Wohnen & Leben

Rund 50 Mieter warten seit sechs Wochen auf Aufzugsreparatur

Seit sechs Wochen ohne Aufzug: Karin Auferodt (75) zählt zu jenen Mietern im Hochhaus Küpershof 6 im Gelsenkirchener Stadtteil Bulmke-Hüllen, die in der obersten Etage leben und daher besonders betroffen sind.

Seit sechs Wochen ohne Aufzug: Karin Auferodt (75) zählt zu jenen Mietern im Hochhaus Küpershof 6 im Gelsenkirchener Stadtteil Bulmke-Hüllen, die in der obersten Etage leben und daher besonders betroffen sind.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Bulmke-Hüllen.  Die Mieter eines Hochhauses in Gelsenkirchen warten seit sechs Wochen auf die Reparatur des einzigen Aufzugs. Vor allem die Älteren leiden sehr.

Karin Auferodt (75) braucht derzeit eine halbe Stunde, um vom Eingang des Hochhauses am Küpershof ihre Wohnung zu erreichen. Diese liegt in der siebten und damit obersten Etage. Und der einzige Aufzug? Ist defekt – seit nunmehr sechs Wochen. Was ihr und den anderen Betroffenen der insgesamt 32 Mietparteien als einzige Alternative nun bleibt, ist der Aufstieg durchs Treppenhaus. Und der ist beschwerlich. Gerade für die vielen älteren Menschen, die dort leben. Denn fast alle sind körperlich stark eingeschränkt. Das tägliche Auf und Ab ist für sie eine kaum erträgliche Strapaze.

Nach einer Etage Treppenaufstieg benötigt sie eine Pause zum Luftholen

„Ich schaffe beim Aufstieg zu Fuß immer nur eine Etage. Danach muss ich mich erstmal auf die Stufen setzen, um Luft zu bekommen“, schildert Karin Auferodt, die an einer chronischen Lungenerkrankung leidet und zudem „ein kaputtes Knie“ hat. Genau deshalb dauert es fast 30 Minuten, bis sie von unten kommend endlich vor ihrer Wohnungstür in dem 1964 erbauten Gebäude steht.

Der Ärger begann am 24. August. „Der Aufzug machte schon seit Wochen komische Geräusche“, erzählt Auferodt, die 2004 dort eingezogen ist. „Plötzlich hielt er aber auch nicht mehr ebenerdig an, sondern es entstand eine kleine Stufe beim Ausstieg.“ Die besorgten Anwohner benachrichtigten den Hausverwalter, die Rhein-Ruhr-Invest GmbH mit Sitz in Bochum. Die schickte einen Techniker. Und der legte den Aufzug still.

Zunächst hing ein Zettel an der Fahrstuhltür, auf dem von einer Ausfallzeit von „drei bis fünf Tagen“ die Rede war. Die zogen ins Land, ohne das sich etwas an der Lage änderte. Plötzlich wurde der alte gegen einen neuen Zettel ausgetauscht. Die Botschaft: Die Instandsetzung verschiebe sich „auf ungewisse Zeit“. Fast alle Anwohner versuchten, Kontakt zum Hausmeister oder dem Hausverwalter zu knüpfen. Der kam nach Befragung zahlreicher Anwohner aber entweder gar nicht zustande. „Oder wir bekamen nur Ausreden zu hören oder wurden vertröstet“, schildert ein Betroffener.

Rentnerin aus der siebten Etage musste sogar ihren Hund in Obhut geben

Rentnerin Auferodt entschied sich daraufhin, für ein paar Wochen in den Urlaub zu fahren – in der Hoffnung, dass der Aufzug nach ihrer Rückkehr repariert ist. Doch auch das: ein Trugschluss. Nach sechs Wochen wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an unsere Redaktion. „Ich musste sogar meinen Foxterrier Funny vorübergehend in die Obhut einer Freundin geben“, sagt sie. Der Hund komme allein nicht die vielen Stufen hinauf. Und ihn zu tragen, sei für sie ein Ding der Unmöglichkeit. Das gilt auch für Einkaufstaschen, die derzeit eine Bekannte für sie hoch schleppt.

Weil sich die Mieter in ihrer Not nicht ernst genommen fühlen, haben die ersten bereits den Mieterschutzbund kontaktiert und sich einen Rechtsbeistand genommen. „So kann es nicht weitergehen“, sagt Marita Scheidhauer, die in Etage fünf lebt – in der Wohnung direkt neben ihrer Mutter Renate Niehues. Auch Ingrid und Günter Seliger sind aus der Fünften. Der 82-Jährige benötigt einen Gehstock. „Ich schaffe es höchstens einmal am Tag zu Fuß runter und wieder rauf. Man ist deshalb sehr an seine Wohnung gebunden“, klagt er. Das empfinden Tülin Tastan und Gisela Schmidt genauso.

Das sagt der Hausverwalter

Auf Anfrage dieser Zeitung antwortete der Hausverwalter Rhein-Ruhr-Invest GmbH mit einer schriftlichen Stellungnahme. Daraus geht hervor, dass der Aufzug „seit kurzem“ defekt sei. „Von Seiten des Eigentümers wurde umgehend die zuständige Aufzugsfirma mit der Reparatur beauftragt“, heißt es. Diese Firma habe nach der Sichtung mitgeteilt, dass eine sofortige Reparatur und die Wiederinbetriebnahme nicht möglich sei. „Das erforderliche Ersatzteil wurde umgehend bestellt, hat aber leider, unter anderem durch die aktuelle Corona-Situation, eine Lieferzeit von sechs bis acht Wochen. Wir sind leider auf Dritte angewiesen, fragen allerdings in regelmäßigen Abständen nach, da auch wir an einer schnellen Instandsetzung des Aufzuges interessiert sind“, heißt es.

Um den Menschen im Hause zu helfen, habe der Eigentümer mit einem Taxiunternehmen eine Vereinbarung getroffen, dass die Mieter sich ein Taxi zum Einkaufen rufen können und die Einkäufe dann vom Fahrer in die entsprechende Wohnung getragen werden. Es werde über weitere Unterstützungsmöglichkeiten der Mieter nachgedacht. „Wir haben hier von Anfang an sofort gehandelt um trotz der widrigen Umstände einen Lösungsansatz zur Unterstützung der Mieter, die auf den Fahrstuhl angewiesen sind, zu finden. Da uns keine weiteren Anfragen der Mieter vorliegen, gehen wir davon aus, dass wir bis zur Reparatur und der Wiederinbetriebnahme des Aufzuges das o.g. funktionierende Konzept weiterverfolgen.“ Der genaue Liefertermin des Ersatzteils stehe noch nicht fest.

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