Nachwuchs im Handwerk

Schüler erproben Handwerksberufe in Gelsenkirchen

Sabine Rickelt erläuterte den Hauptschülern Avram (l.) und Damian Grundzüge des Metallbau-Handwerks in der Hauptschule an der Emmastraße in Gelsenkirchen. Die Schüler nahmen an der "ZDI-Handwerkstatt" teil, die Schülern Einblicke in Handwerksberufe vermitteln soll.

Sabine Rickelt erläuterte den Hauptschülern Avram (l.) und Damian Grundzüge des Metallbau-Handwerks in der Hauptschule an der Emmastraße in Gelsenkirchen. Die Schüler nahmen an der "ZDI-Handwerkstatt" teil, die Schülern Einblicke in Handwerksberufe vermitteln soll.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen-Schalke.  Das ZDI-Netzwerk Gelsenkirchen testete ein neues Angebot an der Hauptschule Emmastraße. Beim Projekt kooperieren Schulen mit Handwerksbetrieben.

Ein Miniaturstromnetz nachbauen anstatt Mathematik, Die Arbeit eines Rohrsanierers kennenlernen statt Biologie: In der Hauptschule Emmastraße fand für einen Tag kein normaler Unterricht statt. Stattdessen wurden durch Praxisübungen verschiedene Handwerksberufe vorgestellt.

Weil der Nachwuchs im Handwerk knapp wird und viele Betriebe auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern sind, hat das ZDI-Netzwerk Gelsenkirchen ein neues Angebot, die „ZDI-Handwerkstatt“, erstmals als Pilotprojekt nach einem Münsteraner Vorbild für Gelsenkirchen zusammengestellt.

Über 50 Schüler aus zwei neunten Klassen durchliefen für je eine halbe Stunde sieben Stationen, die mit Materialien und Werkzeugen für die Berufe Tischler, Rohrsanierer, Elektroniker, Metallbauer, Zweirad-Mechatroniker, Zimmerer und den Handwerksbereich Sanitär-Heizung-Klima ausgestattet waren. Experten des ZDI-Netzwerks, der Handwerkskammer Münster, aber auch aus Gelsenkirchener Betrieben, leiteten die einzelnen Stationen. „Wir gehen dabei mit den Betrieben Hand in Hand“, sagt ZDI-Koordinator Thorsten Balgar.

Eine Gruppe probierte sich beispielsweise unter Anleitung von Andre Steiner, Ausbildungsbeauftragter von Elektro Gerhardt, beim Bau eine Schaltung aus und lernte, wie sich Kabel bestmöglich abisolieren lassen. Joel hatte sichtlich Spaß eine Strommast-Konstruktion am Modell zu montieren, auch wenn die Hitze den 16-Jährigen plagte. Er kann sich vorstellen, nach dem Schule den Weg des Elektrikers einzuschlagen. „Das Projekt ist gut, weil man sieht, wie in den Berufen gearbeitet wird“, sagt er. Marylin (16) und Irem (15) stellten hingegen fest, dass es gar nicht so einfach ist Scharniere zu montieren. Für einige Schüler war es der erste Umgang mit Werkzeugen.

Auf dem Schulhof befand sich eine ganz besondere Station. Mit einem eigenen Werkstattwagen war das RHZ Handwerkszentrum angereist. Fachbereichsleiter Jochen Severin gab den Jugendlichen mit zwei Mitarbeiterin einen praktischen Einblick in das Berufsfeld der Rohrsanierung. Die Kanalsicherung und -sanierung wurde den Schülern vor Ort präsentiert. Severin: „Wer bei uns anfangen möchte, sollte auch rudimentär Mathe, Physik und Bio können. Das vermuten viele nicht.“

Eine Chance auf Nachwuchs

Die „ZDI-Handwerkstatt“ wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. „Der Idealfall für zukünftige Projekte wäre es, wenn alle Stationen von Handwerksbetrieben besetzt werden. Die Betriebe müssen außer der Manpower nichts mitbringen und organisieren. Das Projekt ist eine Chance, geeigneten Nachwuchs zu finden“, so Balgar. Vor Ort wurde auch direkt eine Praktikumsstelle vergeben. Sven Koning, Lehrer an der Hauptschule Emmastraße, hatte die „ZDI-Handwerksstatt“ an die Schule geholt. „Wenn es nur drei Schüler sind, die durch das Projekt eine Chance für ihren zukünftigen Beruf erhalten, ist es ein voller Erfolg“, sagt er. Das ZDI-Netzwerk ist online unter: zdi-gelsenkirchen.de

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