Kommunalwahl

Pflege der Zukunft in Gelsenkirchen wird ein Wahl-Prüfstein

Ingrid Wüllscheidt (Grüne), Karin Welge (SPD), Susanne Cichos (FDP) und Malte Stuckmann (CDU) (v.l.) diskutieren im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen zum Thema „Wahlprüfstein Altenpflege".

Ingrid Wüllscheidt (Grüne), Karin Welge (SPD), Susanne Cichos (FDP) und Malte Stuckmann (CDU) (v.l.) diskutieren im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen zum Thema „Wahlprüfstein Altenpflege".

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Bei der Podiumsdiskussion in Wissenschaftspark herrscht Gemeinsamkeit bei Grünen, SPD, FDP und CDU in Gelsenkirchen: Alternative Modelle prüfen.

Disziplin und grundsätzliche Einigkeit in der Sache bestimmten die Podiumsdiskussion. In der Reihe „Kommunalwahl-Prüfstein“ ging es im Wissenschaftspark Gelsenkirchen um das Thema „Altenpflege“ auf Einladung von VSD, Verbund freier sozialer Dienste e.V., und Psychosozialer Arbeitsgemeinschaft Gelsenkirchen. Die Vorstellung der Parteien fassten Karin Welge (SPD), Susannne Cichos (FDP), Malte Stuckmann (CDU), die für die OB-Wahl kandidieren, und Ingrid Wüllscheidt (Grüne), die David Fischer vertrat.

Die Trends sprechen dabei für sich: Immer weniger jüngere, deutlich mehr Menschen im Alter 65+ bis 2030, ein stark steigender Anteil von dementiellen Patienten unter den Pflegebedürftigen. Diese werden dann bis zu 15 Jahre gepflegt. All das, zeigte sich einhellig, erfordere, dass die Mitarbeiterinnen in den Pflegeberufen nachhaltige Anerkennung über den Applaus in der Corona-Pandemie hinaus benötigten.

Gelsenkirchen steht dabei in einem Punkt sogar recht gut da, bei der Ausbildung in den Pflegeberufen. Für eine Sicherung der Versorgung vor Ort sei aber eine detaillierte Bedarfsplanung notwendig. Diesen Ball spielten sich die Rednerinnen und der Redner auf dem Podium zu.

Regelmäßiger „Runder Tisch Pflege“

Ingrid Wüllscheidt erinnerte, die Selbstbestimmung der Menschen als Pflegebedürftige müsse gewährleistet sein. Neue Formen der Pflege, wie sie zum Teil die europäischen Nachbarn praktizieren, müssten auch hier nach genauer Prüfung angewendet werden können. „Dazu müssen wir in allem stärker in die Quartiere, vor Ort gehen.“ Die Erkenntnisse könnte dann ein regelmäßiger „Runder Tisch“ untersuchen.

Dafür sprach sich auch Karin Welge aus. Die Personal-Akquise und auch die Ausbildung im Pflegebereich für die konkreten Erfordernisse in der Kommune sei allerdings schwierig, die Prognosen ähnelten häufig dem „Reiben an der Glaskugel“.

Bedarfsplanung für Personal und Pflegebedürftige

„Wir sind auf dem Weg in eine Gesellschaft langen Lebens“, merkte Susanne Cichos an. Eine Instanz wie ein solcher Runder Tisch könne den Prozess begleiten, in dem die Kommune die Voraussetzungen für eine qualitativ und quantitativ „pflegerisch richtige Versorgung“ schaffe.

Malte Stuckmann warf ein, dem guten Ansehen der Pflegenden in der Öffentlichkeit stehe immer noch die wenig angemessene Vergütung in diesen Berufen entgegen. Im Detail sei sicher die Einrichtung von Demenz-Zentren angesichts der demografischen Entwicklung und der Zunahme der entsprechenden Fallzahlen zu erwägen.

Standortvorteile für Gelsenkirchen

Das „Abfischen“ von Aussteigern aus den pflegerischen Tätigkeiten nahm bei den Podiums-Beteiligten breiten Raum ein. Um qualifizierte Kräfte zurückzuholen, gerade an den Standort Gelsenkirchen, müssten die Rahmenbedingen verbessert werden. Hindernisse bildeten da offenbar schon das Angebot von Betreuungsplätzen für die Kinder von Pflegenden für die Tageszeiten, in denen der größte Arbeitsanfall etwa im stationären Bereich bestehe, also morgens zwischen 7 und 9 Uhr.

Niedrige Mieten in Gelsenkirchen stellten einen Standortvorteil in einem Wettbewerb der Städte um Personal dar, zeigte die Diskussion. Auch mit dem gezielten Einsatz ausländischer Fachkräfte könne ein Rückgang auf diesem Sektor kompensiert werden.

Regelrecht „knackig“ gestaltete sich die Schlussrunde. Ingrid Wüllscheidt appellierte: „Wir müssen die Kompetenz der Beschäftigten in den Pflegeeinrichtungen ernst nehmen.“ Karin Welge sprach sich dafür aus: „Die Ausbildung zu stärken, um weiter auf viele gute Akteure vor Ort setzen zu können.“ Susanne Cichos meinte: „Die Wertschätzung muss den Beschäftigten grundsätzlich über das ganze Jahr sichtbar gemacht werden, das spricht für eine Image-Kampagne über Plakate.“ Malte Stuckmann unterstrich: „Wir benötigen eine Pflegebedarfsplanung für die Mitarbeiter, die Auszubildenden und die zu Pflegenden, und auch, um die Pflege hier für ganz NRW und darüber hinaus zu etablieren.“

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