Polizeieinsatz

Polizei Gelsenkirchen: Kein Verstoß bei gefilmtem Einsatz

Polizeibeamte führen den Freund und den Mann von Tanja Kaschowitz bestimmt aus der Wohnung in Gelsenkirchen.

Polizeibeamte führen den Freund und den Mann von Tanja Kaschowitz bestimmt aus der Wohnung in Gelsenkirchen.

Foto: Screenshot

Gelsenkirchen.  Das heimlich aufgenommene Video eines Polizeieinsatzes in Gelsenkirchen sorgt für Wirbel. Die Behörde sieht keine dienstrechtlichen Verstöße.

Der Ton, den ein Polizeibeamter bei einem nächtlichen Einsatz wegen einer gemeldeten Ruhestörung in Gelsenkirchen-Feldmark anschlägt, sorgt weiterhin für Empörung bei vielen, die das heimlich aufgenommene Handyvideo des Einsatzes sehen. Inzwischen, so berichtet die Polizei in Gelsenkirchen, habe auch die Behörde das Video ausgewertet und sehe im Kontext des ersten Einsatzes in derselben Wohnung „keine dienstrechtlichen Verstöße der einschreitenden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten.“

In Sozialen Netzwerken ruft das Auftreten des Polizisten deutliche Kritik hervor

In dem Mitschnitt ist zu sehen und zu hören, wie ein genervter Beamter die Mieterin der Wohnung, Tanja Kaschowitz, und ihre Gäste minutenlang anbrüllt und sie kaum zu Wort kommen lässt. Dabei duzt er die Gelsenkirchener konsequent und wird ausfällig. In Sozialen Netzwerken, wo Kaschowitz das Video hochgeladen hat, ruft das Auftreten des Polizisten deutliche Kritik hervor. Nicht zuletzt auch der Fakt, dass die Polizisten allesamt keinen Mund-Nasen-Schutz tragen – im Gegensatz zu Kaschowitz, ihrem Bruder und Vater.

Polizei Gelsenkirchen lässt Video wegen möglichen Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz prüfen

Während die Polizei zunächst auf WAZ-Anfrage am Montagvormittag einsilbig erklärte, das Video zu kennen, es aber erst noch prüfen zu wollen, ergänzte die Behörde am späten Nachmittag zum Einen, dass die Beamten an jenem Abend des umstrittenen Einsatzes schon einmal in der Wohnung tätig geworden waren. Zum Anderen, so die Polizei, habe man das Video der zuständigen Staatsanwaltschaft in Essen zur Prüfung übersandt. „In Bezug auf die Veröffentlichung des Videos in den Sozialen Netzwerken prüft die Staatsanwaltschaft Essen den Anfangsverdacht eines Verstoßes gegen § 33 Kunsturhebergesetz und gegen § 201.“

Am Dienstagmorgen reagierte die Polizei dann auch auf Kritik wegen der fehlenden Corona-Schutzmasken: „Ergänzend weisen wir darauf hin, dass Polizisten in Ausübung ihres Dienstes nicht der generellen Maskenpflicht unterliegen. Gleichwohl sind alle Beamte dahingehend sensibilisiert, dass sie nach Möglichkeit eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen sollen, um sich und andere zu schützen und ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden.“

Aus „einsatztaktischen Gründen beim Folgeeinsatz die Maske nicht angelegt“

Ob bei einem Einsatz eine Maske getragen wird oder nicht, entscheide jeder Polizist aufgrund einsatztaktischer Überlegungen selber. „Bezüglich des in Rede stehenden Videos haben die einschreitenden Polizeibeamten aus einsatztaktischen Gründen beim Folgeeinsatz die Maske nicht angelegt“, heißt es aus dem Polizeipräsidium. Worin die einsatztaktischen Gründe in diesem Fall lagen, erklärt die Polizei nicht.

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