Betriebsräte

DGB: Kollegen den Rücken stärken

Im DGB-Haus an der Gabelsberger Straße trafen sich Betriebsräte, um sich über die betriebliche Mitbestimmung auszutauschen. Zweiter von rechts ist Mark Rosendahl, DGB-Regionsgeschäftsführer.

Foto: Olaf Ziegler

Im DGB-Haus an der Gabelsberger Straße trafen sich Betriebsräte, um sich über die betriebliche Mitbestimmung auszutauschen. Zweiter von rechts ist Mark Rosendahl, DGB-Regionsgeschäftsführer.

Gelsenkirchen.   Der Deutsche Gewerkschaftsbund ruft Arbeitnehmer auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Wie viele jetzt ihre Betriebsräte wählen.

Mitbestimmung und Demokratie im Betrieb – das ist nicht nur bloße Illusion. Vom 1. März bis zum 31. Mai finden bundesweit Betriebsratswahlen statt. Nach Gewerkschaftsangaben wählen in mehr als 28 000 Betrieben die Beschäftigten ihre Vertreterinnen und Vertreter. Betriebsräte namhafter Unternehmen in der Region Emscher-Lippe nutzten daher vorab die Gelegenheit, um auf das Wirken der Arbeitnehmervertretungen aufmerksam zu machen – zugleich appellierten sie eindringlich an die Mitarbeiter, ihr verbrieftes Stimmrecht auch wahrzunehmen. Oder einen Betriebsrat ins Leben zu rufen.

Auch die Betriebe profitieren davon

Es sind oft ganz ganz dicke Bretter zu bohren, davon kann Ruth Grossmann von Malzers Backstuben berichten. „Manches Mal bin ich heulend nach Hause gefahren“, verrät die langjährige Betriebsrätin. Aufgegeben hat sie dennoch nie. Denn so hart es auch ist, Rechte und Forderungen bei Arbeitgebern durchzusetzen, so lohnend erweist sich am Ende die zumeist sachliche Auseinandersetzung – und das nicht nur für eine Seite. Unternehmen mit einem frisch gegründeten Betriebsrat haben nach einer Erhebung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ihre Produktivität um 23 Prozent gesteigert. 78 Prozent haben ihr Produkt weiter entwickelt, ohne Betriebsrat hingegen nur 61 Prozent.

Breites Aufgabenspektrum

Das Arbeitsspektrum von Betriebsräten ist breit gefächert. Beispielsweise wenn es um Ruhezeiten geht, um Zuschläge für Nachtarbeit, um den Gesundheits- und Unfallschutz, um Leistungsentgelte, um Ausbildung und Übernahme oder um die Einführung von Schichtsystemen, damit Arbeit auf viele Schultern verteilt ist und der Betrieb gleichmäßig ausgelastet ist. All das schlägt sich in den Unternehmenszahlen wieder. Denn gesunde und zufriedene Mitarbeiter leisten mehr. Und das lässt die Kasse klingeln.

Arbeit auf viele Schultern verteilt

Gerade die Schichtmodelle haben sich in den Augen von Ugur Coskun (Automobilzulieferer ZF), Barbara Kremser-Bruttel (Thyssen-Krupp Electrical Steel) oder Jörg Abisch (Rockwool GmbH) bewährt. Aber es war auch viel „Überzeugungsarbeit für die Standortsicherung zu leisten“, sagen sie. Denn Mehrarbeit kann zwar nicht angeordnet werden, in Zeiten der Hochkonjunktur ist sie durchaus üblich in zahlreichen Unternehmen. Schwierig wird es aber, wenn nicht alle Bereiche des Betriebes gleich ausgelastet sind. Auf der einen Seite kreist dann womöglich der unternehmerische Rotstift – Stellenabbau – auf der anderen Seite gibt es Sonderschichten. Kann so nicht sein diese Schieflage, wie die drei Betriebsräte betonen, und das wurde daher nach längeren Verhandlungen durch die Einführung so genannter Conti-Schichten behoben.

Hilfe beim Start von Gewerkschaftsseite

Der Start, der ist zumeist schwer, wie Norbert Maas von der Gewerkschaft Verdi anhand der ruhrgebietsweit tätigen Jugendhilfeeinrichtung KJH Flow beschreibt. Dort ist nach einem ersten gescheiterten Versuch jetzt wieder ein neuer Betriebsrat gewählt worden. Verdi hat dabei tatkräftig geholfen. Augenscheinlich ist das aber beim Arbeitgeber nicht gut angekommen, wie Maas erzählt. Willkürliche „Versetzungen von Mitarbeitern nach Verdi-Kontakt“ soll es gegeben haben. Die neuen Betriebsräte, noch nicht komplett über Rechte und Pflichten von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und ihren Vertretern im Bilde, fangen daher thematisch im Kleinen an: mit Pausenzeiten. Ihr großes Ziel einmal: Tariflöhne.

Wie gesagt: mitunter ein dickes Brett. Aber keines, das sich nicht bearbeiten ließe. . .

>> Betriebsrat möglich ab fünf Beschäftigte

Betriebsräte werden mindestens alle vier Jahre neu gewählt. Ein Großteil der Betriebe wählt jetzt zwischen März und Mai.

Um einen Betriebsrat ins Leben zu rufen, braucht es nicht viele Mitarbeiter in einem Unternehmen. Schon fünf Beschäftigte reichen, um solch ein Gremium aus der Taufe zu heben.

Kontakt zum DGB Emscher-Lippe: 02361 10 62 40.

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