Shutdown

Shutdown: Gelsenkirchens Wirte sind sauer – und traurig

Corona-Shutdown: Ab Montag, 2. November, muss wohl auch die Gastronomie in Gelsenkirchen wieder schließen. Inhaber und Betreiber sind aufgebracht.

Corona-Shutdown: Ab Montag, 2. November, muss wohl auch die Gastronomie in Gelsenkirchen wieder schließen. Inhaber und Betreiber sind aufgebracht.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Corona-Shutdown: Ab dem 2. November soll auch in Gelsenkirchen wieder die Gastronomie schließen. Inhaber und Betreiber sind aufgebracht.

Die Corona-Zahlen sind zuletzt fast überall in Deutschland rapide gestiegen – nun wird es wohl weitere Einschränkungen, weitere Maßnahmen – kurz einen zweiten Shutdown – in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ab Montag, 2. November, geben. Wie nehmen Gelsenkirchener Wirte, Gastronomen, Kinobetreiber diese Nachricht auf? Wir haben nachgefragt.

Corona-Shutdown: Gelsenkirchens Wirte sind aufgebracht – und traurig

„Warum ausgerechnet eigentlich wieder wir?“, fragt Christoph Klug, Inhaber des „Domgold“ und des „Lokal ohne Namen“, zurück. Die Schließungen im Frühjahr hätten den Wirten bereits das Geschäft verhagelt. Doch darum geht es Klug nicht allein: „Wir haben gute Hygienekonzepte entwickelt“, sagt Klug. Die Gastronomie sei eben kein Pandemietreiber. Das habe auch das Robert-Koch-Institut unlängst bestätigt.

„Ich kann für viele Kollegen mitsprechen, dass wir alle Existenzängste haben.“ Denn: „Wir blicken noch nicht mal auf einen lukrativen Dezember, sondern in unklare fünf Monate, die dunkle Jahreszeit beginnt gerade erst.“ Dann die massiven Stornierungen aufgrund der Ängste der Menschen. Und der Wirt fügt noch hinzu: „Ich mache mir in großem Maße Sorgen.“

„Ich habe es befürchtet, aber einfach immer wieder verdrängt“

Nazan Gül ist vor allem eins, an diesem Nachmittag: „traurig“, wie sie es selbst nennt. „Ich habe das befürchtet, aber ich habe es einfach immer wieder verdrängt“, berichtet die Inhaberin des „Dorfkrug“ in Buer. Seit 2015 betreibt sie das Restaurant nun schon und rückblickend sagt sie: „Wir hatten einen richtig guten September“, vielleicht sogar den besten jemals.

Nur wird sie das über den nächsten Shutdown bringen? Eine Zeit lang könne sie die fehlenden Einnahmen noch überbrücken. Doch sie habe natürlich auch weiterhin Kosten. Schon früh hat sie dieses Mal reagiert, schon früh hat sie gemerkt, dass etwas passiert: Als vor zwei Wochen die Infektionszahlen stiegen, habe sie weniger Waren bestellt. Wenigstens da gibt es nun weniger Verluste.

Gutes Hygienekonzept: Schließung von Kinos ist nicht erforderlich

Stephan Zabka, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Schauburg Kino GmbH, sieht es ähnlich wie Domgold-Wirt Christoph Klug. Mittlerweile sei klar, dass auch „von den Kinos keine Gefahr ausgeht. Das sind keine Hotspots.“ Aus seiner Sicht ist eine Schließung von Gelsenkirchens Kinosälen nicht erforderlich. „Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass die Menschen im Kino nicht sprechen“, so Zabka. Hinzu komme der Einsatz der Klimaanlage, mit deren Hilfe permanent Frischluft in den Raum gepustet wird. Und nicht zuletzt: ein gutes Hygienekonzept.

„Wir sind gut aufgestellt, da kommt man schon einigermaßen klar“, sagt Zabka dann auch, mit Blick auf die Schließung. Dennoch sieht er eine „ganz ganz harte Zeit“ auf die Kinobetreiber zukommen. Nicht nur wegen der leeren Ränge. Das ganze System Kino ist komplex, viele Filmstarts wurden im Laufe der vergangenen Monate verschoben und teilweise sogar abgesagt. Dreharbeiten konnten teilweise erst gar nicht oder später stattfinden. So fehlt den Kinobetreiben schlicht der Stoff, um die Massen zu locken. Hinzu komme die Angst der Menschen, ins Kino zu gehen. „Das ist eine Geschichte, die auch unsere Branche verändern wird“, meint Zabka.

Fliegenpils-Wirt: „Das ist purer Aktionismus“

Peter Wendt, seit 27 Jahren Inhaber des Fliegenpils in Buer, ist sauer. Aufgebracht. „Da wird nun eine Berufsgruppe bestraft, die alles dafür erbracht hat, dass eine gewisse Systematik entsteht“, sagt er. Er und auch seine Kollegen hätten massiv investiert, um ihre Gäste sicher bewirten zu können. Wendt findet: „Das ist purer Aktionismus und die falscheste Reaktion“ – ohne genau hinzuschauen.

„Wir haben in den vergangenen Monaten damit leben gelernt“, sagt der Fliegenpils-Wirt auch. Allein die Einführung der Sperrstunden sei für die Kneipen ein harter Schlag gewesen. Und nun: alles wieder zu. „Ich bin damit überhaupt nicht einverstanden“, sagt Wendt.

Positive Gedanken vor dem kommenden Shutdown

Eine Alternative gibt es indes nicht. Vielleicht aber die durchaus positiven Gedanken von Nazan Gül: „Wir haben aus dem ersten Shutdown gelernt. Das hat uns auch als Team zusammengeschweißt“, berichtet sie. Und sie fügt hinzu: „Das gibt mir Mut: Ich weiß ja eigentlich, dass mein Geschäft gut läuft. Da müssen wir jetzt einfach durch.“

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