Luft-Belastung

PCP im Holz – Kita Sterntaler in Gelsenkirchen wird saniert

Um die Holzbalken-Konstruktion im Dach geht es in der Kita Sterntaler am Grieseplatz in Bismarck. Sie dünsten Schadstoffe aus. Mit der Sanierung soll jetzt ein Restrisiko ausgeschlossen werden.

Foto: Michael Korte

Um die Holzbalken-Konstruktion im Dach geht es in der Kita Sterntaler am Grieseplatz in Bismarck. Sie dünsten Schadstoffe aus. Mit der Sanierung soll jetzt ein Restrisiko ausgeschlossen werden. Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen.  Giftstoffe im Holzschutzmittel sorgen für Langzeitprobleme in fünf Kindertagesstätten des Ev. Kirchenkreises. In Bismarck wird nun saniert.

1977 ist die Kita Sterntaler am Grieseplatz gebaut worden: Ein Flachbau mit zwei Gruppen- und mehreren Nebenräumen, mit großem Saal und Turnhalle, errichtet mit einem Holzständerwerk. Die tragenden Balken der Deckenkonstruktion wurden damals mit Holzschutzmittel imprägniert. Ein gängiges Verfahren – und eines mit Langzeitfolgen.

Der Evangelische Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid als Träger der Einrichtung bat Donnerstag die Eltern zum Informationsabend. Er sieht Handlungsbedarf. Aus den Balken dünstet PCP, Pentachlorphenol, aus. Es ist Bestandteil des damals verwendeten Holzschutzmittels. Die Konzentration ist niedrig, doch ein mögliches Gesundheitsrisiko scheint gegeben.

Zweigruppige Kindertagesstätte mit 45 Plätzen

Nun soll die zweigruppige Kindertagesstätte mit 45 Plätzen und insgesamt elf Beschäftigten saniert werden. Seit letzter Woche laufen bereits Luftreiniger, die das PCP ausfiltern. In Kürze sollen die ausdünstenden Balken von einer Fachfirma bei laufendem Betrieb mit einem Spezialüberzug versehen und Zwischendecken eingezogen werden.

Die Arbeiten sollen nächste Woche beauftragt werden und so schnell wie möglich in Bismarck beginnen, erklärt Superintendent Heiner Montanus. Den Eltern wurde angeboten, ihre Kinder bis zum Ende der Baumaßnahme oder dauerhaft in anderen Einrichtungen unterzubringen. Zwei Familien schicken ihre Kinder bereits seit Dezember nicht mehr in die Einrichtung.

Der Elternrat hatte sich beim Träger gemeldet

Damals hatte es Messungen und erste Informationen für die Eltern gegeben. Der Elternrat hatte sich beim Träger gemeldet, auch weil es unter den Beschäftigten mehrere teils schwere Krankheitsfälle gegeben hatte. Ein direkter Zusammenhang ist kaum erklärbar, aber eben auch nicht von der Hand zu weisen. „Wir haben uns jetzt in der Pflicht gesehen“, Eile sei geboten, aber Aktionismus wolle man vermeiden, betonen Montanus und Pfarrerin Ute Riegas-Chaikowski, die Vorsitzende des synodalen Kindergartenausschusses. „Wenn es um die Gesundheit und ein mögliches Restrisiko geht, und sei es auch noch so gering, ist jeder Tag zu lang.“

Doch das Problem ist nicht neu: 2004 hat es bereits Messungen in den Kitas gegeben. Und Auffälligkeiten in fünf Einrichtungen, in denen die gemessene PCP-Konzentration über dem empfohlenen Richtwert von 0,1 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft lag. Damals lag der höchste Wert am Grieseplatz bei 0,32 Mikrogramm, bei den aktuellen Messungen bei 0,17 Mikrogramm.

Weitere Schadstoffmessungen erfolgen

Neben dem Sterntaler sind diese vier (der aktuell 17) evangelischen Kindergärten betroffen: Der Apostelkindergarten an der Horster Straße, die Bunte Welt an der Devensstraße, der Albert-Schweitzer-Kindergarten in Schalke und in Wattenscheid die Kitas Ludwig Steil und Pastor Viertmann. Die Eltern wurden Freitag allesamt per Brief informiert. Allerdings waren dort die gemessen Konzentrationen 2004 geringer als im Sterntaler, Krankheitsfälle sind nicht bekannt. Dennoch sollen auch dort jetzt erneute Schadstoffmessungen und eventuell Sanierungsmaßnahmen erfolgen.

Damals wie heute gab es laut Montanus seitens der Behörden keine Warnung vor Gesundheitsgefahren, lediglich Empfehlungen: stets konsequent lüften, gut reinigen, eventuell sanieren. Letzteres steht nun in Bismarck an.

>> Farblos, lang ausdünstend – und problematisch

PCP kann sich auf Atmung und Blutdruck auswirken. Die Aufnahme erfolgt über die Haut und auch den Magen-Darm-Trakt. Die biologische Halbwertszeit liegt bei ein bis drei Wochen.

PCP kam wegen seiner Wirkung gegen Pilze und Sporen vor allem in Holzschutzmitteln zum Einsatz. Seit 1986 ist die Bproduktion von Pentachlorphenol in der Bundesrepublik Deutschland ausgesetzt. Seit 1989 sind Verwendung und Verkauf von Erzeugnissen, die mehr als 5 mg/kg PCP enthalten, verboten.

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