Kommentar

Statistik ohne Relation

Steffen Gaux, Leiter der WAZ-Redaktion Gelsenkirchen 

Foto: Kai Kitschenberg

Steffen Gaux, Leiter der WAZ-Redaktion Gelsenkirchen  Foto: Kai Kitschenberg

Gelsenkirchen ist die Stadt in Deutschland mit dem niedrigsten Nettojahreseinkommen. Ein Kommentar.

Wer Gelsenkirchen nicht kennt und sich von dieser Stadt ein Bild machen möchte, wäre gut beraten, sich dabei nicht nur von Statistiken leiten zu lassen. Doch genau darin besteht die Gefahr: Zu oft gab es in den letzten Jahren Erhebungen, in denen Gelsenkirchen stets schlecht abschnitt. Ob bei der Zahl der Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger, bei der Kinderarmut oder wie jetzt bei der Einkommensstatistik.

Dabei hängt hier natürlich alles mit allem zusammen: Wo es viele Arbeitslose gibt, gibt es viele Hartz-IV-Empfänger, gibt es viele arme Familien, demzufolge auch viele arme Kinder. Dass in so einer Stadt auch das durchschnittliche Nettoeinkommen niedrig ist, kann niemanden wundern. Seit gestern wissen wir, dass es nirgendwo anders in Deutschland niedriger ist.

Das ist eine große Gefahr

Man hat bei solchen Statistiken manchmal das Gefühl, dass ganz Deutschland mit dem Finger auf Gelsenkirchen zeigt: Guck mal, da ist die Stadt mit der Roten Laterne! Wieder eine neue Kategorie, in der die „Stadt der 1000 Feuer“ das Schlusslicht ist. Dabei ist genau das eine große Gefahr. Alles, was sich zurzeit negativ auf das Image dieser Stadt auswirkt, können wir hier nicht gebrauchen. Es wird nämlich den Prozess, sich aus diesem Keller zu befreien, nur verlangsamen.

Das Ärgerliche an dieser Statistik ist zudem, dass sie mit Zahlen operiert, ohne sie in Relation zu anderen Faktoren zu setzen. Lebt ein Gelsenkirchener, der 1356 Euro netto im Monat verdient, wirklich schlechter als ein Münchener mit 2263 Euro? Ich wage das stark zu bezweifeln. . .

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