Wegweiser-Projekt

Reul spricht in Gelsenkirchen über Kampf gegen Salafismus

Landesinnesminister Herbert Reul (links) und Gelsenkirchens OB Frank Baranowski sprechen über Radikalisierung.

Landesinnesminister Herbert Reul (links) und Gelsenkirchens OB Frank Baranowski sprechen über Radikalisierung.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.  Innenminister Herbert Reul stellt „Wegweiser gegen gewaltbereiten Salafismus“ in Gelsenkirchen vor. Experten sprechen mit Eltern und Lehrern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein Wegweiser gibt in der Regel Richtung und Orientierung zum geplanten Ziel an. In Gelsenkirchen soll er Wege im Kampf gegen gewaltbereiten Salafismus aufzeigen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) eröffnete gestern bei seinem Besuch im Hans-Sachs-Haus den 17. Standort des NRW-Präventionsprogramms. „Wir wollen verhindern, dass junge Leute in die Radikalisierung abrutschen“, erklärt der Minister.

Herbert Reul spricht vom Ausstieg vor dem Einstieg. Wenn sich jemand verlaufen habe, solle er wieder auf den rechten Weg finden. Auf Großflächen sollen Menschen mit dem Hinweis „er macht mir Sorgen“ auf das „Wegweiser-Projekt“ aufmerksam gemacht werden. Auf dem aufwühlenden Plakat sind bewaffnete Kämpfer zu sehen

Gefährdete Menschen werden immer jünger

Träger des Projekts und somit Partner des Landes ist die IFAK eV., Verein für multikulturelle Kinder-, und Jugendhilfe- Migrationsarbeit. Er begleitet gefährdete Jugendliche und junge Erwachsene, arbeitet mit Eltern, Lehrern oder Erziehern zusammen.

IFAK-Geschäftsführerin Friederike Müller hat in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass gefährdete Menschen immer jünger werden und schon Kinder auf die falsche Spur abdriften können. Sie weiß: „Wir brauchen Akteure der Bildung, die genau hinsehen, wenn sich Jugendliche verändern, auffällig verhalten und nicht mehr wiederzuerkennen sind.“

In Gelsenkirchen haben zwei Mitarbeiterinnen einen sunnitischen und alevitischen Hintergrund, sprechen Deutsch, Arabisch, Türkisch und Kurdisch. Ein Mann soll demnächst halbtags arbeiten. Die kultursensibel geführten Beratungsgespräche basieren auf Vertrauen. „Wir nutzen ausschließlich die Methoden der Jugendhilfe“, sagt Friederike Müller.

Mitarbeiterinnen verfügen über fundierte Islamkenntnisse

Voraussetzungen für Gespräche seien Freiwilligkeit, Vertrauen und Transparenz. Auf Grund ihrer fundierten Islamkenntnisse sind die Mitarbeiterinnen auch in der Lage, einen wissenschaftlich-religiösen Diskurs mit den Jugendlichen zu führen, ihnen eine zweite Meinung anzubieten.

Verstärken will das Team die Arbeit mit Eltern. Zur Zielgruppe gehören im Gegensatz zu früheren Jahren mittlerweile auch mehr Mädchen. In Jugendzentren wie auch ambulanten Erziehungshilfen sieht der Verein stärkeren Bedarf zu präventiven Gesprächen.

Schulen und Familien sind oft überfordert

Oberbürgermeister Frank Baranowski begrüßt die Arbeit des Vereins in Gelsenkirchen. Die Unterstützung durch Experten sei notwendig, da Schulen und Familien oft überfordert seien. Es passe sehr gut zu dem Ansatz der Stadt in der Kinder- und Jugendarbeit. Ein Netzwerk „Präventionsgespräch Salafismus“ gebe es bereits.

„Das neue Projekt“, so der OB, „will auf die Risiken hinweisen, frühzeitig intervenieren. Wenn Menschen gut aufwachsen, dient das auch der Sicherheit.“ Der erste Bürger der Stadt sieht Parallelen zum Projekt „Kein Kind zurücklassen“. Baranowski: „Der Perlenkette Prävention ist ein weiteres Glied hinzugefügt worden.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben