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Propst Pottbäcker: Im Doppelamt mehr Manager als Seelsorger

Propst Markus Pottbäcker wird Grenzgänger zwischen Gelsenkirchen-Nord und -Süd als Propst von St. Urbanus und St. Augustinus.

Foto: Martin Möller

Propst Markus Pottbäcker wird Grenzgänger zwischen Gelsenkirchen-Nord und -Süd als Propst von St. Urbanus und St. Augustinus. Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.   St.-Urbanus-Propst Markus Pottbäcker übernimmt im Dezember in Gelsenkirchen auch die Leitung von St.-Augustinus – und damit einen Konzern.

In XL-Dimensionen zu denken, ist nichts Neues für St.-Urbanus-Propst Markus Pottbäcker: Seit mehr als drei Jahren leitet er die mit 34 000 Gläubigen bundesweit größte Pfarrei. Doch das Bistum Essen traut ihm noch mehr zu: Ab Dezember übernimmt er von Propst Manfred Paas auch die Pfarrei St. Augustinus und wird damit oberster Seelsorger von insgesamt rund 55 000 Katholiken – einmalig im Bistum Essen.

Dass die Erwartungen nördlich und südlich des Kanals hoch sind, weiß der 51-Jährige nur zu gut. „Dieses Doppelamt ist schon eine Herausforderung, vor der ich Respekt habe. Aber ich habe ja Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann.“

Zwei Pfarreien mit zwölf Gemeinden, drei Ordensgemeinschaften – und der Konzern St.-Augustinus Gelsenkirchen GmbH mit drei Krankenhäusern, zwei Seniorenheimen und drei Kindergärten: „Ich werde weniger Seelsorger und dafür mehr Manager sein“, ist Pottbäcker schon jetzt klar – auch wenn er im Moment noch nicht konkret weiß, wie er die Aufgaben organisieren wird. „Ich muss mich in bestimmte Bereiche eben einarbeiten. Aber das müssen Vorstandschefs ja auch, die nicht direkt aus der Produktion kommen.“

Alltagsgeschäft sollen zwei Pastöre vor Ort erledigen

Respekt hin oder her: Angst macht ihm die Aufgabenfülle nicht. „Der Bischof hat mir versichert, ein Auge darauf zu haben, dass es mir trotz der Arbeit gut geht. Darauf baue ich. Außerdem nimmt die Doppelfunktion ja nur eine Entwicklung vorweg, wie sie angesichts rückläufiger Priesterzahlen in ein paar Jahren auch woanders Realität sein wird.“

Das Alltagsgeschäft – Taufen, Beerdigungen, Hochzeiten, die Kommunion- und Firmvorbereitung sowie Einzelgespräche mit Gläubigen – sollen ihm zwei Pastöre abnehmen. In St. Urbanus wird es Marius Schmitz sein, seit etwa drei Jahren bereits Kaplan im Stadtnorden und mit allen sieben Gemeinden vertraut. Für St. Augustinus will das Bistum noch einen Priester ernennen, der dann das Pfarrhaus nach Paas’ Auszug beziehen und vor Ort Präsenz zeigen soll.

Weiterhin präsent sein

„Weiter ansprechbar möchte ich auch weiterhin sein“, hat sich Pottbäcker vorgenommen. „Natürlich werde ich am Schreibtisch viele Akten studieren müssen, aber Gottesdienste zu halten und – wenn auch abgespeckt – Seelsorge zu leisten, ist für mich unverzichtbar.“

Das wird für ihn freilich auch das Vorantreiben des Pfarrei-Entwicklungs-Prozesses mit Schließungen von Kirchen- oder Gemeindezentrums-Standorten sein – an nun zwei Fronten. „St. Augustinus hat da unter Propst Paas solide Vorarbeit geleistet und wird das Votum Ende 2017 dem Bischof vorlegen. In St. Urbanus haben wir eine Verlängerung erhalten, weil das Bistum die Zahlen über die tatsächlichen Kosten der Gebäude erst in zwei Wochen liefern wird. Einfach wird es in beiden Pfarreien nicht werden, Immobilien aufzugeben.“

Wie er es mit den Animositäten zwischen Buer und Gelsenkirchen hält – als künftiger Grenzgänger zwischen Nord und Süd? Pottbäcker lacht schallend: „Da habe ich schon einige Bemerkungen zu hören bekommen. Aber ich betrachte mich als Botschafter, der den anderen klarmacht: In beiden Teilen der Stadt wohnen nette Menschen.“

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