Konzert

Sternstunde der Cellokunst am Musiktheater Gelsenkirchen

Ausnahmekünstler:Für Beifall und Bravos bedankte sich Julian Steckel mit einer ironisch-witzigen Zugabe, dem kleinen Marsch für Kinder von Sergej Prokofiew. Foto:Marco Borggreve

Ausnahmekünstler:Für Beifall und Bravos bedankte sich Julian Steckel mit einer ironisch-witzigen Zugabe, dem kleinen Marsch für Kinder von Sergej Prokofiew. Foto:Marco Borggreve

Gelsenkirchen.  Cello-Star Julian Steckel spielt am Musiktheater in Gelsenkirchen. Er interpretierte mit der Neuen Philharmonie Dvoraks berühmtes Konzert für Violoncello und Orchester

Der Solist hätte des Dirigenten gar nicht bedurft. Nur dem Augenschein nach natürlich. Denn Cellist Julian Steckel ließ den Bogen mit zumeist geschlossenen Augen technisch souverän und traumwandlerisch sicher über die Saiten tanzen. Der international gefragte Musiker interpretierte am Montagabend im fast voll besetzten Musiktheater im Revier gemeinsam mit der inspirierten Neuen Philharmonie Westfalen Antonin Dvoraks berühmtes Konzert für Violoncello und Orchester h-moll op. 104. Ein begeistert gefeierter Höhepunkt des 7. Sinfoniekonzerts, ein Abend mit üppigen Klängen „Aus Böhmen und Mähren“.

Nein, ein Geheimtipp sind die Konzerte des 36-jährigen Pfälzers, der 2010 durch den Gewinn des ARD-Musikwettbewerbs auf einen Schlag bekannt wurde und heute eine Professur in München inne hat, schon längst nicht mehr. Der Solist tritt auf den großen Bühnen dieser Welt auf. Mit der Neuen Philharmonie und dem Schweizer Dirigenten Roman Brogli-Sacher ist er derzeit auf Tour durch das Ruhrgebiet. Nun als Gelsenkirchen und das Musiktheater.

Virtuos und dabei ganz unprätentiös

Julian Steckel tritt unprätentiös in schwarzem Hemd, dunkler Hose auf. Auch sein Spiel verzichtet auf die große, kraftvolle Geste, setzt vielmehr auf Innerlichkeit und zuckergussbefreite Virtuosität. Sein Ton glüht und gleißt dennoch. Dvoraks sehnsuchtsvolles Konzert mit seinen traumhaften, kantablen, aber auch triumphalen Momenten und dem so innig-zarten, lyrisch schönen zweiten Satz macht Julian Steckel zu einer Sternstunde der Cello-Kunst. Der Gefahr, durch ein auftrumpfendes Orchester den Klang des Cellos zu überdecken, entkam die Neue Philharmonie nicht immer, umspülte aber auch sensibel den sanften Ton des Soloinstruments.

Für den großen Beifall und die zahlreichen Bravo-Rufe bedankte sich Julian Steckel mit einer ironisch-witzigen Zugabe, und zwar mit dem kleinen Marsch für Kinder von Sergej Prokofiew.

Gastdirigent Roman Brogli-Sacher, derzeit Chef am Pult des Jiangsu Sympony Orchestra Nanjing in China, ließ insgesamt klanggewaltig, dynamisch und schwelgerisch aufspielen, und dazu war das Programmkonzept auch angetan.

Ein Feuerwerk an Rhythmen und Klangfarben

Den Abend eröffnete Bedrich Smetanas prächtig kolorierte Ouvertüre zur Oper „Libussa“, ein Fest für die Blechbläser. Auch nach der Pause galt es, im Tonfall und Rhythmus slawischer Klänge zu schwelgen. Josef Suk (1874– 1935), Schwiegersohn Dvoraks, dokumentierte mit seinem Scherzo fantastique op. 25 die Raffinesse tschechischer Folklore mit Hilfe eines wahren Feuerwerks an Rhythmen und Klangfarben. Auch dieses festliche, spritzige Werk in der Interpretation der Neuen Philharmonie eine echte Entdeckung.

Leos Janaceks Sinfonietta op. 60 wirkte da am Ende fast schon wie eine akustische Reizüberflutung mit Pauken und Trompeten, mit expressiven Klängen, nervösen Rhythmen und aufgeregten Bläsern. Auch diese Komposition erzählt von der Liebe eines Komponisten zu seiner Heimat.

Kurzum: Ein Abend ganz im Zeichen des begeisternden Klangrausches.

>> Nächstes Sinfoniekonzert am 8. April

Auf die Reise nach Böhmen und Mähren folgt im 8. Sinfoniekonzert am Montag, 8. April, um 19.30 Uhr im Musiktheater ein Meer aus „Tränen und Flammen“ mit Werken von Enjott Schneider, Robert Schumann (Konzert für Klavier und Orchester op. 54) und Johannes Brahms (Sin. Nr.1). Solistin ist die Pianistin Lise de la Sall, es dirigiert GMD Rasmus Baumann. Karten und Infos gibt es unter der Telefonnummer: 0209 4097 200.

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