Nachwuchs

Thyssenkrupp in Gelsenkirchen: Erste Auszubildende überhaupt

Ann Catherine Meyer in der Ausbildungswerkstatt von Thyssenkrupp Electrical Steel. Die 22-Jährige ist die erste Frau, die in dem Unternehmen eine Ausbildung zur Industriemechanikerin macht.

Ann Catherine Meyer in der Ausbildungswerkstatt von Thyssenkrupp Electrical Steel. Die 22-Jährige ist die erste Frau, die in dem Unternehmen eine Ausbildung zur Industriemechanikerin macht.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Ann Catherine Meyer ist die erste Frau, die eine Ausbildung bei Thyssenkrupp in Gelsenkirchen macht. Wie die Firma um Nachwuchs kämpft.

Ann Catherine Meyer ist die erste Frau, die eine Ausbildung bei der Gelsenkirchener Thyssen-Tochter Thyssenkrupp Electrical Steel absolviert. Unter den Lehrlingen, die seit 1935 am Standort an der Kurt-Schumacher-Straße ausgebildet wurden, waren bisher nur Männer. In einer Werkstatt zu arbeiten sei für viele junge Frauen nicht attraktiv, erklärt sich Personalchef Markus Micken. Dabei biete die Ausbildung in dem Werk, das Bleche für Transformatoren herstellt, viele Möglichkeiten.

Insgesamt arbeiten rund 1800 Mitarbeiter an den Standorten in Schalke-Nord, Isbergues (Frankreich) und Nashik (Indien). Am Hauptsitz an der Kurt-Schumacher-Straße sind aktuell 645 davon beschäftigt. Dazu kommen 32 Auszubildende in den Berufen Industriemechaniker und Energieelektroniker. Nachdem sie wichtige Grundlagen in der Ausbildungswerkstatt gelernt haben, arbeiten sie schon mit im dem Betrieb, der Premium-Elektrobleche produziert.

Ein wichtiges Produkt für die Energiewende

„Ein Produkt, das für die Energiewende von großer Bedeutung ist“, wie Micken erklärt. Denn die Elektrobänder werden in Trafos verbaut. Die Spannungswandler sind nicht nur in technischen Geräten verbaut, sondern auch in Energieversorgungsanlagen – so wie Ladestationen für E-Autos. Weil die High-Tech-Bänder aus dem einzigen Produktionsstandort in Europa besonders verlust- und damit auch geräuscharm und ressourcenschonend sind, gehört das Unternehmen weltweit zu den Marktführern.

Argumente, die Ann Catherine Meyer bei der Berufswahl überzeugten. „Mir war außerdem wichtig, dass es ein mittelständisches Unternehmen ist, dass ich viele Möglichkeiten habe, aber das Umfeld trotzdem persönlich ist“, sagt die angehende Industriemechanikerin. Da in ihrer Familie viele in technischen Berufen arbeiten, sei für sie klar gewesen, dass nach dem Abitur eine Ausbildung folgt. „Ich habe Praxiserfahrung einem Studium vorgezogen.“

Schon zuvor hat die junge Frau Praktika absolviert und sich mit anderen Frauen ausgetauscht. „Ich wurde von allen ermutigt“, erinnert sie sich. Beim Azubi-Speeddating sie schließlich auf Thyssenkrupp Electrical Steel aufmerksam geworden. Inzwischen ist die Wittenerin im dritten Lehrjahr. Seit eineinhalb Jahren lebt sie in Gelsenkirchen. Denn sie hat begonnen, ihre Fortbildung zum Techniker parallel zur Ausbildung zu absolvieren. Ihr Arbeitgeber unterstützt sie dabei, passt Schichtpläne an Abendschultermine an.

Die Bewerbungen werden weniger

Ehrgeizigen Nachwuchs – auch männlichen – zu finden wird für den größten industriellen Arbeitgeber der Stadt nämlich immer schwerer. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Bewerbungen, die das Unternehmen erreichen, stark zurückgegangen, wie Micken berichtet. „Wir müssen uns als Arbeitgeber anders aufstellen“, folgert er. Bei Jobmessen, Azubi-Speeddating-Veranstaltungen oder in Schulen sei das Unternehmen deshalb bemüht, für die Ausbildung zu werben. Auch mit der IHK und der Agentur für Arbeit werde eng zusammengearbeitet.

Da der Betrieb zwar für Dritte, aber nicht über Bedarf ausbildet, biete er gute Perspektiven über die Gesellenprüfung hinaus. „Wir wollen, dass die jungen Menschen unterschiedlichst einsetzbar sind“, sagt Micken. Von der Rohrschlosserei über das Kaltwalzwerk bis zur Dreherei und dem Glühofen lernen die Azubis deshalb alles im Werk kennen. „Man lernt überall etwas neues“, sagt Meyer und wirbt weiter: „Ich kann es nur jedem empfehlen.“

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