Lesung

„Poetry Pub“ gastiert auf Zeche Westerholt in Gelsenkirchen

Lesung im Schatten des alten Förderturms: Autorin Steff Hasler trug ihre Werke im Rahmen des „Poetry Pub“ auf der ehemaligen Zeche Westerholt in Gelsenkirchen-Hassel vor.

Lesung im Schatten des alten Förderturms: Autorin Steff Hasler trug ihre Werke im Rahmen des „Poetry Pub“ auf der ehemaligen Zeche Westerholt in Gelsenkirchen-Hassel vor.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Hassel.  Sechs Autoren präsentierten am Freitagabend ihre Poesie auf der einstigen Gelsenkirchener Zeche Westerholt – im Schein einer Lichterkette.

Schals, Mützen, Decken, Kissen – sogar lange Unterwäsche kommt bei den Gästen hier und heute zum Schutz vor der Kälte zum Einsatz. Das zumindest erzählen sie einander lachend. Gut gelaunt sind sie nämlich. Und voller Vorfreude auf die Lesung des „Poetry Pubs“ aus Herten, hier am Torhaus der Zeche Westerholt in Gelsenkirchen-Hassel.

Die Veranstaltung im Rahmen der Lesereihe „Kultur vor Ort“, organisiert von den Mitarbeiterinnen der evangelischen Gemeindebücherei an der Thomaskirche in Westerholt, hatte schon im Frühjahr stattfinden sollen und auch an einem anderen Ort. Das Format heute, im Freien und in der einsetzenden Dämmerung, ist ein Kompromiss, der die Durchführung immerhin möglich macht.

Die Hertener Truppe hat das erste Gastspiel in Gelsenkirchen

Und es geht auch schon los: Sebastian Spill liest einen ersten Text vor. „Manchmal“ bringt die Widersprüche des Lebens in Reimform, inspiriert, so sagt es der Autor selbst, von dem bekannten Kindergedicht „Dunkel war’s, der Mond schien helle“. Danach wird der Staffelstab, der hier das Mikro ist, an den nächsten Autor weiter gegeben. Die Regeln sind ähnlich dem eines Poetry Slams. Nur treten hier alle miteinander an und nicht gegeneinander.

„Es gab 2011 in Herten ein Festival zur Förderung der Stadtidentität, bei dem Menschen mit anderen, die sie noch nicht kannten, etwas zusammen machen sollten. Neun Hertener haben sich zusammen gefunden und als lesende Gruppe versucht, die Kneipenkultur zu beleben“, erzählt Kevin Runau, der selbst einer dieser neun und bis heute dabei ist. In Herten, so sagt er, sei die Truppe durchaus bekannt. Nun absolviert sie das erste Gastspiel in Gelsenkirchen.

Beim Einbruch der Dunkelheit wird es stimmungsvoll

Auch wenn das so nicht geplant war, die Frauen aus der Gemeindebücherei freut dieser versöhnliche Abschluss ihrer im Herbst begonnenen Veranstaltungsreihe sehr. „Wir hatten uns immer unterschiedliche Stationen überlegt“, erzählt Hela Schröder. „Mal waren wir im Altenheim, mal im Kindergarten.“ Nun kommt die Poesie zum einstigen Pütt.

Derweil liest Steff Hasler von ihren Erfahrungen mit den sozialen Netzwerken zur Zeit der Kontaktsperre. Davon, dass in solchen Posts eigentlich alles zum Politikum werden kann und davon, dass es sich vielleicht doch lohnt, das Telefon mal zum Telefonieren zu nutzen. Derweil bricht mehr und mehr die Dunkelheit herein. Das kann auch die schnell aufgehängte Lichterkette im Bühnenpavillon nicht verhindern. Stimmungsvoll ist es aber irgendwie. Auch das ist Kultur zu Coronazeiten.

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