Rund um die Uhr

Szeniale in Gelsenkirchen: 24 Stunden, 40 Orte, ein Festival

Die Bochumer Straße in Gelsenkirchen-Ückendorf ist Mittelpunkt des Szeniale-Geschehens, das sich im gesamten Ortsteil abspielt.

Die Bochumer Straße in Gelsenkirchen-Ückendorf ist Mittelpunkt des Szeniale-Geschehens, das sich im gesamten Ortsteil abspielt.

Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Die Szeniale will Gelsenkirchen wachrütteln und -halten. In Ückendorf gibt es Kultur rund um die Uhr an über 40 Orten von lokalen Kreativen.

Es gibt großartige Kleinigkeiten, „Public Rooms“ und „Karneval in Venedig“, Partykumpel und Funkigen Fusion Rock, Literatur und Lieder, Dixie, Decadance, Elektro, Fotos und Theater, Malochercharme und Hochkultur. Kurzum: Es gibt, so sehen es die Veranstalter, „nichts, was es nicht gibt. Es ist für jedes Interesse gesorgt.“ Und: Es gibt all’ das rund um die Uhr in Ückendorf im weiten Rund um die Bochumer Straße. Die „Szeniale“ lädt am Samstag, 13. Juli ein, „mit allen Sinnen zu genießen.“ 24 Stunden lang, sagt Kulturdezernentin Annette Berg, gehe es „um die „Kraft, die Vielfalt und Schönheit der freien Kunst“, um ein Festival, das Ückendorf in ganz besonderem Licht erscheinen lässt. Das Besondere daran: das Programm ist weitestgehend „hausgemacht“. Über 700 Akteure in über 100 Projektteams, der Großteil aus Gelsenkirchen, sind vertreten.

Szeniale ist eine Art 24-Stunden Leistungsschau

Die Szeniale ist damit so etwas wie eine 24-Stunden-Leistungsschau der heimischen Szene, die in Ückendorf zwischen Justizzentrum und Wissenschaftspark, Bochumer Straße und Zechensiedlungen, Halfmannshof und Ückendorfer Straße über 40 Orte bespielt. „Das ist kaum zu toppen“, glaubt Diana Miebach. Wer Samstag buchstäblich auf Kultur-Tour ginge, wäre zu Fuß gut zwei Stunden unterwegs und hätte dabei noch an keinem einzigen Szeniale-Ort wirklich Station gemacht. Auch ein Grund, die Anmarsch-Zeiten zu verkürzen – zwei Pendelbusse drehen im Halbstunden-Takt ihre Runden.

Gelsenkirchen, so die Festivalleiter, zu denen neben Diana Miebach, Christoph Lammert, Arnd Wende und Julian Rybarski gehören, habe großes künstlerisches Potenzial. Über die Szeniale sei es gelungen, die Künstler zusammen zu bringen.

Mauer-Werk am alten Hundertmark-Gebäude

Zu ihnen zählt Alina Lupu. „Wall Work“, Mauer-Werk, hat sie ihr Projekt betitelt. Am Cramerweg macht sie am alten Hundertmark-Gemäuer einen eher verrotteten Platz zur Spiel- und Projektionsfläche und lädt Besucher dazu ein, sich raumgreifend zu beteiligen. Weitere Programmpunkte wie „Der Kühlschrank als zivilisatorische Ruhezone“ (Kabarett-Lesung von Timmy Kampmann) oder „Liedesdienst (Volxsbühne am Consol Theater) versprechen: Es wird Samstag subversiv, experimentell und exotisch werden, allemal kreativ, aber auch ganz handfest. In Flöz Sonnenschein und Dickebank öffnen Siedler ihre Häuser, andere bitten in ihre Gärten, offerieren Kaffee und Gebäck, veranstalten kleine Trödelmärkte.

Eine andere Sicht auf kulturelles Miteinander

„Da gibt es sehr viel Miteinander“ und viel zu entdecken, wenn man ein wenig Zeit mitbringt“, meint Lammert. „Manche Angebote mögen auf den ersten Blick eher einfach erscheinen, erzeugen aber auf den zweiten Blick eine andere Sicht auf kulturelles Miteinander.“

Die Galeriemeile in Ückendorf ist etabliert und eingespielt. Deutlich darüber hinaus zu wirken, war das erklärte Ziel, eben auch Gastgeber für die Kultur zu finden, die sich sonst nicht direkt angesprochen fühlen. Einfach, stellen die Festivalmacher fest, „ist in Ückendorf nix, aber es funktioniert, wenn man aufeinander zugeht“. Das haben sie lustvoll erledigt und dabei groß gedacht, sich von lokalem Understatement verabschiedet. Lammert: „Ich finde, man kann sich auch den großen Auftritt gönnen, man kann auch mal auf die Kacke hauen.“

Durchhalten ist also Samstag bis Sonntag angesagt. Der Ausklang geschieht gemeinsam – beim Szeniale-Frühstück am Wissenschaftspark. Die Zutaten sollten die Teilnehmer selbst mitbringen.

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