Fake Tickets

Rammstein in Gelsenkirchen: Ärger um gefälschte Tickets

Spektakel in der Gelsenkirchener Arena: Rammstein spielen anlässlich ihrer Stadion-Tournee zwei Konzerte auf Schalke.

Spektakel in der Gelsenkirchener Arena: Rammstein spielen anlässlich ihrer Stadion-Tournee zwei Konzerte auf Schalke.

Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Beim Rammstein-Konzert in Gelsenkirchen war für eine Reihe von Fans am Einlass Schluss. Ihre Karten, gekauft über Viagogo, waren gefälscht.

Kriminalwache statt Arena, Anzeige statt Pyro-Show und Metal von Rammstein: Für die Gelsenkirchenerin Christine Jelinski (62) und ihre Tochter Andrea (41) endete der heiß ersehnte Konzertbesuch auf Schalke mit viel Frust und 800 Euro Verlust. Was ist passiert?

„Die Tickets, die wir über Viagogo gekauft haben, sind gefälscht“, sagt Christine Jelinski. Und zwar so gut, dass zumindest

die Mutter bei den Einlasskontrollen ohne Beanstandungen durchgelassen wurde. Nur bei Tochter Andrea flog die Kopie auf. Und als ob es damit schon nicht genug wäre, kam noch mehr Ärger dazu. Die beiden Frauen stellten sich kurzerhand an einem Schalter an, um zumindest noch zwei der wenigen Restkarten zu ergattern. Weil sie aber nur knapp hundert Euro Bargeld bei sich führten, scheiterte auch der zweite Anlauf, die deutschen Weltstars Rammstein live zu sehen. „Denn eine EC-Kartenzahlung war nicht möglich“, so die 62-Jährige. Einzelkarten kosten mehr als 70 Euro pro Kopf.

800 Euro für zwei Konzertkarten bezahlt

„Die beiden Tickets haben wir im Dezember für insgesamt 800 Euro gekauft“, erzählt die enttäuschte Gelsenkirchenerin weiter. Das Geld habe man sich mühsam zusammengespart. Ähnlich erging es ihren Beobachtungen zufolge auch einer Schar anderer Rammstein-Fans. Jelinski und ihre Tochter berichteten, dass in der Schlange von „gut 150 Menschen viele anstanden, die ebenso von Fälschern übers Ohr gehauen“ worden waren. „Die hatten auch bei Viagogo oder bei anderen Plattformen wie Ticketswap Karten gekauft.“ Und auch hier endete der Gang zum Stadion am Kontrollpunkt

Anzeige erstattet gegen Viagogo

Bitter enttäuscht traten Christine Jelinski und Tochter Andrea den Rückweg an. Auf ihrem Heimweg machten sie Halt am Polizeipräsidium Buer und erstatteten bei Beamten der Kriminalwache Anzeige gegen Viagogo. „Die Anzeige können wir bestätigen“, sagt Polizei-Sprecherin Merle Mokwa am Dienstag. Weitere lagen bis frühen Nachmittag nicht vor, könnten aber noch folgen, weil Rammstein zwei Shows hintereinander in Gelsenkirchen geben. Die getäuschte Tochter und Mutter haben zudem den Bezahldienst PayPal informiert, ihre Hoffnung ist, durch den versprochenen Käuferschutz vielleicht Geld zurückzubekommen.

Verbraucherzentrale klagt gegen Viagogo

Die Verbraucherzentrale Bayern hat die Ticketbörse Viagogo verklagt, ein Urteil ist noch nicht gesprochen. Der Vorwurf: Viagogo tritt wie ein offizielles Ticket-Verkaufsportal auf, es handelt sich aber um eine Ticketbörse. Das heißt: Viagogo vermittelt offiziell nur zwischen Käufern und privaten Verkäufern, die dem Käufer aber unbekannt bleiben. Weitere Vorwürfe: Überhöhte Preise, Mehrkosten, falsche oder nicht erhaltene Tickets. „Für Verbraucher ist beim Kauf von Tickets auf Viagogo kaum zu erkennen, dass es sich um keine offizielle Vorverkaufsstelle handelt“, sagt Susanne Baumer, Teamleiterin Marktwächter Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Bayern. Viagogo weise auf die Vermittlung in den AGB hin.

Tipp der Verbraucherschützer

Die Experten raten im Falle von Fake Tickets: „Machen Sie alles schriftlich per Brief, am besten per Einschreiben mit Rückschein.“ Und formulieren so: „Hiermit fechte ich den Vertrag vom… wegen arglistiger Täuschung an. Hilfsweise erkläre ich zudem den Rücktritt vom Kaufvertrag. Ich fordere Sie hiermit auf, meine bereits geleisteten Zahlungen unverzüglich an mich zurück zu zahlen. Sollten Sie dem nicht nachkommen, behalte ich mir weitere rechtliche Schritte vor.“ Sollte es weitere Probleme geben, wird empfohlen, sich an die Verbraucherzentrale zu wenden.

Problem, das Geld zurück zu bekommen

Skeptisch sind die Verbraucherschützer, ob Betrugsopfer ihr Geld zurück bekommen. „Plattformen wie Viagogo geben die Namen der Verkäufer in der Regel nicht preis.“ Außerdem müsse man davon ausgehen, dass die angegebenen Verkäufer-Identitäten nicht selten genauso gefälscht seien wie die vermeintlich echten Tickets.

Viagogo hat auf die Anfrage dieser Redaktion bislang nicht reagiert.

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