Berufswechsel

Stefan Goch baut Museum für Geschichte des Landes NRW auf

Prof. Stefan Goch stellte im Februar 2018 die Erweiterungen der umgestalteten Ausstellung der NS-Dokumentationsstätte in Erle vor. Birgit Klein ist pädagogische Mitarbeiterin.

Foto: Thomas Gödde

Prof. Stefan Goch stellte im Februar 2018 die Erweiterungen der umgestalteten Ausstellung der NS-Dokumentationsstätte in Erle vor. Birgit Klein ist pädagogische Mitarbeiterin.

Gelsenkirchen-Ückendorf.   Stefan Goch, Leiter des Gelsenkirchener Instituts für Stadtgeschichte, geht nach Düsseldorf. Dort hat er eine "reizvolle Aufgabe" angenommen.

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Heimlich, still und leise hat der langjährige Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Prof. Stefan Goch, seinen Arbeitsplatz in Gelsenkirchen Richtung Düsseldorf verlassen. „Eigentlich war ich darauf gar nicht eingestellt. Aber die Aufgabe in der Landeshauptstadt ist so reizvoll, dass ich zugesagt habe“, sagt Goch. Ein schwerer Schritt war es für ihn dennoch. Das Institut zu leiten, zu forschen, Stadtgeschichte zu schreiben, war für ihn mehr Leidenschaft als Arbeit.

Mammutaufgabe in Düsseldorf

Jetzt wartet auf ihn eine Mammutaufgabe. Er soll in Düsseldorf ein Museum für Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen aufbauen. Das ehrgeizige Ziel: Zum 75. Geburtstag von NRW soll bereits ein Teil des Museum fertig und für die Bevölkerung begreifbar sein. Geliebt hat er seine Aufgabe am hiesigen Institut für Stadtgeschichte sehr. „Mir kam es immer darauf an, die Geschichte der kleinen Leute zu erforschen“, sagt der promovierte Sozialwissenschaftler. Zentrales Thema: Der Nationalsozialismus.

Nach vielen Gesprächen, Recherchen in Archiven und Interviews eröffnete er in Erle in der Cranger Straße 323, eine Dauerausstellung zu dem Thema. „So eine Arbeit kann man natürlich nicht alleine machen“, sagt Stefan Goch bescheiden. „Da ist immer ein Team für zuständig, so war es auch in diesem Fall.“

Herangegangen an das heikle Thema ist er von beiden Seiten. Er wollte die Sicht der Opfer kennenlernen und die der Täter. Er suchte in der Mitgliederpartei der NSDAP, und in öffentlichen Archiven. Manchmal unter erschwerten Umständen. „Sie kennen ja das Datenschutzproblem“, sagt er. Schließlich müsse ja das Kind eines Täters nicht auch Schuld auf sich geladen haben, andererseits müsse ein Kind eines Opfers nicht unschuldig sein. Ein wirklich sensibles Gebiet.

„Wer war Kommunist, wer Jude?“ Eine Frage, die sich nicht immer leicht beantworten ließ. Manchmal musste er den Zutritt zu Archiven auch rechtlich erzwingen. „Aber uns ist es gelungen, fast immer mit Namen zu veröffentlichen“, sagt Stefan Goch. Mit vielen Zeitzeugen konnte er noch Interviews führen und so wichtige Dokumente erstellen, Bücher schreiben, Ausstellungen organisieren. So wie die im Hans-Sachs-Haus.

„Zu Menschen aller politischen Richtungen hab’ ich guten Kontakt gehabt. Manchmal meldeten sie sich auch von alleine bei mir.“ Goch schrieb sowohl wissenschaftliche Texte, als auch populär geschriebene Texte, so dass jeder die Möglichkeit hatte, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auch ein Film entstand in seiner Gelsenkirchener Zeit. „Eigentlich hatte ich mein Berufsleben anders geplant“, sagt der 60-Jährige. Er hatte nicht vor, Gelsenkirchen und sein Institut vor dem Rentenalter zu verlassen. Aber jetzt kam es doch anders.

Museum auf 4000 Quadratmetern

„Die Aufgabe ist unglaublich reizvoll. Es wird ein Museum auf 4000 Quadratmetern sein, in Erle waren es 180. Jetzt lastet auf ihm ein mächtiger Druck, denn er will bis 2021 zumindest einen Teil des neuen Museums zeigen. „Vollständig fertigstellen können wir es in fünf Jahren sicher nicht“, sagt er. Was Goch vorhat, klingt sehr reizvoll. Es soll ein Mitmachmuseum werden, bei dem auch Emotionen geweckt werden.

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