Graffiti

Sponk holt die Nordsee nach Scholven

Anfangs hatte der 24-jährige Bismarcker mit seiner Höhenangst zu kämpfen. Die war jedoch nach drei Tagen im Hubsteiger Geschichte.

Anfangs hatte der 24-jährige Bismarcker mit seiner Höhenangst zu kämpfen. Die war jedoch nach drei Tagen im Hubsteiger Geschichte.

Foto: WAZ

Gelsenkirchen.   Der Graffiti-Künstler Dan Geffert hat auf den 20 Meter hohen Bunker in Scholven eine großformatige Küstenlandschaft gesprüht. Reale Motive sind der Leuchtturm Roter Sand und das „Becks-Schiff“.

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Dan Geffert (24) schaut den gigantischen Zylinder hoch und wagt einen kunsthistorischen Vergleich: „Das ist meine Sixtinische Kapelle.“ Schon seit letztem Jahr arbeitet der Graffiti-Künstler mit dem Pseudonym „Sponk“ an der Gestaltung des ehemaligen Rundbunkers an der Nienkampstraße in Scholven: „Die Höhe stimmt auch. Die Sixtinische Kapelle ist ebenfalls 20 Meter hoch.“

Während Michelangelo und Co. die Vatikan-Immobilie mit Szenen aus der Bibel bemalten, hat Sponk dem Bunker mit 1500 Sprühdosen eine fiktive Nordsee-Landschaft verpasst – mit Leuchtturm, Segelschiff, Felsen, Möwen, Robben, Sand, Strand und Meer.

Den Auftrag zum Mega-Gemälde hat ihm Dieter Seybusch erteilt. Der hat vor anderthalb Jahren auf den zwei untersten Etagen des Scholvener Bunkers die Salzgrotte eingerichtet (wir berichteten) und mitbekommen, dass Dan Geffert dem schäbigen Musikpavillon im Stadtgarten ein Facelift verpasst hatte. Daraufhin hat er Kontakt mit dem Bismarcker Künstler aufgenommen. „,

Wir holen die Nordsee nach Gelsenkirchen’ war das Motto“, erklärt Sponk. Zunächst habe man an eine Karibik-Landschaft gedacht, die Idee aber ganz schnell wieder verworfen, weil sie die Idee der Salzgrotte von der heilenden Kraft der rauen Seeluft nicht widergespiegelt hätte.

"Zwei Tage lang nur Blau gesprüht"

Zwischen 350 und 400 Quadratmeter hat Sponk bislang besprüht. Im nächsten Jahr widmet er sich noch der Rückseite des Bunkers. Für seine Arbeit in luftiger Höhe hat er einen Hubsteiger benutzt. „Ich hatte mal Höhenangst“, lacht der 24-Jährige. „Aber diesen Auftrag wollte ich mir nicht nehmen lassen und letzten Endes war er wie eine Therapie für mich.“

Die ersten drei Tage habe er bei seiner Arbeit in bis zu 20 Metern Höhe noch gezittert. Glücklicherweise hat er da noch das Raster übertragen und musste sich noch nicht mit Details der Nordsee-Landschaft befassen. Zur Höhe käme noch hinzu, dass der Hubsteiger auch immer ein bisschen wackele. Heute ist Sponk von seiner Höhenangst geheilt.

„Ich habe zwei Tage lang nur Blau gesprüht“, erzählt er über die Gestaltung des Himmels. „Ich sah aus wie ein Schlumpf.“ Alle zwei Minuten habe er während dieses Arbeitsschrittes eine leere Sprühdose nach unten geworfen. So kamen schnell 1500 Sprühdosen zusammen. Die reine Arbeitszeit schätzt der Folkwang-Student (Industrie-Design) auf anderthalb Monate ein.

Die rötliche Felsenlandschaft hat Sponk sich ausgedacht. Die zwei wesentlichen Motive – die Alexander von Humboldt (das „Becks-Schiff“) und der Leuchtturm Roter Sand – sind real: „Die Leute sollen an der Wand auch etwas wiedererkennen.“

Mammut-Projekt ist noch nicht beendet

Die Felsenlandschaft sei zwar rein fiktiv, so Sponk, allerdings sei der rötliche Farbton der Küste von Helgoland der Aufhänger dafür gewesen. Unter einer gleißenden Sonne segelt von links das „Becks-Schiff“ – die Alexander-von-Humboldt – ins Bild. Von einem kleinen Holzsteg legt ein Ruderboot ab, am Strand liegen zwei Robben, in den Dünen wächst büschelweise Gras und durch den blauen Himmel fliegen ein paar Möwen. Die vom übrigen Weiß losgelöste Wolkenformation bildet kaum wahrnehmbar den Schriftzug „Sponk“.

Im September 2012 hatte Dan Geffert mit dem Schiff und dem Meer im linken Teil des Mega-Gemäldes begonnen. Vor rund drei Wochen widmete er sich dann dem Leuchtturm Roter Sand und der schroffen Küste im rechten Teil der Nordseelandschaft. Im nächsten Jahr will der 24-Jährige aus Bismarck dann einen weiteren Teil des Bunkers verschönern. Die Felsformation soll auf der linken Seite erweitert werden.

Dokumentarfilm geplant

„Eventuell brechen wir das dann auch grafisch auf, um das Innere der Salzgrotte zu zeigen“, erklärt Geffert. Auf der rückwärtigen Seite des Bunkers sieht man, wie das Bauwerk aus dem zweiten Weltkrieg vorher aussah: Eine Art Balkendiagramm stellt auf weißem Untergrund eine Tonfolge dar.

Ebenfalls für nächstes Jahr ist die Fertigstellung eines begleitenden Dokumentarfilms geplant. Dafür wurden bereits Zeitzeugen interviewt. Geffert und Salzgrotten-Inhaber Seybusch wollen die Geschichte des Bunkers „von früher bis heute“ aufarbeiten.

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