Feuerwehr

Silvester ist immer wieder eine Herausforderung

Hauptbrandmeister Jens Gröger macht Silvester in der Feuerwache Seestraße nicht zum ersten Mal Dienst. In der Nacht, sagt er, sei man ganz besonders konzentriert.

Foto: Michael Korte

Hauptbrandmeister Jens Gröger macht Silvester in der Feuerwache Seestraße nicht zum ersten Mal Dienst. In der Nacht, sagt er, sei man ganz besonders konzentriert.

Gelsenkirchen.   Für die Feuerwehr ist es „der Tag der Tage“, denn kurz nach Mitternacht kommen die ersten Notrufe an. Im Bedarfsfall gibt es Hilfe für die Seele.

Top ausgebildet sind sie alle, Feuerwehr-Profis durch und durch. Und trotzdem: „Die Silvesternacht ist immer eine ganz besondere Herausforderung“, sagt Jens Gröger (35). „Da kommt man um Mitternacht gerade noch dazu, den Kollegen ein schönes neues Jahr zu wünschen, dann laufen aber auch schon die ersten Notrufe ein. Von kurz nach null Uhr bis 1.30 Uhr kann man sich dann auf intensivste Arbeit einstellen“, sagt der 35-jährige Hauptbrandmeister.

Es ist nicht das erste Mal, dass er Silvester Dienst hat. An einen Jahreswechsel kann er sich erinnern, da sind er und seine Kollegen nur gefahren, gefahren, gefahren. Im gesamten Stadtgebiet. Es gab über Stunden keine Ruhe.

„Wir sind in allen Bereichen ausgebildet“

Wo er genau eingesetzt wird, weiß er einige Tage vor Silvester noch nicht. Das ist ihm aber auch egal. „Wir sind in allen Bereichen ausgebildet.“ Vielleicht ist er auf einem Löschfahrzeug, an der Drehleiter oder als Notfallsanitäter im Einsatz. Das ist die höchste Qualifikation. „Rettungssanitäter sind alle, die nächste Weiterbildungsstufe war Rettungsassistent, die aber heute durch die Ausbildung zum Notfallassistenten abgelöst wurde.“ Über viele Unfälle, die in der Silvesternacht passieren, kann Gröger nur staunen. „Immer wieder gibt die Feuerwehr Tipps und Ratschläge vorher an die Bevölkerung, immer wieder wird gewarnt, was man beachten soll, aber immer kommt es zu ähnlichen Unfällen durch Unachtsamkeit oder Gedankenlosigkeit.“

Trotz Ratschlägen immer schlimme Verletzungen

Auch der Alkoholkonsum in dieser Nacht spiele zusammen mit dem Hantieren mit Feuerwerkskörpern natürlich eine große Rolle. Besonders angespannt ist er nicht in der Silvesternacht. „Aber natürlich ist es der Tag der Tage. Man ist noch konzentrierter als sonst“, sagt der Familienvater. Zumal die Unfälle und Brände ja während der Nacht passieren. Und immer wieder gibt es teils schlimme Verletzungen an den Händen, oft sogar abgerissene Finger. Auch die Zahl der Feuer häuft sich in der Silvesternacht. „Manchmal erleiden Menschen auch ein Knalltrauma, wenn ein Feuerwerkskörper zu nah am Ohr explodiert.“

Baby musste reanimiert werden und starb schließlich

Mit all’ den unterschiedlichen Herausforderungen geht Jens Gröger profimäßig um, wie seine Kollegen auch. Aber manchmal gibt es eben doch Einsätze, die auch Feuerwehrleute nicht so einfach wegstecken. „Vor einigen Jahren musste ein Baby reanimiert werden, das nachher aber doch gestorben ist. Da war mein Sohn gerade anderthalb Jahre alt. So einen Einsatz muss man dann doch erst einmal verkraften. Das geht nicht so einfach an einem vorüber“, sagt der 35-Jährige.

In solchen Fällen, wenn Feuerwehrleute ihre Hilfsmaßnahmen selbst erst einmal verkraften müssen, können sie sich an das Team für psychosoziale Unterstützung (PSU-Team) wenden. Das sind Kollegen, die eine spezielle Ausbildung haben und sofort gesprächsbereit sind.

Es gibt Hilfe nach sehr belastenden Einsätzen

„Mit den unterschiedlichen Einsätzen geht ja jeder anders um. Manche verkraften belastende Situationen ganz gut, anderen reicht es, nach beendeter Arbeit mit Kollegen zu reden und ansonsten gibt es ja immer noch das PSU-Team.“ An diesem Tag der Tage ist die Feuerwehr personell natürlich aufgestockt worden. Für Jens Gröger beginnt der letzte Arbeitstag des Jahres um 7.30 Uhr und endet am Neujahrsmorgen um die gleiche Uhrzeit. Ob er in den 24 Stunden dazu kommt, sich kurz mal aufs Ohr zu legen,wird sich zeigen.

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