Ausbildung

Polizei sucht Nachwuchs und setzt dabei auf Talentscouts

Erfahrungen und Erwartungen stellten vor: (v.li.) Prof. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule, NW-Innenminister Herbert Reul, Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schroer und Talentscout Yvonne Shirazi Adl.

Erfahrungen und Erwartungen stellten vor: (v.li.) Prof. Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule, NW-Innenminister Herbert Reul, Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schroer und Talentscout Yvonne Shirazi Adl.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Gelsenkirchens Polizei startet an Schulen mit Pilotprojekt, um motivierte, begeisterte und charakterlich geeignete junge Menschen zu finden.

Die rote Laterne bekommt Gelsenkirchen öfter verliehen. Das Pilotprojekt „Talentscouting“ bei der Polizei könnte allerdings zu einem echten Leuchtturmprojekt werden. „Das Interesse am Polizeiberuf ist nach wie vor stark“, sagte bei der Vorstellung der neuen Talentsuche NRW-Innenminister Herbert Reul. Jetzt gilt es, noch besser die geeigneten Kandidaten zu finden.

Ausgesucht wurde Polizeihauptkommissarin Yvonne Shirazi, die für ihre neue Aufgabe ein Jahr lang ausgebildet wurde, „um passgenau die charakterlich bestgeeigneten Talente für den Polizeiberuf zu entdecken, zu fördern, sie frühzeitig an die Polizei als neuen Arbeitgeber zu binden und über das Studium hinaus in den Beruf zu begleiten“, erklärte Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schröer.

Es kommt auf Kollegialität an

„Ich bin dankbar für die Qualifizierung, die mir selbst viel gebracht hat“, sagt Yvonne Shirazi, die mit Leib und Seele ihren Beruf ausübt. „Für mich ist der Beruf Berufung“, sagt die 43-Jährige studierte Diplom-Sprachtherapeutin, ein Satz, den man ihr sofort abnimmt, wenn sie von ihrer neuen Arbeit spricht.

„Sie ist authentisch, selbstbewusst und hat das Herz auf dem richtigen Fleck“, stellte Anne Heselhaus-Schröer fest. Die 43-Jährige, die seit 2001 bei der Polizei arbeitet, hat eine anstrengende Aufgabe vor sich, die ihr aber schon jetzt Freude macht. Denn sie muss Talente ab der Klasse 10 in Gesamtschulen, Berufskollegs und Gymnasien aufspüren.

Shirazi bringt Schüler zum Staunen

„Ich bin ein Paradiesvogel“, sagt sie. Wenn sie in die Schulen geht und sagt „Ich komme von der Polizei“ bringt sie jeden Schüler zum Staunen. Um die richtigen Mädchen und Jungen für den Beruf auszusuchen, wird starker Wert auf „weiche Eigenschaften“ gelegt. Sind die jungen Leute schon in einem Ehrenamt tätig, wie kollegial sind sie, halten sie viel von Teamwork? „Ich hab in einer Einsatzhundertschaft gearbeitet und weiß, dass es auf solche Eigenschaften im Polizeiberuf ankommt“, sagt sie.

Um ein sicheres Händchen für die Auswahl der Talente zu bekommen, hat sich die Polizeihauptkommissarin viele „Trainingseinheiten“ bei der Westfälischen Hochschule geholt. Denn die arbeitet bereits seit 2015 erfolgreich mit Talentscouts, um geeignete Schülerinnen und Schüler für ein Studium zu begeistern.

Leistungsstarke Kinder finden kaum Beachtung

Außer mit den Fachhochschul-Scouts kooperiert Yvonne Shirazi mit den Lehrkräften der Partnerschulen, um motivierte, begeisterte und charakterlich geeignete Menschen auszusuchen und anzusprechen. „Denn viele junge Leute sind nach der Schulzeit orientierungslos und wissen noch nicht, wo der berufliche Weg hingehen soll. „Immer noch studieren 79 Prozent der Akademikerkinder, aber nur 27 von 100 Kindern, deren Elternhaus keine akademische Tradition hat. Viele motivierte und leistungsstarke junge Menschen finden so nicht die richtige Beachtung“, betonte der Präsident der Westfälischen Hochschule, Prof. Bernd Kriegesmann. Aus dem Grunde sei es richtig, Talente aktiv zu suchen, Vertrauen aufzubauen, ihnen den Polizeiberuf näher zu bringen und ihnen Chancen anzubieten.

Soziale Kompetenzen sind wichtig

„Beim Polizeiberuf kommt es auch auf soziale Kompetenzen an“, betont Polizeihauptkommissarin und Talentscout Yvonne Shirazi Adl. Für noch mehr Sicherheit in NRW würden erneut die Einstellungszahlen um 200 - auf insgesamt 2500 Kommissaranwärterinnen und -anwärter erhöht, betont Innenminister Reul. Daher betreibt die Polizei jetzt landesweit aktiv Personalwerbung. „Gerde der persönliche Kontakt ist wichtig. Ich muss die jungen Leute aussuchen und natürlich darauf achten, dass sie auch körperlich die Anforderungen erfüllen. Aber es gibt sehr viele Dinge, die man besser vermitteln kann, wenn man ein Vertrauensverhältnis zueinander entwickelt hat“, sagt Yvonne Shirazi Adl. Es sei wirklich ein vielseitiger und spannender Beruf. Auf der persönlichen Ebene kann man die Anforderungen besser vermitteln. „Denn viele junge Menschen stellen sich den Beruf anders vor.“

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