Schule

Streit um Denkmal von 1938 an Gelsenkirchener Grundschule

Im Ersten Weltkrieg gefallenen ehemaligen Schülern der Wiehagenschule ist das 1938 eingeweihte Gedenkrelief an der Fassade der Wiehagenschule gewidmet. Entworfen wurde es von Franz Marten.

Foto: Olaf Ziegler

Im Ersten Weltkrieg gefallenen ehemaligen Schülern der Wiehagenschule ist das 1938 eingeweihte Gedenkrelief an der Fassade der Wiehagenschule gewidmet. Entworfen wurde es von Franz Marten. Foto: Olaf Ziegler

Neustadt.   Darf ein Denkmal für Kriegsopfer unkommentiert an einer Grundschule prangen? Diese Frage diskutierte der Bildungsausschuss in Gelsenkirchen.

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Um das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der Wiehagenschule stritten die Mitglieder des Bildungsausschusses. Die Grünen hatten um einen Sachstandsbericht zu dem Thema gebeten. Anlass war der Einwurf der Stiftung „Engel der Kulturen“, die völker- und religionsverbindende Schulprojekte auf Wunsch unterstützt, sich aber an dem Denkmal stieß.

Die Entstehungsgeschichte des an der Fassade der Grundschule installierten Denkmals erklärte der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Prof. Stefan Goch, den Ausschussmitgliedern. Die Schule wurde 1907/08 erbaut, noch vor Beginn von Weltkrieg I also. Das Denkmal kam erst 1938 dazu. Der gebürtige Gelsenkirchener und ab 1948 Halfmannshof-Künstler Franz Marten hatte das Relief entworfen. Eingeweiht wurde es von einem nationalsozialistischen Regierungsrat aus Münster.

40 Namen ehemaliger Schüler

Das Denkmal besteht aus einem hochformatigen Schwert mit Kranz, darunter prangt der Schriftzug „Den Gefallenen der Wiehagenschule“. Darunter sind 40 Namen ehemaliger Schüler zu lesen, viele davon stammten aus alteingesessenen Familien aus der Neustadt. Gestiftet hatten das Denkmal wohl Eltern. Der Historiker Goch hält es für denkbar, dass Eltern dafür bezahlten, dass der Name ihres gefallenen Sohnes auf der Tafel erschien. Jedenfalls handelt es sich – entsprechend der wechselnden Geschichte der Schule – um katholische und evangelische Familien.

Im Ausschuss ging es nun darum zu klären, ob das nach Gochs Einschätzung zwar zeittypische, aber nicht herausragend martialische Denkmal unverändert an der Schulfassade bleiben darf. Die Stiftung hatte dies in Frage gestellt.

Barbara Filthaus (SPD), selbst viele Jahre an dieser Grundschule tätig, sieht keinen Handlungsbedarf. „Die Schüler nehmen das gar nicht wahr, “ versicherte sie. Tatsächlich ist das Ehrenmal nicht auf Augenhöhe angebracht. Burkhard Wüllscheidt (Grüne) forderte dennoch, dass die Schule das Thema offensiv angehen müsse. „Das Aufregen bei dem Thema muss bleiben, gerade heute und gerade an so einem sensiblen Ort“, betonte der Grüne. Dass die Installation der Tafel wohl auch der Vorbereitung auf mögliche Opfer des Zweiten Weltkrieges diente, bestätigte auch Stefan Goch.

Eine heftige Diskussion um eine Gedenktafel für Gefallene hatte es 2015 auch im Fall des Denkmals auf dem Gelände des Schalker Vereins gegeben. Dort gemahnt eine von einem Halfmannshof-Künstler entworfene, wuchtige Granitstele mit Nazischwert an die Gefallenen. Diese Stele wird heute durch eine Erklärtafel und eine steinerne Friedensmahnung ergänzt.

Auch andere Schulen einbeziehen

Eine kindgerechte Aufarbeitung und Erklärung des Denkmals an der Wiehagenschule wünschten denn auch die Mitglieder des Bildungsausschusses. Ohnehin gelte es, die Geschichte des oft in der Bedeutung unterschätzten Ersten Weltkrieges in Gelsenkirchen noch umfänglicher aufzuarbeiten. Auch weitere, vergleichbare Mahnmale an Schulen sollen nach dem Wunsch der Politiker an den Schulen Thema im Unterricht sein.

>>> INFO: Erfinder der „Fünf Säulen der Wirtschaft“

Die Wiehagenschule wurde zunächst als katholische Augustinusschule geführt.1927 wurden Schulgebäude getauscht und zwei evangelische Schulen an der Josefstraße 26/28 vereint.

Der Künstler Franz Marten entwarf 1949 auch das Fenster für den Gelsenkirchener Bahnhof, „Die fünf Säulen der Wirtschaft“. Seit dem Abriss des Bahnhofs 1982 hängt es am Boecker-Haus.

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