Schüler sammeln Spenden

So helfen Gelsenkirchener Schüler ihrem kranken Lehrer

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Auto waschen für den guten Zweck: Tamer, Mina, Merlin und Jannick (v.l.), Schülerinnen und Schüler der Gelsenkirchener Gesamtschule Buer-Mitte, beteiligen sich an einer Hilfsaktion für einen erkrankten Lehrer.

Auto waschen für den guten Zweck: Tamer, Mina, Merlin und Jannick (v.l.), Schülerinnen und Schüler der Gelsenkirchener Gesamtschule Buer-Mitte, beteiligen sich an einer Hilfsaktion für einen erkrankten Lehrer.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer.  Weil ein Lehrer aus Gelsenkirchen-Buer schwer erkrankt ist, taten sich die Schüler der Oberstufe zusammen, um Spenden zu sammeln.

Wenn der Schulhof der Gesamtschule Buer-Mitte hinter dem Rathaus zur Autowaschstation wird, wenn Schüler fast wie am Fließband Kraftfahrzeuge reinigen, dann ist der Grund ein besonderer: Die jungen Menschen setzten sich ein für einen beliebten Musiklehrer, der durch eine schwere Erkrankung vieler Hilfen im Alltag bedarf. Die sind kostspielig. Die Gelsenkirchener Schüler wollen nun helfen, Spenden sammeln für den Lehrer und seine Angehörigen.

Das Bild ist durchaus kurios: Autos fahren auf dem Schulhof Stationen ab. An der Zufahrt wird zunächst kassiert. „Wir nehmen fünf Euro pro Auto – aber einige Menschen geben auch sehr viel mehr“, berichtet Antonia Reida. Mitzuhelfen, das ist für die Elftklässlerin Ehrensache. „Er ist ein sehr netter Lehrer und wir wollen alle unseren Teil zu dieser Aktion beitragen.“

Ein schlimmer Schicksalsschlag hat den Gelsenkirchener Lehrer getroffen

An der zweiten Station wird jeder Wagen eingeseift. Ein paar Meter weiter steht Charline Altmann mit einem Hochdruckreiniger. Die Schülerin der 13. Klasse scheint völlig in ihrem Element zu sein. Tatsächlich ist sie keine blutige Anfängerin. „Ich wasche nicht leidenschaftlich Autos, aber ich habe es schon mal gemacht.“ Dann ist sie also ein Profi? „Unter denen, die hier sind, vielleicht“, sagt sie, lacht und eilt gleich wieder zum nächsten Einsatz. Zwischen diesem und dem nächsten Auto erzählt sie noch: „Als ich gehört habe, dass sich zunächst nicht so viele Schüler gemeldet haben, habe ich mich sofort eingetragen. Wir machen das halt für unseren Lehrer. Aber eigentlich hätte ich das auch für jeden anderen getan. Es ist eben schon ein schlimmer Schicksalsschlag.“

Aber wie kommt man als Schule darauf, ausgerechnet Autos zu waschen? Die Schulleiterin, Ulrike Porz, kennt die Antwort: „Das hat bei uns Tradition. Immer wieder haben Abiturienten Autos gewaschen, um Geld zu sammeln für ihre Abschlussfahrt. Daran haben wir uns erinnert und gesagt, das machen wir wieder.“ Dazu gibt es Getränke, Waffeln und Kuchen, obendrein eine große Tombola. Der Erlös geht ebenso in die Spendenbox ein. Berührt ist die Direktorin von dem Maß der Solidarität vor allem, weil der Musiklehrer gar nicht lange Teil des Kollegiums war. Ein Quereinsteiger, der jedoch rasch einen „guten Draht“ zu den Schülern gehabt habe. Die Lücke sei spürbar. Und sie wird es bleiben. An eine Rückkehr des Musikers an die Schule sei nicht zu denken.

Wasch-Tipps vom Profi

Bettina Schulte beobachtet begeistert, wie der Zustrom der Autos nicht abreißt. Die Schüler sind gerade mal eine gute Stunde am Werk. „Aber es sind bestimmt schon 15 Autos da gewesen“, so die Schulsekretärin, die die Aktion organisierte. „Nachdem wir das an einigen Stellen erzählt haben, wurde die Sache fast zum Selbstläufer. Wir haben unglaublich viel Unterstützung bekommen.“

Auch von einem, ohne den hier kaum etwas ginge: Hausmeister Thomas Fürstenberg. Er begleitet die Aktion zum achten Mal, weist stets die Schüler ein. Denn er weiß, worauf es ankommt: „Meine Eltern hatten früher eine Tankstelle. Da habe ich viel gelernt. Mein Vater hat mit noch gestern Abend mitgegeben: sag’ den Schülern, sie müssen mit viel Wasser waschen.“ Nur das garantiere ein gutes Ergebnis ohne Schäden am Lack. Ob er denn zufrieden sei mit seinen jungen Lehrlingen? „Bis jetzt, ja.“ Na, immerhin. Letzte Frage: Wie viele Autos man heute gemeinsam schaffen könne? „Wenn die Sonne raus kommt und die Leute zu uns kommen, dann schaffen wir von unserer Seite sicher rund 300 Autos.“

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