Fotografie

Pixelprojekt zeigt in Gelsenkirchen Bilder aus der Heimat

Fotograf Benito Barajas zeigt mit seiner Serie „Scooter-Kids“, wie bunt die Jugend im Ruhrgebiet ist – auch in Schwarz-Weiß-Bildern. Die Serie wurde neu in die Sammlung Pixelprojekt Ruhrgebiet aufgenommen.

Fotograf Benito Barajas zeigt mit seiner Serie „Scooter-Kids“, wie bunt die Jugend im Ruhrgebiet ist – auch in Schwarz-Weiß-Bildern. Die Serie wurde neu in die Sammlung Pixelprojekt Ruhrgebiet aufgenommen.

Foto: Benito Barajas

Gelsenkirchen.  Das Bildarchiv Pixelprojekt Ruhrgebiet zeigt in Gelsenkirchen 21 neue Fotoserien. Die Ausstellung im Wissenschaftspark ist eine Zeitreise.

Bergleute, Punks und Koranschüler: Sie alle treffen im „Pixelprojekt Ruhrgebiet“ aufeinander. 21 Fotoserien sind dem digitalen fotografischen Archiv des Ruhrgebiets in diesen Tagen als Neuaufnahmen hinzugefügt worden. Sie zeigen die Spannbreite der Themen in der Region, aber auch den deutlichen Wandel vor Ort.

100 Serien wurden eingereicht, 21 ausgewählt

Mitte Mai hatte die aktuelle Pixelprojekt-Jury mit Hermann Dornhege (Professor für Fotografie an der FH Münster), Michael Gaigalat (Abteilungsleiter Sammlungen LVR Industriemuseum), Stefanie Grebe (Leiterin Fotoarchiv Ruhrmuseum), Elisabeth Neudörfl (Professorin für Dokumentarfotografie Folkwang Universität der Künste), Dirk Gebhardt (Professor für Fotografie FH Dortmund) und Peter Liedtke (Initiator und Organisator Pixelprojekt_Ruhrgebiet) in Gelsenkirchen getagt, um aus genau 100 Einreichungen 21 Fotoserien von 18 Fotografinnen und Fotografen neu für das Projekt auszuwählen. Die meisten Fotografen hatten dafür gleich mehrere Werke eingereicht, Ausschnitte aus ihren Serien werden seit dieser Woche in einer Ausstellung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen gezeigt.

Von Kirmes bis Koranschule

Benito Barajas fotografierte „Scooter-Kids“ auf dem Autoscooter einer Kirmes, Olaf Ballnus „Superreal Punks“, Bob Heinemann Koranschüler, die brav ihre Hausaufgaben machen, Dorothee Hörstgen den Stadtteilfriseur ‘Herr Hampel’, wie es ihn einst an fast jeder Ecke im Revier gab. Brigitte Kraemer zeigt in poppig-bunten Aufnahmen Camper und Flüchtlinge, Peter Maria Schäfer berichtet vom Missbrauch Drogenabhängiger in Dortmund und zeigt eine Bilderserie, die kaum zu ertragen ist. Die „Kinderwelten“ aus armen Verhältnissen der Jetzt-Zeit, die Harald Hoffmann entdeckt, bilden einen starken Kontrast zu den historischen Kinderbildern aus dem „Hagenshof“ von Claudia Thoelen.

Steffen Walter hat für seine Serie „RUHRSTADT“ Motive aus allen 53 Ruhrpott-Städten eingefangen, die so auswechselbar sind, dass sie überall sein könnten. Hier zeigt sich die Einheit einer Region, die aus lauter einzelnen Zentren besteht.

So ist das Revier wie die Bilder, die im Pixelprojekt gezeigt werden: bunt, lebenslustig und traurig zu gleich. Angepasst und aufmüpfig.

Düstere Atmosphäre überwiegt

In diesem Jahr wirkt die Bilderschau im Wissenschaftspark jedoch deutlich düsterer als in den Vorjahren, was einerseits vielleicht daran liegt, dass gut die Hälfte der hier gezeigten Serien in Schwarz-Weiß gestaltet wurden. Aber auch die Themen sind mit Kinderarmut, Stricherszene, dem Leben auf der Straße und der Trostlosigkeit entlang der Revier-Autobahnen keinesfalls leichtverdaubare Kost für das Auge. „Das mag daran liegen, dass kritische Positionen von der Jury eher ausgewählt werden als solche, die das heile Leben im Revier zeigen“, sagt Pixelprojekt-Initiator Peter Liedtke, der jedoch auch fröhliche Aspekte in den Neuaufnahmen findet. Besonders stolz ist der Gelsenkirchener Fotograf auf die neuen Arbeiten des Fotografie-Altmeisters Romain Urhausen, der aus Luxemburg stammt und lange in Dortmund lebte und arbeitete.

Den Neubaus des „Florianturms“ in Dortmund dokumentierte Urhausen genau so wie die Architektur der 1950er und 1960er Jahre. „Diese Bilderserien konnten wir dank einer Kooperation mit dem renommierten Centre national de làudiovisuell (CNA) Luxemburg in unser Pixelprojekt-Online-Archiv aufnehmen. Und ich bin sehr stolz darauf, dass das geklappt hat“, betont Peter Liedtke.

517 Fotoserien, 10.000 Bilder

Fotografische Arbeiten von Wolfgang Bellwinkel, Claudius Dorner, Annette Jonak, Helmut Orwat, Janosch Rauter, Joachim Schumacher, Ulrich Timmermann und Horst Dieter Zinn ergänzen den Reigen. Mit den Neuaufnahmen besteht das Projekt nun aus 517 Fotoserien von insgesamt 312 Fotografinnen und Fotografen und nahezu 10.000 Einzelbildern. „Sie alle sind online auf pixelprojekt-ruhrgebiet aufrufbar. Dort gibt es auch detaillierte Informationen zu den einzelnen Fotografen“, erklärt Peter Liedtke.

Ein aktuelles Video zu den Neuaufnahmen ins Pixelprojekt ist zu finden in der Multimedia-Rubrik auf waz.de/gelsenkirchen

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