Schrottfahrzeuge

So geht Gelsenkirchen gegen Tausende Schrottautos vor

Keine Nummernschilder, die Windschutzscheibe verdreckt: Dieser Opel steht an der Wiebringhausstraße in Gelsenkirchen-Hassel.

Keine Nummernschilder, die Windschutzscheibe verdreckt: Dieser Opel steht an der Wiebringhausstraße in Gelsenkirchen-Hassel.

Foto: Matthias Heselmann

Gelsenkirchen.  Sie sind ein Ärgernis in Gelsenkirchen: Autos ohne Nummernschilder, die Parkraum belegen. Die Stadt kämpft dagegen an – und nennt jetzt Zahlen.

Wenn Uwe Cybula auf die Straße blickt, dann ärgert er sich. An der Wiebringhausstraße im Norden von Gelsenkirchen-Hassel sind die Parkplätze knapp, wer Glück hat, erwischt einen am Straßenrand. Doch die knappen Parkplätze werden immer häufiger blockiert durch Autos, die kein Nummernschild mehr haben, und denen man schon am Laub auf der Windschutzscheibe ansieht, dass sie schon lange nicht mehr bewegt worden sind: „Schrottfahrzeuge“ nennt sie Uwe Cybula.

Ein dem Baujahr nach gar nicht so alter Opel Astra steht da beispielsweise. Die Räder sind ein paar Zentimeter in den Boden eingesunken, die Scheiben verschmiert. Ein handschriftlicher Zettel klebt auf der Windschutzscheibe, auf ihm bietet sich jemand als potenzieller Käufer des Autos an. Im Kofferraum liegen die Winterräder. Ein paar Meter weiter bietet sich ein ähnliches Bild, dort steht ein grasgrüner Golf-Kombi, ebenfalls ohne Nummernschilder, ebenfalls mit Winterrädern im Kofferraum.

Bei der Stadt Gelsenkirchen ist das Problem bekannt

Die Schrottautos sind ein Problem in Gelsenkirchen, nicht nur in Hassel, sondern in der ganzen Stadt. An der Kampstraße in Beckhausen etwa stehen häufig Autos ohne Nummernschild, weitere Schwerpunkte sind unter anderem die Stadtteile Schalke-Nord und Ückendorf.

Bei der Stadt weiß man um die Situation, und führt darüber Statistik. Im Jahr 2020 etwa wurden bisher 4038 unangemeldet abgestellte Fahrzeuge gemeldet. Erfährt die Stadt von so einem Fahrzeug, bekommt es zunächst einen auffälligen Zettel auf die Scheibe geklebt, auf dem der Halter aufgefordert wird, das Auto zu entfernen. Wird darauf nicht reagiert, wird das Fahrzeug nach vier Wochen abgeschleppt. „Nach Ablauf der Monatsfrist gilt das Fahrzeug als Abfall, wird abgeschleppt und anschließend fachgerecht verschrottet“, erläutert Stadtsprecher Martin Schulmann.

Das sind die Gründe, warum die Autos an der Straße stehen

In bestimmten Fällen wird das Auto sogar unverzüglich an den Haken genommen – immer dann, wenn Hinweise auf eine Straftat vorliegen, wenn etwa die Feinstaubplakette oder die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN), die bei neueren Autos unter der Windschutzscheibe angebracht ist, fehlen. Das war laut Stadt im Jahr 2020 bislang 103 Mal der Fall. Bei solchen Autos kann es sich um Diebesware handeln: „Hier liegt der Verdacht nahe, dass Straßen und öffentliche Plätze als eine Art kostenloses Zwischenlager genutzt werden, um den PKW-An- und Verkauf abzuwickeln“, so Schulmann weiter. Da müsse die Stadt schnell handeln.

Häufig komme es auch vor, dass die Autos von Leuten abgestellt würden, die in ihrer Garage oder auf ihrem Hof eine Art Werkstatt betrieben, erläuterte der Stadtsprecher, die Autos würden dann auf der Straße zwischengeparkt. Das sei auch im Zusammenhang mit dem Themenkomplex „Zuwanderung EU-Südost“ zu sehen, heißt es bei der Stadt.

Bürger melden der Stadt vermehrt Schrottautos

Dort sei man nicht untätig: Die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) seien für das Thema sensibilisiert und würden in Quartieren, wo häufiger Schrottautos stehen, vermehrt darauf achten, erklärte Schulmann. „Im gesamten Jahr 2019 wurden 3764 unangemeldet abgestellte Fahrzeuge registriert“, so der Sprecher. „Ein Anstieg ist also bereits jetzt erkennbar und lässt sich nicht an tatsächlich vermehrt abgestellten Fahrzeugen festmachen, sondern an der Nutzung eines breiteren Angebots, Beschwerden gezielt an die Verwaltung heranzutragen.“ Auch die Mängelmelder-App „GEmeldet“ werde ebenfalls intensiv zur Meldung von abgestellten Fahrzeugen genutzt.

Bisweilen parken die Schrottautos nicht am Straßenrand, sondern auch auf Garagenhöfen. Bei der Wohnungsbaugesellschaft LEG ist das Thema ebenfalls bekannt. „Wir sind im Unternehmen gerade dabei ein Konzept zu entwickeln, wie wir mit abgemeldeten Fahrzeugen, die sich auf dem Grundstück der LEG befinden, umgehen“, erklärte LEG-Sprecherin Silke Gottschalk. „Darüber hinaus wollen wir sicherstellen, dass auch in Zukunft keine abgemeldeten Fahrzeuge dort dauerhaft abgestellt werden.“

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