Betreuung

Schwierige Suche nach einem Kita-Platz in Gelsenkirchen

Die Kitas im Stadtsüden stehen unter Druck: Hier, etwa in der städtischen Kita an der Leithestraße in Ückendorf, liegt die Betreuungsquote bei 17,9 Prozent und weniger.Foto:Thomas Schmidtke

Die Kitas im Stadtsüden stehen unter Druck: Hier, etwa in der städtischen Kita an der Leithestraße in Ückendorf, liegt die Betreuungsquote bei 17,9 Prozent und weniger.Foto:Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen.   In Ückendorf, Schalke und Heßler sind die Betreuungsquoten besonders niedrig. Gekita setzt auf Erweiterung und Neubau. Beides dauert.

Auch im neuen Jahr klafft die Schere zwischen vorhandenen Kindergartenplätzen und dem gewünschten Angebot deutlich auseinander (die WAZ berichtete). Zwar haben bisher nach Aussagen von Holle Weiß, Betriebsleiterin von Gekita, „alle Kinder, die einen Betreuungsplatz suchten, auch einen bekommen“. Dennoch spitzt sich besonders im Stadtsüden die Situation zu. Weil seit 2014 deutlich mehr Kinder geboren wurden. Weil in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele Familien zugewandert sind. Aber auch, weil Ausbau und Neubau von Einrichtungen sich langwieriger und komplizierter gestaltet, als es die angespannte Situation erfordert.

Schon jetzt herrscht akuter Platzmangel

In Ückendorf, Schalke und Heßler etwa liegt die Versorgungsquote bei den unter Dreijährigen bei nur 17,9 Prozent und weniger (Zielvorgabe ist 36 Prozent). „In diesen Stadtteilen handelt es sich um einen akuten Bedarf, der sich bereits heute in fehlenden Plätzen widerspiegelt“, führte der Jugendhilfeplan schon Ende 2017 aus. Auch, dass benachbarte Stadtteile den Mangel auffangen, sei kaum noch gegeben. „Die natürliche Ausgleichsfunktion ist hier aufgrund des generellen Mehrbedarfs an Plätzen zumeist eingeschränkt.“

Eine leidliche Erfahrung, die auch Eltern in den letzten Monaten gemacht haben. Sebastian und Lara Graf (alle Namen geändert und der Redaktion bekannt) wohnen in der Altstadt und sind beide berufstätig. Als ihr Sohn Nils im Sommer 2018 geboren wurde, war klar: In einem Jahr soll er in eine Kita in der Nähe gehen. „Als wir uns zwei Monate nach der Geburt in einem Kindergarten unserer Wahl nach einem U-3-Platz erkundigt haben, sagte die Leiterin sofort: Ich kann Ihnen das hier gerne alles zeigen, aber einen Platz habe ich nicht mehr für Sie“, erzählt Sebastian Graf. In einer anderen Einrichtung habe eine Leiterin ihm gesagt, dass sein Kind nur dann eine Chance auf einen Platz habe, wenn beide Eltern voll berufstätig seien. „Meine Frau arbeitet in Teilzeit – da sind wir schon mal raus.“

Stadt kennt die schwierige Lage

Inzwischen haben die Grafs Nils in drei Kitas im Stadtsüden angemeldet. Jetzt müssen sie bis März warten. „Dann will man uns bescheid geben, ob es mit dem Kita-Platz für Nils im August klappt. Mit einem Kindergarten in Buer oder Horst wäre uns jedenfalls nicht geholfen.“

Gekita-Chefin Holle Weiß kennt die schwierige Lage: „Wir versuchen, dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden.“ Das sei jedoch nicht so leicht. „Es sind ja schon weitere Kita-Bauten in Planung, an der Olgastraße oder neben der Feuerwache an der Wildenbruchstraße. Aber das alles braucht Zeit, es geht eben nicht von heute auf morgen.“

Schwierigkeiten ansprechen“ Kommentar von Tina Bucek

In Gelsenkirchen gibt es nicht ausreichend Kindergartenplätze. Da geht es uns nicht anders als den umliegenden Städten. Eltern, die sich besonders in den letzten beiden Jahren die Hacken abgelaufen haben, um für ihren Nachwuchs eine Kita zu finden, können davon ein Lied singen. Denen hilft es übrigens auch nicht, zu sagen, dass am Ende immer noch jedes Kind einen Platz bekommen habe. Für eine Familie, die in Ückendorf wohnt, ist ein Kita-Platz in Erle oder Buer nutzlos, weil mit dem heutzutage oft auf die Minute durchgetakteten Familien-Alltag nicht zu vereinbaren.

Dass sich die Stadt mit ihren Aus- und Neubauten auf den Süden konzentriert, ist angesichts der schlechten Betreuungsquoten richtig. Auch, weil gerade die oft bildungsfernen Familien in den strukturschwachen Stadtteilen auf die frühkindliche Förderung angewiesen sind. Wenn jetzt noch ein offensiverer Umgang mit Schwierigkeiten beim Kita-Ausbau hinzukäme, könnte das sicher manch’ elterliches Mütchen kühlen.

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