Apotheke im Krankenhaus

Patienten werden aus dem Keller versorgt

Chefapothekerin Anette Woermann (vorn) und PTA Manuela Braun kommissionieren die Medikamente in der Krankenhaus-Apotheke des Marienhospitals in Gelsenkirchen für Patienten.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Chefapothekerin Anette Woermann (vorn) und PTA Manuela Braun kommissionieren die Medikamente in der Krankenhaus-Apotheke des Marienhospitals in Gelsenkirchen für Patienten. Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen  Apotheke im Marienhospital besteht seit 40 Jahren. 70 000 Einheiten an Medikamenten wurden im letzten Jahr verteilt. Abteilung hat 31 Mitarbeiter

Wer heute im Krankenhaus liegt, macht sich selten Gedanken darüber, woher denn die Medikamente kommen, die ihn wieder auf Trab bringen sollen. Nun, wer im Marienhospital seine Krankheit auskuriert, der kann auf kurze Wege bauen. Das Heil liegt im Keller: Die Apotheke liefert Medikamente in alle Abteilungen des Hauses. Elektronisch gespeichert laufen alle Anforderungen über die Rechner der Apotheke.

Zum 40-Jährigen gab’s als Jubiläumsgeschenk ein Transportband, das die Wege weiter verkürzt. Als elektronischer Helfer dient den 31 Mitarbeitern ein mobiles Erfassungsgerät, das die Medikamente über einen Barcode erkennt. Per Schieber werden die Präparate vom Band in einen der 18 Transportkästen geschoben, die parallel zum Laufband aufgestellt sind. Die Präparate erreichen dann auf schnellstem Weg die Abteilung, die sie angefordert hatte.

Der Bedarf ist enorm. „Im letzten Jahr haben wir 70 000 Einheiten verteilt, in diesem Jahr werden es noch mehr“, weiß Anette Woermann, Leiterin der Apotheke. Immerhin für 1800 Betten müssen Medikamente zur Verfügung stehen. Für individuelle Dosierungen stellen die Hausapotheker im Labor auch Medikamente aus eigener Hand her. „40 000 Präparate waren es im letzten Jahr“, sagt Anette Woermann, die mit dem Master in Krankenhaus-Pharmazie abschloss. Die Apotheker im Haus seien zu Partnern der Ärzte geworden. Woermann: „Wir sind häufig bei Visiten mit dabei, sprechen Dosierungen mit den Medizinern ab, wollen gemeinsam die bestmögliche Therapie ermöglichen.“ Seit 2008 ist die Arzneimittel-Anamnese Sache der Apotheker.

Auf konstant 23 Grad hält die Klimaanlage die Raumtemperatur im Keller. In Kühlschränken werden Präparate aufbewahrt, die zwischen zwei und acht Grad gelagert werden müssen. „Die Temperaturgrenzen sind eingespeichert. Fällt der Strom aus, warnen Sirenen und ein blinkendes Rotlicht vor zu hohen Temperaturen. Ein Notstromaggregat sichere dann die benötigte Kühlung. „Die Versorgung muss immer gewährleistet sein“, sagt die 44-Jährige, die auch Engpässe bei der Lieferung einkalkuliert. Woermann: „Immer häufiger bekommen wir von Herstellern zu hören, dass Medikamente in absehbarer Zeit nicht lieferbar seien. Darauf müssen wir vorbereitet sein und rechtzeitig Verträge mit weiteren Lieferanten abschließen.“ Als im letzten Jahr ein Antibiotika-Werk in China abbrannte, war der Aufwand enorm, Ersatz zu beschaffen. Die Apothekerin erwartet vom Gesetzgeber, dass er ein Risikomanagement vorlegt, um nicht von einem Land abhängig zu sein.

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