Nach Stromausfall

Stabileres BP-Stromnetz in Scholven erst 2020

Eine schwarze Rußwolke zog über die BP-Raffinerie in Scholven hinweg. Anwohner André Bsdurrek hielt sie mit der Kamera fest.   

Eine schwarze Rußwolke zog über die BP-Raffinerie in Scholven hinweg. Anwohner André Bsdurrek hielt sie mit der Kamera fest.   

Foto: André Bsdurrek

Scholven.   Nach dem Stromausfall am Samstag hat bei BP und Uniper die Ursachensuche begonnen. Dabei ist es möglich, dass der Vorfall sich wiederholt.

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Ruß ist für Scholven, wo einst eine Zeche und eine Kokerei in Betrieb waren, nichts Besonderes. Was da aber am Samstag gegen 17 Uhr zur besten Bundesliga-Zeit aus vier Fackeln der Ruhr-Oel-Raffinerie in den Himmel geschleudert wurde, erschreckte dann doch viele Anwohner. „Es war beängstigend“, so Joachim Pabst über die schwarze Wolke. Hintergrund war, wie berichtet, ein neuerlicher Stromausfall. Dass sich der noch einmal wiederholt, kann offenbar nicht ausgeschlossen werden. Zwar planen Uniper und BP eine Stromnetz-Ertüchtigung, abgeschlossen ist diese jedoch erst 2020. Und: Die genaue Ursache für den Blackout ist noch unklar.

Was laut Übertragungs-Netzbetreiber Amprion, Uniper und BP feststeht, ist der Ausfall von zwei Trafos am Bellendorfsweg um 16.47 Uhr. „Etwas hat die Wesel-Ost-Leitung am Niederrhein zusammengedrückt, womöglich ein Baum, bedingt durch das Unwetter“, erklärte Amprion-Sprecher Andreas Preuß auf WAZ-Anfrage. Dadurch sei es zu Schwankungen an der 220-kV-Hochspannungsleitung gekommen, in deren Folge die Uniper-Trafos in Scholven außer Betrieb gingen und einige Produktionsanlagen im Norden des Werks heruntergefahren werden mussten. Dies wiederum sorgte für die ausgeprägte Fackeltätigkeit, Lärm- und offenbar auch Geruchsbelästigung, wie Anwohner im Gespräch mit der WAZ schildern.

Ausfall zweier Trafos ungewöhnlich

„Die schwarze Wolke und der Feuerschein waren bis nach Bülse, Dorsten und Herten zu sehen“, berichtet Anwohner André Bsdurrek, der vorsichtshalber alle Fenster schloss. Laut Ruhr-Oel-Sprecher Marc Schulte waren die frei gewordenen Stoffe – Ruß, Kohlendioxid und Wasserdampf – nicht gesundheitsgefährlich. Um 18.46 Uhr ging laut Amprion die Leitung wieder in Betrieb, so dass die Raffinerie damit beginnen konnte, die Anlagen wieder hochzufahren – ein Prozess, der ein paar Tage dauert und erneut mit Fackelschein und Lärm verbunden sein kann.

Derweil sucht ein Expertenteam, bestehend aus Mitarbeitern von BP und Uniper, mit Hochdruck nach der konkreten Ursache. Denn dass zwei redundante – also voneinander unabhängige – Trafos durch dasselbe Ereignis außer Betrieb gehen, sei zumindest ungewöhnlich, wie BP-Sprecher Peter Alexewicz auf Nachfrage einräumt. Schließlich kostet das durch den Stromausfall notwendige Abfackeln das Unternehmen auch Millionen.

Anwohner André Bsdurrek schloss vorsorglich die Fenster, als er die Rußentwicklung und den Fackelschein bemerkte. Thomas Schmidtke left

Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal: Erst Ende Oktober 2018 fiel nach einem Transformatorschaden im Umspannwerk Bergmannsglück die Stromversorgung in einem Teil des Werks aus. Fackelschein und Lärm beunruhigten Bürger aus dem Stadtnorden und Gladbeck. Auch 2015, 2016 und 2017 kam es aus unterschiedlichen Gründen zu Stromausfällen. Ende 2018 kündigte BP an, das Stromnetz mit Uniper optimieren zu wollen. Geplant ist nach WAZ-Informationen eine technische Modernisierung und die Verlegung neuer Leitungen. Die Unternehmen wollen das Projekt in Kürze vorstellen. Beendet sein wird es aber erst 2020.

„Wir arbeiten daran, das Risiko eines flächendeckenden Stromausfalls auf dem Raffineriegelände wesentlich zu reduzieren“, so Sprecher Alexewicz. „BP und Uniper arbeiten bereits an der Optimierung des Systems“, so Uniper-Sprecherin Nicole Karczmarzyk.

Ob sich ein solcher Ausfall bis 2020 noch (öfter) ereignen könnte, dazu wollte sich BP nicht äußern. „Wir müssen erst die Untersuchungsergebnisse abwarten. Womöglich lässt sich die Gefahr dafür durch einfache Veränderungen minimieren“, meint Alexewicz. Mit Details zur Ursache des Vorfalls rechnet er „in einigen Wochen“.

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