Böller-Vorschlag

Tierschutz: Verein will Böllerverbot für Gelsenkirchen

Schön anzusehen ist es ja – aber muss jeder Privatmensch eigene Feuerwerkskörper zünden? Thai-Shelter wollte genau dies verhindern.

Schön anzusehen ist es ja – aber muss jeder Privatmensch eigene Feuerwerkskörper zünden? Thai-Shelter wollte genau dies verhindern.

Foto: Martin Möller/Archiv

Gelsenkirchen.   Der Verein Thai-Shelter möchte Gelsenkirchen an Silvester zur böllerfreien Zone machen. Den Verantwortlichen geht es um den Tierschutz.

Könnte es für Gelsenkirchen in der Silvesternacht ein Böllerverbot geben? Wenn es nach dem Willen des Vereins Thai-Shelter geht, ja! „Wir wollen vor allem die Tiere schützen und deshalb das Böllern auf ein Mindestmaß reduzieren“, so die Vorsitzende Ingrid Kuhn. Mit ihrem Anliegen wurde sie am Donnerstag im Hauptausschuss der Stadt vorstellig.

Natürlich ging es ihr primär um die Tiere. Und welcher Tierfreund kennt nicht Hunde und Katzen, die sich in der Silvesternacht in der letzten Ecke unterm Bett oder im Keller verkriechen, die bei jedem Knall zittern und stundenlang jaulen. Aber Kuhn hat noch ein anderes Argument: Auch in Sachen Umweltschutz sei es ratsam. „Das wäre gut für das Image der Stadt.“

Böllerverbot für Gelsenkrichen: Politik lehnt Vorstoß ab

Die Politiker fanden durchaus Sympathie für den Vorstoß, lehnten ihn am Ende aber mit dem Verweis auf geltendes Recht („Sprengstoffverordnung“) ab. SPD-Fraktionschef Klaus Haertel bestätigte aus eigener Erfahrung, dass Hunde Angst haben – „zumal ja nicht nur an Silvester, sondern auch schon zwei, drei Tage vorher geböllert wird“.

Es sei auch volkswirtschaftlich ein Vermögen, das da in die Luft geballert wird.“ Martin Gatzemeier (Linke) sagte: „Wir müssen Werbung für freiwilligen Verzicht machen.“ Ähnlich positionierte sich Peter Tertocha (Grüne): „Ich kann mit der Knallerei nichts anfangen, aber es ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen. Ich bin gegen Zwang.“

CDU-Politiker hält böllerfreie Zone für "illusorisch"

Monika Gärtner-Engel (AUF) bezeichnete die Anregung als „sehr wertvoll“, verwies auf die Aktion „Brot statt Böller“ und brachte eine weitere Gruppe durch Knallkörper Geschädigter ins Spiel: Traumatisierte aus Kriegsgebieten.

Wolfgang Heinberg (CDU) hielt eine „böllerfreie Zone für illusorisch“. Wenn, dann müsse es „eine breite gesellschaftliche Debatte mit einem breiten gesellschaftlichen Konsens“ geben.

Wird das Thema auch im Rat diskutiert?

Vom fraktionslosen Abgeordnete Jürgen Hansen kam der Vorschlag: „Warum positioniert sich der Rat nicht und empfiehlt, auf die Knallerei zu verzichten?“ An der Idee fand auch Klaus Haertel Gefallen. Ob da für die Ratssitzung am Donnerstag aber noch was kommen wird, ist derzeit noch unklar.

„Natürlich hätten wir uns mehr erhofft“, sagte Angelika Nordmann, Mitglied des Vereins Thai-Shelter, auf WAZ-Nachfrage. „Positiv halte ich aber fest, dass alle, die gesprochen haben, die Knallerei auch nicht gut finden.“

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