Kultur & Literatur

Preisträger-Lob: „Gelsenkirchen ist ein Nest toller Autoren“

Krimiautor Dr. Herbert Knorr – hier an seinem heimischen Schreibtisch in Gelsenkirchen – wurde bei der Verleihung des „Literaturpreises Ruhr 2020“ mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Krimiautor Dr. Herbert Knorr – hier an seinem heimischen Schreibtisch in Gelsenkirchen – wurde bei der Verleihung des „Literaturpreises Ruhr 2020“ mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen.  Gleich zwei Gelsenkirchener Autoren erhielten kürzlich eine Auszeichnung mit dem Literaturpreis Ruhr 2020: Enis Maci und Herbert Knorr.

Die Stadt hat Spuren hinterlassen in Herz und Hirn. Und im literarischen Schaffen. Dafür gab es jetzt für gleich zwei Gelsenkirchener Autoren eine Auszeichnung mit dem Literaturpreis Ruhr 2020. Zum einen den Hauptpreis für die in Gelsenkirchen geborene, inzwischen 27-jährige Autorin Enis Maci, zum anderen den Ehrenpreis für den 68-jährigen Gelsenkirchener Herbert Knorr. Der Autor und Kulturmanager, Träger des ersten Ehrenpreises der vom Regionalverband Ruhr in Zusammenarbeit mit dem Literaturbüro Ruhr vergebenen Auszeichnung, freut sich über die starke Präsenz seiner Stadt: „Gelsenkirchen ist ein Nest toller Autoren, das war schon immer so.“

Du bekommst Gelsenkirchen nicht raus aus dem Mädchen

„You can get the girl out of Gelsen, but you can’t get Gelsen out of the girl.“ Was übersetzt so viel heißt wie: Du bekommst das Mädchen raus aus Gelsenkirchen, aber du bekommst Gelsenkirchen nicht raus aus dem Mädchen.” Enis Maci, deren Familie albanische Wurzeln hat, formulierte diesen Satz über die Stadt, in der sie geboren wurde und in der sie aufwuchs. Zum Studium zog sie dann nach Leipzig, sorgte dort rasch für Furore mit ihren Theatertexten, feierte aber auch Erfolge in München, Berlin und Wien.

Thematisch erörtert sie Feminismus, Digitalität, Liebe, Heimat und Künstlertum. In der Jurybegründung heißt es: „Enis Maci verkörpert eine Autorinnengeneration, die interessant ist, zeitgemäß ist, etwas Neues bietet, gerade in dieser Kombination aus Post-Pop, bisschen Punk, bisschen Sido.“ Mit dem Ruhrgebiet setze sie sich weniger in Form eines sentimentalen Rührstücks auseinander, sondern sehr vital und realistisch.

Im März, also noch lange vor der Preisvergabe, sollte Enis Maci im Bildungszentrum lesen. Eigentlich, denn die Veranstaltung fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt liest, dann schon als ausgezeichnete Ruhr-Literatin.

Das Ruhrgebiet als pralle Inspirationsquelle

Pralle Inspirationsquelle ist die Heimat Ruhrgebiet auch für den Ehrenpreisträger Herbert Knorr. Der Autor, Kulturmanager, Literaturwissenschaftler und Herausgeber, der in Ückendorf zu Hause ist, erhält den Preis für seinen über 40 Jahre langen „Einsatz für die Literatur im Ruhrgebiet“. Unter anderem leitete er mit großem Erfolg das Krimi-Festival „Mord am Hellweg“, holte Autorengrößen wie Volker Kutscher oder Sebastian Fitzek auch nach Gelsenkirchen.

Auch wenn die Auszeichnung nicht dotiert ist, blickt Knorr glücklich und mit Stolz auf die künstlerisch gestaltete Trophäe: „Jahrzehntelang habe ich mit viel Herzblut sowohl als Autor mit ruhrspezifischen Themen als auch als Literaturvermittler für diese Großregion gewirkt. Dass diese Leidenschaft bemerkt und mit dieser großartigen Anerkennung belohnt wurde, freut mich sehr.“

Aktuell arbeitet Herbert Knorr an einem neuen Theaterstück

Und der Autor von Büchern wie „Schitt häppens“ oder „Pumpernickelblut“ verspricht, sich auch weiterhin engagiert für die Revier-Literatur einzusetzen: „Ich bin noch lange nicht am Ende.“ Wie eine seiner Roman-Protagonistinnen peilt auch er den 120. Geburtstag an, damit er noch genug Zeit für so manche schräge und schrille Geschichte hat.

Aktuell arbeitet Herbert Knorr an einem neuen Theaterstück, „einer Art gesellschaftskritischer Posse“. Und für den April hat er schon eine Einladung zur „Criminale“, dem jährlichen Krimifest des Syndikats – einer Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur. Auch dafür plant er bereits eine mordsmäßig spannende und humorvolle Geschichte. Tatort, so viel sei verraten, wird ein sauerländisches Künstlerdorf sein.

Daten und Fakten zum Literaturpreis

Der Literaturpreis Ruhr wurde in diesem Jahr zum 34. Mal verliehen. Der Hauptpreis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Daneben wurde ein Förder- und ein Ehrenpreis ausgelobt. Der Preis wird jährlich vom Regionalverband Ruhr (RVR) vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch betreut. Die Preisverleihung fand in Dortmund statt.

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