diakon Stefan Paßfeld. Große Gemeinschaftsküchen mit Sitzecken sowie ein Wohnzimmer und ein Gruppenraum mit Spielen, Büchern, Fernseher und Spielekonsole stehen für gemeinsame Stunden bereit, die sehr individuell einrichtbaren Zimmer versprechen Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten. Ein Pflegebad und Abstellräume – unter anderem mit Waschmaschinen für die Bewohner - komplettieren das durchweg barrierefreie Angebot. „Der Gesetzgeber sieht eine Quote von 80 Prozent an Einzelzimmern vor, der wir mit dem Umbau nachgekommen sind“, sagte Superintendent Heiner Montanus, Aufsichtsratsvorsitzender der Diakoniewerksverbund gGmbH beim Rundgang durch die Einrichtung.

Professionelle Hilfe durch 14 Fachkräfte und Mitarbeiter

Die Beschreibung Menschen mit Handicap, Assistenz- und Unterstützungsbedarf definiert zwar die Zielgruppe, kratzt aber nur an der Oberfläche. Denn hinter Betroffenen wie Marcella Onali (45) und Niclas Nichte (24) verbergen sich tiefergehende Schicksale und Herausforderungen, die von Familienangehörigen so gut wie gar nicht mehr zu bewältigen sind. Professionelle Hilfe leisten daher im Haus Caroline 14 Mitarbeiter und Fachkräfte im Schichtdienst rund um die Uhr.

„Die Menschen hier haben neben einem geistigen Handicap noch mindestens eine weitere verhaltensprägende soziale Beeinträchtigung“, erklärt Stefan Paßfeld – sie sind etwa schwer integrierbar, leiden unter starken Ängsten, neigen zu selbstverletzendem oder fremdaggressivem Verhalten oder reagieren mit Flucht auf Umstände, die ihnen nicht recht geheuer sind. „Umso wichtiger ist für sie die Möglichkeit, sich zurückzuziehen“, sagt Heiner Montanus mit Blick auf die gemütlichen Einzelzimmer. Und Betreuer, die nicht verzagen und weitermachen mit Verständnis und Respekt, wenn der x-te Versuch, Struktur ins Leben der Betroffenen zu bringen, wieder scheitert.

Arbeit in der Emscherwerkstatt

Marcella Onali (45) und Niclas Nichte (24) sind zwei, die hier Halt, einen geregelten Tagesablauf und sogar auch Arbeit gefunden haben. Sie sortiert und verpackt Schrauben und Muttern, er archiviert und scannt Dokumente in einem Büro der Emscherwerkstätten. Wecken, Aufstehen, Frühstück, Arbeit, Feierabend und Freizeit – all das ist auf die Wünsche und Möglichkeiten der beiden und der anderen Bewohner ausgerichtet. Beide mögen „das gemeinsame Kochen, Musikhören und die Zeit mit den anderen“ in Küche und Gemeinschaftsräumen. Dort stehen auch eine ganze Reihe Bücher, aus denen sie und die Betreuer ihre Rezeptideen ziehen.

Stolz ist der 24-Jährige darauf, dass er den Weg hin und zurück zur Arbeit mit dem öffentlichen Nahverkehr allein bewerkstelligt. Aber es ist mitunter ein schmaler Grat, auf dem der junge Mann da wandelt. „Manchmal“, so Diakon Paßfeld, „führt ihn sein Weg nicht zur Arbeit, sondern flugs nach Berlin.“ Einfach so, aus einem plötzlichen inneren Antrieb heraus. Es sind solche und andere Ereignisse, die die Unterstützung zur Selbstständigkeit des Wichernhaus-Teams auf eine harte und nervenaufreibende Probe stellen. „Loslassen ja“, bekräftigt Heiner Montanus daher, „aber zurücklassen niemals.“

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