Galeriemeile

„Tür Auf“ mit Tombola, Trash und Kunst in Gelsenkirchen

Galerist Maik Rokitta veranstaltete im „1Null7“ an der Bochumer Straße anlässlich der Aktion „Tür auf“ eine Tombola. Zu gewinnen gab es Arbeiten seiner Künstler.

Galerist Maik Rokitta veranstaltete im „1Null7“ an der Bochumer Straße anlässlich der Aktion „Tür auf“ eine Tombola. Zu gewinnen gab es Arbeiten seiner Künstler.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Die Galeriemeile Gelsenkirchen wächst. 80 Kulturschaffende in Ückendorf öffneten an verschiedenen Standorten ihre Türen und zeigten ihre Werke.

Bestes Radfahrwetter am Wochenende mit Sonnenschein im Überfluss machte es leicht, nahezu alle 17 Ateliers, Galerien und Kreativstandorte der neuesten Auflage von „Tür Auf“ der Galeriemeile Gelsenkirchen zu besuchen. Da flitzten Samstag und Sonntag viele Kunstinteressierte mit ihren Drahteseln zu den rund 80 Kulturschaffenden: von der Bochumer Straße zur Kunststation Rheinelbe , vom Wissenschaftspark zum Halfmannshof. Letzterer war Schauplatz der diesjährigen Eröffnungsveranstaltung. In der Alten Schmiede begrüßte Oberbürgermeister Frank Baranowski die vielen Künstler, die in Ückendorf leben und arbeiten, die „Pioniere des Kreativquartiers“.

Der alte Bauernkotten ist liebevoll saniert

Die Künstlersiedlung Halfmannshof steht seit 1931 für genossenschaftliche Prinzipien einer Gemeinschaft. „Günstig leben zu können wo man arbeitet, ist eine ideale Voraussetzung für das kreative Schaffen“, weiß Heiner Szamida . Seit 1983 wohnt er hier mit seiner Frau Gabi , der alte Bauernkotten ist liebevoll saniert. Szamida schafft „konkrete Kunst“, sprich, er bricht Strukturen von Holz, Papier oder Nadeln auf, um sie neu, geometrisch, zu ordnen.

Der Blick versinkt im unendlichen Muster, transzendentale Wirkung von Kreisen oder Dreiecken erweitern das Bewusstsein, sehenswerte Werke. „Die großen Galerien lancieren meist nur große Namen, daher kann sich der Künstler heute kaum auf seine Kunst konzentrieren“, sagt Szamida. Arbeiten in der Pflege, Taxifahren, Nachtwachen, um das Leben zu finanzieren sind eher die Regel, er selber schätze sich glücklich, an Schulen in Kunstprojekten mitwirken zu können, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Das Problem der Kommerzialisierung der Kunst sieht auch Jo Scholar, der mit Frank Helferich und Klaus Kasperszak an der Bochumer Straße 109 ausstellte. „Da bestimmt der Markt, was Kunst ist“. Scholar „übermalt“ in Öl, Kreide oder Kohle Fotografien, durchaus auch neun Mal hintereinander denselben Abzug. „Bilder kommen aus Bildern“, eine Grundlage führt jedes Mal zu einem anderen Ergebnis. Starke politische Aussage in Helferichs „Strippenziehern“, die digitalen Kollagen zeigen den Menschen, zum Strichmännchen abstrahiert unter dem Damokles-Schwert der Schwerindustrie.

Echte Kollagen, Zeitungsschnipsel, Fotofragmente

Kasperszak nähert sich seinen Themen mit echten Kollagen. Zeitungsschnipsel, Fotofragmente, sprechen eine neue Sprache, Karl-Marx sieht mit fremden Augen in die Welt. Die drei vom „Trio Helene“ interagierten mit den Besuchern in vielen anregende Gesprächen, „Tür auf“ steht für genau das.

Derweil sortierte Maik Rokitta im Nebenhaus in seinem Laden „1Null7“ sein Sortiment. Seit sechs Wochen hat er darin die „zweitkleinste Galerie der Welt“ eröffnet - drei Quadratmeter Raum, die aktuelle Ausstellung von Kai Oliveras-Zbick alias „Oz-Foto“. An einem großen Glückrad konnte so mancher Glückspilz für zwei Euro ein Stück Kunst gewinnen. „Formenwechsel“ – aus alten Skateboardbrettern entstehen Schlüsselanhänger und Tofu-Wender – Rokitta hat die „Kommerzialisierung“ in die eigenen Hände genommen.

Nächste Winterauflage ist schon in Planung

Das Winterpendant zu „Tür Auf“ heißt „Licht an“ . Am 1. und 2. Dezember öffnen sich wieder die Türen der Galerien

Der veranstaltende Verein „Galeriemeile Gelsenkirchen e.V.“ lädt alle, die die Entwicklung im Kreativquartier fördern möchten, ein, Mitglied zu werden. Info auf www.galeriemeile-gelsenkirchen.de

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