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Stolpern, um sich zu erinnern

Die Schalker Fan-Initiative „Schalke gegen Rassismus“ hat die Patenschaft für die Stolpersteine übernommen, die an jüdische NS-Opfer erinnern.

Foto: WAZ

Die Schalker Fan-Initiative „Schalke gegen Rassismus“ hat die Patenschaft für die Stolpersteine übernommen, die an jüdische NS-Opfer erinnern. Foto: WAZ

Gelsenkirchen. Wer demnächst zum Schalker Markt läuft, sollte aufpassen, dass er stolpert. Und zwar über vier Namen: Berta Moss, Julie Lichtmann, Sally und Henriette Meyer. Um das Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes aufrecht zu erhalten, haben Mitglieder des Gelsenzentrums, dem Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte, angeregt, diese und 15 weitere Gedenksteine in die Straßen der Stadt zementieren zu lassen. Mittlerweile erinnern insgesamt 78 Stolpersteine an Opfer aus Gelsenkirchen.

Um die Steine in die Erde zu bringen muss Gunter Demnig zu schwerem Gerät greifen. Mit einem Schlaghammer meißelt der Künstler die Betonschicht unter den Gehwegplatten weg. Erst jetzt kann er die Betonblöcke einlassen. Mit einem Besen fegt er die Namen frei: Berta Moss, Julie Lichtmann, Sally und Henriette Meyer haben nun einen Gedenkplatz bekommen. „Endlich“, findet Susanne Franke, Vorsitzende der Schalker Fan-Initiative, die die Patenschaft für einen der Steine übernommen hat.

Familie kam ins KZ Kaiserwald

Denn das Schicksal von Sally Meyer und seiner Familie ist mit der Vereinsgeschichte verknüpft. „Sally Meyer, geboren 1880 in Gelsenkirchen, war mit Henriette verheiratet. Gemeinsam mit seiner Schwägerin Julie Lichtmann betrieb er das erfolgreiche Textilkaufhaus ‘Julius Rode’“, erzählt Susanne Franke. 1938 enteigneten die Nazis das Geschäft und arisierten es.

[kein Linktext vorhanden] Fritz Szepan, späterer Trainer und Präsident der Königsblauen, kaufte es zu niedrigem Preis und führte es als Kaufhaus Szepan am Schalker Markt weiter. Während Szepan viel Geld erwirtschaftete, litten Sally und seine Familie unter Verfolgung. „Das Ehepaar wurde 1939 in eines der Judenhäuser eingewiesen.“ Die Drei schafften es nicht mehr, Deutschland zu verlassen, das Ehepaar Meyer wurde zunächst in ein Judensammellager gesperrt und schließlich im Sommer 1944 im KZ Kaiserwald umgebracht.

Projektgruppe forscht das ganze Jahr

„Julie Lichtmann wurde wohl bei der Auflösung des Außenlagers Strasdenhof ermordet.“ Nur ihre Tochter Berta konnte 1939 von Gelsenkirchen nach Großbritannien fliehen. Sie überlebte den NS-Terror und heiratete 1951 in den USA Emanuel Moss. Während die Familie verfolgt wurde, steigerte Szepan seine Umsätze. „Er hat sein Verhalten auch später nicht als Unrecht angesehen. Daher wollen wir erinnern“, sagt Franke.

Initiiert hat die Verlegung wieder die Projektgruppe Stolpersteine, die das ganze Jahr über forscht: „Nach Geschichten Betroffener, nach Angehörigen oder Paten“, erklärt Heike Jordan vom Gelsenzentrum. „Interessierte können sich immer bei uns melden.“ 0209/9 99 46 76, www.stolpersteine-gelsenkirchen.de

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