Niedrigwasser

Sprit-Engpässe auch an Tankstellen-Quelle in Gelsenkirchen

Die BP Raffinerie in Horst: Rohöl wird hier per Pipeline angeliefert. Doch die Produktion ist nicht völlig unabhängig vom Schiffsverkehr, denn einzelne Bestandteile der Kraftstoffe kommen über den Wasserweg.

Die BP Raffinerie in Horst: Rohöl wird hier per Pipeline angeliefert. Doch die Produktion ist nicht völlig unabhängig vom Schiffsverkehr, denn einzelne Bestandteile der Kraftstoffe kommen über den Wasserweg.

Foto: Sebastian Konopka

Gelsenkirchen.  Gelsenkirchener Tankstellen sitzen an der Quelle – den BP Raffinerien. Warum Autofahrer die Folgen der Kraftstoff-Lieferengpässe trotzdem spüren.

In Bottrop ist es passiert, in Duisburg und auch in Gladbeck: Den Tankstellen geht der Sprit aus. Die Versorgung mit Kraftstoffnachschub gestaltet sich zunehmend schwieriger, denn wegen des niedrigen Wasserpegels im Rhein können Tankschiffe nur eingeschränkt fahren.

Gelsenkirchen sitzt mit den Raffinerien in Horst und Scholven zwar an der Quelle, doch auch hier spüren Autofahrer bereits die Folgen der angespannten Lage in der gesamten Region.

„Das Niedrigwasser hat Auswirkungen auf die gesamte Produktion“, erklärt BP-Sprecherin Stefanie Hansen. Obwohl eine Pipeline die Rohöllieferung nach Scholven und Horst unabhängig vom Schiffsverkehr ermöglicht, kommen viele Zusatzstoffe für die Benzinproduktion über den Wasserweg nach Gelsenkirchen. Die Vorräte reichen Hansen zufolge aktuell noch aus, um den Bedarf zu decken.

65 Lastwagen für die Ladung eines Frachters nötig

Allerdings nehmen mittlerweile auch Händler Kraftstoffe ab, die sonst von anderer Quelle gespeist werden. Probleme gibt es nämlich aktuell vor allem bei der Belieferung von Großhändlern und Tankstellen. Schiffe können wegen des niedrigen Wasserstands nicht mehr vollständig beladen werden. Der Tiefgang wäre im flachen Fahrwasser zu groß. Stattdessen wird auf Lkw ausgewichen.

65 Laster sind nötig, um die Ladung eines Frachters zu transportieren. Und die reihen sich in Horst aneinander. „Wir merken, dass die Tankwagenverladung mehr geworden ist“, sagt Hansen. Trotzdem könne der Bedarf an einzelnen Tankstellen so manchmal nicht gedeckt werden. „In Gelsenkirchen sind wir gut aufgestellt“, sagt Aral-Sprecher Detlef Brandenburg. Zukünftige Lieferschwierigkeiten will er jedoch nicht ausschließen. Es könnten also auch hier bald „Ausverkauft“-Schilder an Zapfsäulen hängen.

Grundpreis überall gleich hoch

Ein Nebeneffekt der generellen Transportschwierigkeiten in der gesamten Region, der auch Autofahrer in Gelsenkirchen betrifft, sind die hohen Kraftstoffpreise. „Im Moment sind die gestiegenen Logistikkosten ein Faktor“, sagt Hansen. Und darunter leiden alle Kunden gleichermaßen, denn die Entfernung zur Raffinerie spiele bei der Preisbildung keine Rolle. Der Grundpreis sei überall annähernd gleich, erklärt Hansen.

An den Tankstellen selbst macht sich die Unsicherheit vieler Fahrer bereits bemerkbar. Sie tanken vermehrt und lange bevor die Tanknadel unter die Reservelinie rutscht, voll. „Wir merken, dass die Absätze gestiegen sind. Die Leute machen regelrechte Hamsterkäufe“, sagt Johannes Schürmann. Er arbeitet an der Oil-Tankstelle in Buer und beruhigt: „Wir haben hier noch genug Vorräte“. Wie lange die reichen, will er nicht prognostizieren. Bei Jet und Orlen (Star-Tankstellen) werden kurzfristige Engpässe jedenfalls nicht ausgeschlossen. Dass jedoch an allen Zapfsäulen alle Kraftstoffe ausverkauft sind, sei sehr unwahrscheinlich.

>>>Info: Rhein-Herne-Kanal wird auf Pegel gepumpt

Der Pegel des Rhein-Herne-Kanals ist konstant. Der Kanal wird über Pumpen mit Wasser aus dem Rhein gespeist, der Wasserstand also künstlich auf demselben Niveau gehalten.

Von einem erhöhten Verkehrsaufkommen durch zusätzliche Binnenschiffe auf dem Kanal ist nach Angaben der Schleusenmitarbeiter bisher noch wenig zu spüren.

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