Polizei

Rüder Einsatz? Vorwürfe gegen Polizei werden Gesprächsthema

Die Polizei konnte mit ihrer Sicht der Dinge auf den Einsatz Mutter und Tochter weitestgehend überzeugen. (Symbolbild)

Die Polizei konnte mit ihrer Sicht der Dinge auf den Einsatz Mutter und Tochter weitestgehend überzeugen. (Symbolbild)

Foto: Patrick Seeger / picture alliance / dpa

Gelsenkirchen.  Hat die Polizei Gelsenkirchen bei einem Einsatz ein Mädchen und ihre Freunde drangsaliert? Die Mutter erhob Vorwürfe. Jetzt gab’s ein Gespräch.

Die Aufarbeitung eines angeblich rüden Polizeieinsatzes, bei dem eine junge Frau aus Gelsenkirchen und drei ihrer Freunde drangsaliert worden sein sollen, ist sowohl für eines der vermeintlichen Opfer als auch für dessen Mutter und die Polizei abgeschlossen. Nach einem Gespräch im Polizeipräsidium in Buer kam die Geschichte zu einem versöhnlichen Ende.

Mutter erhob schwere Vorwürfe gegen die Gelsenkirchener Polizei

Rückblick: Melissa R. (18) war in der Nacht zum 20. Oktober an einer Unfallstelle angekommen. Die Polizei hatte sich mit einem flüchtigen Golffahrer eine Verfolgungsjagd mit Streifenwagen und Helikopter geliefert, an deren Ende der mit drei Insassen unter Drogeneinfluss besetzte Wagen nahe der A 2-Anschlussstelle Gladbeck in die Leitplanken krachte. Die junge Frau wollte laut den Schilderungen ihrer Mutter Nicole seinerzeit Erste Hilfe leisten, sei aber dann mitsamt den Freunden von Polizisten „mit Waffe im Anschlag zu Boden gezwungen worden“. Der Vorwurf: Ihre Tochter sei wie eine Schwerverbrecherin behandelt worden. Und habe zudem nachts gefährlich nah am vorbeifließenden Verkehr auf dem nassen und kalten Boden liegen müssen.

Für Nicole und Melissa R. haben sich die emotionalen Wogen nach dem Gespräch nun geglättet. „Die Vorwürfe und Missverständnisse sind ausgeräumt“, sagte die Mutter auf WAZ-Nachfrage. „Wir verstehen jetzt, warum die Polizei so gehandelt hat und so handeln musste.“

Polizei zeigte Mutter und Tochter ein Video der Verfolgungsjagd

Bei dem Treffen wurden ihr und ihrer Tochter ein Video der Verfolgungsjagd gezeigt. Beiden sei die unübersichtliche Lage während des laufenden Einsatzes erklärt worden. Insbesondere der Umstand, dass sich Insassen des verunglückten Fluchtwagens zu Fuß aus dem Staub gemacht hatten, habe Verständnis dafür geweckt, dass die Beamten die Möglichkeit in Betracht ziehen mussten, es mit Mittätern zu tun zu haben.

„Bei Ansicht des Videos wurde auch klar, wie sehr die Wahrnehmungen der Beteiligten in Stresssituationen auseinander gehen“, gab Nicole R. unumwunden zu. Denn die angeblich vorgehaltene Waffe, mit der die Tochter und ihre Freunde von Einsatzkräften zu Boden gezwungen worden seien, „entpuppte sich als Taschenlampe“. Und auch die Zeit, die sie auf dem nass-kalten Boden gelegen habe, sei viel kürzer gewesen als von Melissa und den anderen empfunden. „Daran sieht man, wie hoch die Emotionen schlagen für jemanden wie Melissa, die bislang noch nie etwas mit der Polizei zu tun hatte.“

Bessere Betreuung wäre wünschenswert gewesen

Auch beim Gespräch im Präsidium habe die 18-jährige Auszubildende noch mit dem nächtlichen Tohuwabohu zu kämpfen gehabt, seien Tränen geflossen.

Eingeräumt habe die Polizei, so die Mutter weiter, dass die Einsatzkräfte besser einen Beamten für die Betreuung von Melissa und ihren Freunde hätten abstellen sollen, nachdem die Lage übersichtlicher geworden sei. „Setzen Sie sich erst einmal und beruhigen Sie sich“, eine solche Ansprache und Umgang hätte sich Nicole R. gewünscht und nicht die Ansage: „Fahren Sie weiter.“ Das, so die Mutter, habe die Polizei zugegeben, sei nicht korrekt gewesen.

Polizei übernimmt Reinigungskosten für die Lederjacke

Das sieht auch Polizeisprecher Christopher Grauwinkel so. Er weist jedoch darauf hin, dass eine solche Verfolgungsjagd auch an einem Polizisten nicht spurlos vorübergehe: „Unmittelbar danach steht man schon unter Adrenalin.“

Nun ist für Mutter und Tochter die Sache aus der Welt geräumt. Die beiden erhielten zudem die Zusage, „dass die Polizei die Kosten für die Reinigung der Lederjacke von Melissa übernimmt“, was auch von der Polizei bestätigt wird. „Alles andere hat keinen Schaden genommen, und ist wieder sauber.“

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