Plastikmüll

Positives Echo in Gelsenkirchen auf geplantes Plastik-Verbot

Übervoll mit Bechern, Papiertüten, Trinkhalme und Essensüberresten ist ein Mülleimer. Alles zum Mitnehmen – dieser Trend produziert viel Plastikmüll. Die EU will die Flut von Kunststoffen nun eindämmen.Foto:Winfried Rothermel/Imago

Übervoll mit Bechern, Papiertüten, Trinkhalme und Essensüberresten ist ein Mülleimer. Alles zum Mitnehmen – dieser Trend produziert viel Plastikmüll. Die EU will die Flut von Kunststoffen nun eindämmen.Foto:Winfried Rothermel/Imago

Gelsenkirchen.   Vorstoß der EU wird von Gelsendienste, NGG und Dehoga als sinnvoll erachtet. Remondis: Keine Angaben über Einsparungen bei Müllmengen und Kosten.

In Europa fallen nach Angaben der EU-Kommission jedes Jahr circa 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Weniger als ein Drittel davon wird wiederverwertet. Der Rest landet auf Müllkippen oder in der Umwelt. Im Pazifik treibt bereits ein Müllstrudel, der viermal so groß ist wie Deutschland. Der Vermüllung will die EU einen Riegel vorschieben – bis 2030 sollen alle Kunststoffe wiederverwertbar sein, Gegenstände aus Plastik wie Trinkhalme, Geschirr und Besteck verboten werden.

Ein Vorstoß, der vielfach sehr gut ankommt, vom Stadtverband der Kleingärtner über Gelsendienste bis hin zu Gewerkschaften und Verbänden wie NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) und Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband). Sie alle halten die Reduzierung des Plastikmülls und den Umweltschutz „generell für sinnvoll“ und unterstützen diese Initiative.

Kleingärtner nehmen Korb statt Tüte

Franz Theilenberg vom Stadtverband der Gelsenkirchener Kleingärtner äußerte sich so: „Je eher wir weg sind von Plastik, desto besser. Wir müssen an die Generationen nach uns denken.“ Ihm pflichtet Friedhelm Walden vom KGV Trinenkamp bei. Korb statt Tüte ist sein Motto beim Einkaufen, er und seine Gärtnerfreunde benutzen bei ihren Festen Glas und Porzellan – alles kommt nachher in die Spüle.

Walden als auch Theilenberg haben allerdings festgestellt, dass sich nicht in allen Köpfen dieses Umweltbewusstsein durchgesetzt hat, es noch großen Nachholbedarf in der Bevölkerung gibt – erst kürzlich türmten sich nach einer Jubiläumshochzeit ein halbes Dutzend Säcke mit Plastikgeschirr im Vereinsheim.

5000 Tonnen Verpackungsmüll in der gelben Tonne

Erwähnenswert in dem Zusammenhang ist, dass weder Dehoga (70 000 Mitglieder bundesweit) und NGG (rund 200 000 Mitglieder bundesweit) Erkenntnisse darüber haben, „wie viel Pastikmüll“ bei ihrer Klientel anfällt, noch Aussagen oder Einschätzungen darüber treffen können, „im welchen Umfang sich Menge und Entsorgungskosten in etwa reduzieren ließen“. Gleichwohl bestätigen beide Organisationen, dass zum Thema Plastikmüll derzeit sehr viele Presseanfragen vorlägen.

In Gelsenkirchen betrug nach Angaben von Gelsendienste die Menge an Hausmüll 87000 Tonnen, 5000 Tonnen entfielen hier auf die gelbe Tonne, in die man den Verpackungsmüll mit dem grünen Punkt – demnach auch Plastik – schmeißt. Das Abholen der gelben Tonnen besorgt in Gelsenkirchen die Firma Remondis.

Plastikgeschirr gehört in die schwarze Tonne

Das Unternehmen mit Sitz in Lünen gab an, dass in Gelsenkirchen vergangenes Jahr 5230 Tonnen Leichtverpackungen angefallen sind, bis Mai 2018 waren es 2291 Tonnen. Eine Hochrechnung zur möglichen Reduzierung des Plastikmülls und der Entsorgungskosten durch den Wegfall von eben solchen To-Go-Bechern oder Plastikgeschirr könne man wegen fehlender Datengrundlage ebenso wenig abgeben. Denn: „Strohhalme und Plastikgeschirr beispielsweise werden grundsätzlich nicht als Verpackungsabfall gesehen und gehören deshalb eigentlich nicht in den gelben Sack, sondern in die schwarze Tonne.“

Gleichwohl sieht Remondis im geplanten EU-Verbot für Kunststoffe hervorragende Wachstumschancen. „Aus den Verboten folgt die Notwendigkeit der Entwicklung einer umfassenden Strategie zu besserem Recycling. In diesem Zusammenhang müssen die Sammlungs- und Sortierstrukturen innerhalb von Europa verbessert und weiter ausgebaut werden, was künftig eine Schaffung neuer Arbeitsplätze bedeutet. “ Vielleicht auch deshalb: Laut Spiegel steht Remondis just vor der Übernahme des kompletten Dualen System in Deutschland – eine noch nie da gewesene Machtballung in der Entsorgungswirtschaft. Und ungeahnte Verdienstmöglichkeiten.

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