Lyrik

Schriftsteller Heinz Stein und die letzten Worte

Über 5000 Aphorismen veröffentlichte der Gelsenkirchener Lyriker Heinz Stein bereits. Jetzt legte er den Band „Letzte Worte?“ auf.

Foto: Klaus Pollkläsener

Über 5000 Aphorismen veröffentlichte der Gelsenkirchener Lyriker Heinz Stein bereits. Jetzt legte er den Band „Letzte Worte?“ auf. Foto: Klaus Pollkläsener

Gelsenkirchen.   Lyriker und Holzschneider Heinz Stein (83) legt mit dem Band „Letzte Worte?“ 111 neuen Aphorismen vor. Das nächste Buch ist schon in Arbeit.

„Mehr Licht!“ sollen einst die letzten Worte des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe gewesen sein. Fraglich, ob all die Überlieferungen vermeintlich letzter Äußerungen berühmter Menschen tatsächlich stimmen. Da verfasste der Gelsenkirchener Lyriker und Holzschneider Heinz Stein seine letzten Worte doch lieber gleich selbst und machte ein ganzes Büchlein daraus. Zum Glück aber setzte der Dichter ein Fragezeichen hinter den Titel seines aktuellen Aphorismus-Bandes „Letzte Worte?“

Das nächste Buch ist fast fertig

Denn längst schreibt der agile 83-Jährige schon an den nächsten Texten, setzt Worte messerscharf und sarkastisch mit spitzer Feder seine Verse aufs Papier. Heinz Steins Verse sind stets philosophisch und tiefgründig, humorvoll und ironisch, lyrisch und besinnlich. Und immer treffen sie den Nagel punktgenau auf den Kopf. Neben vielen optimistischen finden sich durchaus auch pessimistische Zeilen. Spannend sind sie allemal, die 111 neuen Aphorismen.

Sie kreisen um existenzielle Dinge, um zwischenmenschliche Beziehungen, um Liebe, Leid, Alltagsdinge, ja, auch um die letzten Dinge. So heißt es: „die zielgerade des lebens/ ist eine schwierige/ weil kurvenreiche strecke“.

Kluge Worte zum Thema Tod

Mancher Text wirkt desillusioniert („unser leben ist doch nur/eine kurzleihgabe der natur“), mancher wie ein kleiner Ratgeber, zum Beispiel für zeitlebens Unversöhnliche („ein erster schritt/ ist immer wertvoller/ als ein letztes Wort“), mancher resigniert (die zeit heilt keine wunden/denn wunden vernarben nur“).

Das Thema Tod nimmt Heinz Stein auch mit sanfter Ironie: „sterben beginnt sofort/ nach der geburt“. Und der Meister des geschliffenen Wortes befindet: „den letzten augenblick/ bestimmt das schicksal/ meist ohne Worte“.

Atelier in Ückendorf als Anlaufstelle

Seine letzten lyrischen Worte aber sind diese Aphorismen natürlich nicht. „Der nächste Band“, schmunzelt der Künstler, der seine Galerie auf der Bergmannstraße 65 betreibt, „ist schon fast fertig.“ Er wird den Titel „Zwischen Vergangenheit und Zukunft“ tragen und wiederum 111 Texte enthalten.

Das schriftstellerische Engagement umfasst Gedichte, illustrierte Kinderbücher, Aphorismen, insgesamt über 100 Einzelveröffentlichungen und eine CD. Stein illustrierte Texte von literarischen Größen wie Heinrich Böll oder Ernst Jünger, stets im Zusammenwirken mit seiner Frau, der Verlegerin Irmgard Stein.

>>Info: „Letzte Worte?“ gibt’s für 5 Euro im Atelier Stein, Bergmannstr. 65, geöffnet samstags 14 bis 17 Uhr.

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