Konzert

Städtischer Musikverein stemmt beeindruckende Friedensmesse

In der Kirche St. Mariä Himmelfahrt wurde die Aufführung der Friedensmesse von Karl Jenkins zum wahren Ereignis.

In der Kirche St. Mariä Himmelfahrt wurde die Aufführung der Friedensmesse von Karl Jenkins zum wahren Ereignis.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Es ist eine sehr besondere Messe, die Friedensmesse von Karl Jenkins. Was der Städtische Musikverein daraus machte, ist mehr als hörenswert.

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Warnung, Flehen, Schande und Dank – „The Armed Man: A Mass For Peace“ des walisischen Komponisten Karl Jenkins zeigt, dass das Buch der Chormusik noch lange nicht zu Ende gelesen ist.

Der Städtische Musikverein Gelsenkirchen, Schüler und Schülerinnen des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums und das Folkwang Kammerorchester Essen brachten das kolossale Werk unter der sensiblen Leitung von Christian Jeub am Sonntag vor rund 250 Besuchern in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche zu Buer zur umjubelten Aufführung.

„Dies wird kein Konzert, dies wird ein Ereignis“, sagte Propst Markus Pottbäcker in seiner pointierten Einführung. Er habe sich nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nichts anderes als eine lange Friedensperiode vorstellen können. Doch das habe sich als Illusion erwiesen.

Entstanden im Kosovo-Krieg

Karl Jenkins hatte das Oratorium zur Zeit des Kosovo-Krieges komponiert. Für „The Armed Man“ (Der bewaffnete Mann) griff er auf Texte von u.a. Rudyard Kipling, Alfred Tennyson und Töge Sankichi zurück; der Japaner hatte den atomaren Angriff auf die Stadt Hiroshima am 6. August 1945 nur wenige Jahre lang überlebt.

Musikalisch bezieht sich der Waliser auf die französische Renaissance, aber auch auf sakrale Musik sowie Oratorien, wie man sie von Haydn oder Händel zu kennen glaubt – und schafft doch etwas ganz Eigenes. Auch leichte Art-Rock-Reminiszenzen aus seiner Zeit als Mitglied der stilprägenden Band Soft Machine waren teilweise herauszuhören.

Die „Messe für den Frieden“ beginnt mit Fußgetrappel, marschmusikalischer Flöte und Snare Drum und endet später auch so. Dazwischen herrscht Krieg: die Warnung vor dem bewaffneten Mann, Tod, Zerstörung, Frieden, Dank an den Herrn – klassische Motive wie „Agnus Dei“ oder „Benedictus“ zwischen den erzählerischen Passagen.

Beeindruckende Zusammenwirken von drei Ensembles

Das Zusammenwirken der drei musikalischen Module Kammerorchester, Musikverein und Schüler war ungemein beeindruckend und so sicher, als hätte diese Formation das sicherlich nicht leichte Opus schon mehrfach aufgeführt.

Erstaunliche Leistungen zeigten auch die Solisten Nadine Trefzer, Christina Maier, Dimitrios Zamantzas, Nicolas Schouler und Secati Yagli. Yagli hatte mit „Aufruf zum Gebet“ einen Auftritt in der Mitte des Kirchenschiffs. Er sang „Allahu Akbar“ – und das ist schon in Ordnung. Denn die in Verruf geratene Feststellung heißt übersetzt nichts anderes als „Gott ist groß“. Darauf sollte man sich interreligiös einigen können.

Lang anhaltender, stehender Applaus.

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